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Musik

Kammer mal machen

Ein musikalisches Schatzkästchen mit leicht irreführendem Namen: Das Augsburger Ensemble "Bayerische Kammerphilharmonie“ hat sein Jubiläums-Saisonprogramm 2013/14 vorgestellt...

Manche Sachen dauern eben etwas länger. Zwar liegt die Geschäftsstelle der Bayerischen Kammerphilharmonie seit rund drei Jahren auf meinem Weg zur Arbeit, aber wer oder was da genau dahinter steckt, war mir lange nicht klar. Und ehrlich gesagt argwöhnte ich sogar die Filiale einer Münchner Institution dahinter, die vor lauter Geld halt mal ein Büro in die Jesuitengasse setzt...

Tatsächlich war die Bayerische Kammerphilharmonie eine Zeitlang in der Landeshauptstadt angesiedelt, doch wurde das Ensemble 1990 in Augsburg von Mitgliedern des Landesjugendorchesters Bayern gegründet und ist seit 2003 auch wieder in der schwäbischen Mozartstadt beheimatet. Bis zur Wiedereröffnung des Kleinen Goldenen Saals hatte es an einer passenden Spielstätte gemangelt.

Im kommenden Herbst geht die Bayerische Kammerphilharmonie nun also in ihre zehnte Saison in Augsburg und bietet in der Heimat selbst erneut sieben interessante Konzerte in der Reihe »un-er-hört« an. Daneben ist man zu Gast in Kloster Irsee und im Münchner Prinzregententheater. Gastspiele, die für die Kammerphilharmonie nichts Besonderes darstellen, Konzerte im In- und Ausland sowie Einladungen auf internationale Festivals sind keine Seltenheit, die CD-Produktionen wurden u.a. von der BBC und mit dem Klassik-Echo ausgezeichnet.

Große Errungenschaften also für ein freies Ensemble. Grundstock der Kammerphilharmonie sind die 18 Streicher; Bläser, Pianisten etc. werden je nach Projekt dazugeholt. Und jedes dieser Projekte bzw. Konzerte erfordert seinen eigenen Aufwand an Unterstützer- und Sponsorensuche, keine Kleinigkeit für einen relativ kleinen Verein. »Doch wir finden, dass Hochkultur und Kunst auch in Zeiten knapper Kassen möglich sein muss«, so Geschäftsführer, Vorstandsmitglied und Bratschist Valentin Holub am Freitag bei der Vorstellung des neuen Spielplans.

»Die Bayerische Kammerphilharmonie wird nicht zuletzt vom großen Engagement ihrer Mitglieder getragen«, berichtet Angelika Man, selbst Flötistin, die sich mit einer Kollegin auf Honorarbasis die Büro- und Pressearbeit teilt und auch bei Abendveranstaltungen an der Kasse sitzt. »Das Ensemble spielt oft sogar ohne Dirigent, die Leitung übernimmt der erste Geiger, es ist also ein sehr lebendiges Musizieren, bei dem die Kommunikation der Musiker untereinander immens wichtig ist.«

Ein Engagement, das u.a. auch der Deutsche Musikrat zu schätzen weiß, der die Kammerphilharmonie bereits zum dritten Mal ausgewählt hat, um ambitionierten Dirigierstudenten die Arbeit »am lebenden Objekt« zu ermöglichen. So auch beim Auftaktkonzert der neuen Saison am 19. Oktober, bei dem unter der Leitung des ersten Gastdirigenten der Kammerphilharmonie, Reinhard Goebel, angehende Karajans ihr Können verfeinern dürfen. Und auch das Publikum kann etwas lernen: Die Proben am 17.10. und 18.10. sind öffentlich und kosten keinen Eintritt. Apropos Eintritt: Die ermäßigten Karten für Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderung etc. kosten bei selbstveranstalteten Auftritten der Kammerphilharmonie nur zehn Euro - auf allen Plätzen!

Im weiteren Saisonverlauf ist die Kammerphilharmonie wieder in der Synagoge zu Gast mit dem Sonderkonzert zum 100. Geburtstag des britischen Komponisten Benjamin Britten (17.11.), außerdem im Rahmen des Augsburger Mozartfests im Mai mit »Mozart und Strauss« in Evangelisch Heilig Kreuz und im Juli 2014 u.a. mit einem eigens für die Kammerphilharmonie komponierten Werk von Moritz Eggert im Parktheater.

Ein Klassiker ist das traditionelle Mozartkonzert im Kleinen Goldenen Saal, das 2014 wegen des großen Zuspruchs erstmalig an zwei aufeinanderfolgenden Terminen stattfindet. Zum Klavierkonzert im März mit Werken von Frederic Chopin und Josef Suk freut sich die Kammerphilharmonie über den Gastpianisten Alexander Schimpf, der zurzeit so ziemlich alle Preise einsammelt, die weltweit zu holen sind, aber trotzdem »vernünftig geblieben ist«, wie es Geschäftsführer Valentin Holub ausdrückt.

Und wer der Kammerphilharmonie folgen will: Das dreitägige Gastspiel beim Festival »Tonspuren« auf Kloster Irsee im April 2014 könnte ebenfalls spannend werden. Die Leitung der diesjährigen Ausgabe des jungen Festivals hat als »Composer in Residence« Henning Sieverts übernommen, der eher als Jazzbassist bekannt ist und neben vielen anderen mit Wolfgang Lackerschmidt, Chris Hirson und Geoff Goodman zusammengearbeitet hat.

Insofern revidieren wir gerne unsere Überschrift: Bayerische Kammerphilharmonie - sollte man unbedingt mal machen!

Das komplette Programm, Info und Vorverkauf etc. in der Geschäftsstelle in der Jesuitengasse 2, Mo-Fr 10-13 Uhr, im Netz unter www.kammerphilharmonie.de.

Fotos: Josep Molina

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