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Nubia - Neustart
Mit ihrer Mischung aus Indie-Pop, Rock und lateinamerikanischer Musik begeistert die chilenische Musikerin Nubia das Augsburger Publikum. In diesen Tagen erscheint ihre erste EP „Neustart“, die nach einer Nierentransplantation produziert wurde. Walter Sianos traf sie zum Interview.
Nubia, wie landet man als Chilenin in Augsburg?
Letztendlich war es die Liebe. Ich habe in Santiago de Chile einen Deutschen kennengelernt und als er 2006 wieder zurück nach Deutschland ging, hatte ich gerade mein Studium beendet und bin einfach mitgegangen. In den ersten zehn Jahren habe ich in Paderborn gelebt. 2016 wurde mir ein Job an der Uni in Augsburg angeboten. Mir hat die Stadt so gut gefallen, dass ich bis heute geblieben bin.
Dein Familienname ist Reuter. Das klingt nicht gerade nach Flamenco. Hast du deutsche Roots?
(lacht). Nein ich habe nach unserer Heirat den Namen meines Mannes angenommen. Vorher hieß ich Nubia Asencio Sanhueza. Inzwischen sind wir getrennt, aber den Namen habe ich aber behalten, denn gerade bei Vorstellungsgesprächen oder bei der Wohnungssuche hat man es als Reuter doch leichter.
Den ersten Kontakt hatten wir vor einem Jahr, da warst du noch im Grandhotel Cosmopolis engagiert. War dieser Ort dein Einstieg in das kulturelle Leben in Augsburg?
Nein, es war das Neruda. Ich wohne gleich in der Nähe und anfangs bin ich immer daran vorbeigelaufen, weil ich dachte, meine Musik ist zu mainstreamig für diesen Ort, aber irgendwann habe ich den Schritt dann doch gewagt. Das Neruda ist eine außergewöhnliche Location und wurde zu einer musikalischen Heimat, die mich sehr inspiriert hat.
Wie lange machst du schon Musik?
Ich habe schon als Kind damit begonnen. Später an der Uni habe ich viel Protestmusik gemacht. In Chile besetzen arme Leute oft illegal Land und bauen ihre Hütten darauf. Wir haben sie dabei immer wieder unterstützt, in dem wir hingegangen sind und für sie gesungen haben.
Du pendelst zwischen Indie-Pop, Rock und lateinamerikanischer Musik und singst mal auf Spanisch, mal auf Englisch. Warum nicht Deutsch?
Weil ich glaube, dass ich auf Deutsch nicht dieses Level erreichen kann, das ich möchte. Ich beherrsche nicht die Musikalität der deutschen Sprache. Ich tue mich da in meiner Muttersprache oder auf Englisch einfach leichter. Die spanische Sprache ist blumiger und es gibt auch viel mehr Wörter, die sich reimen.
Ich habe das Gefühl, dass immer mehr spanische Musik den internationale Pop Markt erobert. Die Spanierin Rosalia landete mit ihrem Album „Lux“ in den Top Ten der Jahrescharts vieler Musikmagazine.
Diesen Eindruck habe ich auch. Ich höre Rosalia sehr gerne, aber ich gehe musikalisch doch in eine andere Richtung. Es gibt aber auch viel seichte Musik. Ich bin Sprachwissenschaftlerin und habe lange an der Uni unterrichtet und wenn ich beispielsweise Lieder von Álvaro Soler höre, dann wundere ich mich immer wieder, weil die Texte mit grammatikalischen Fehlern gespickt sind.
Deine Lyrics handeln vom Erwachsenwerden, von Selbstakzeptanz, Nostalgie, Veränderung und vom authentisch bleiben. Bist du ein melancholischer Mensch?
Das bin ich definitiv, meine Lieblingsband ist Radiohead. Ich bin ein positiver Mensch, aber ich tue mich schwer, fröhliche Musik zu machen. Ich habe das Gefühl, dass momentan Cumbia sehr in ist, und ich beneide manchmal ein bisschen die Leichtigkeit und Gelassenheit, die diese Musikrichtung mit sich bringt. Ich bin aber anders – bei mir ist alles eher intensiv und manchmal auch melancholisch.
Du hast mit deiner Band schon einige Ausrufezeichen gesetzt, u.a. bei Auftritten wie Water & Sound, bei den Sommernächten oder beim Theaterviertelfest. Wie haben sich diese Shows für dich angefühlt, wie war die Reaktion des Publikums?
Sehr positiv, die Bühne ist mein Metier. Ich finde es krass, wie viele Menschen auf meine Musik tanzen und bin erstaunt, wie schnell zwischen Publikum und mir eine Verbindung entsteht, obwohl ich keine Frontfrau bin, die mit lustigen Sprüchen ihr Publikum animiert. Neulich hat mir jemand gesagt, dass ich eine echte Rampensau bin. Meine Wahrnehmung ist da aber eine ganz andere, obwohl ich schon eine gewisse Sicherheit on stage habe. Ich war lange Dozentin an der Uni und ich bin es gewohnt vor Publikum zu stehen und für mich ist es kein Unterschied, ob ich eine Vorlesung halte oder auf der Bühne stehe.
Stammen die Songs aus deiner Feder oder entstehen sie in Gemeinschaft?
Nubia ist mein Projekt, ich komponiere die Lieder mit meiner Ukulele und präsentiere sie meinen Musikern. Dann werden sie zusammen perfektioniert.
Deine erste EP erscheint im Juni. Aufnahme, Mixing und Mastering übernahm Elena Hörr, die mit der aus St. Petersburg stammenden Female-Band Iva Nova schon Erfolge feiern konnte. Wie sehr hat sie deine Arbeit beeinflusst?
Sie hat sich zwar im Hintergrund gehalten, aber hat mir mit ihrer liebevollen Art viel Sicherheit vermittelt. Wenn sie mich mal gelobt hat, dann hatte das immer eine unheimlich positive Wirkung auf mich. Unsere Arbeit war sehr effektiv, wir haben maximal zwei Takes pro Spur aufgenommen, dadurch klingt alles sehr authentisch. Ich will nicht, dass meine Musik steril klingt.
Was ich interessant finde, die Songs auf deiner EP erscheinen in zweifacher Ausführung. Einmal als minimale Akustikaufnahme und dann als energiegeladene Bandversion. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Ich hatte vor Kurzem eine Nierentransplantation und man bekommt, während man auf einen Nierenspender wartet, dadurch nur sehr kurzfristig einen OP-Termin. In dieser Zeit konnten wir mit der Band lange nur eingeschränkt üben. In dieser Phase entstanden die Songs und da boten sich zwei Versionen förmlich an. Ich bekomme nach Live-Auftritten oft sehr positive Rückmeldungen, weil ich auf der Bühne voller Energie bin und alles gebe. Das hat in der Vergangenheit sogar schon einmal so weit geführt, dass ich nach einem Auftritt zusammengebrochen bin und sogar der Notarzt anrücken musste. Aber es gibt auch die Nubia, die manchmal klein und zerbrechlich ist. Die Songs und die verschiedenen Versionen stehen sinnbildlich für mich.
Wird man dich diesen Sommer auf den Bühnen der Region sehen?
Nein, ich muss mich derzeit noch schonen und darf bis August nicht unter die Leute. Ich habe deswegen auch nur sehr wenig soziale Kontakte, umso mehr hat mich letzte Woche die Begegnung mit dem Mozartchor gefreut. Beim musikalischen Stadtspaziergang habe ich aus meinem Fenster heraus gesungen, das war für mich ein bewegender Moment. Meine Konzentration liegt derzeit auf der VÖ meiner EP und ich werde diese Zeit nutzen, um dafür PR zu machen. Im November 2026 ist dann der erste Auftritt geplant.
Der Titel deiner EP ist „Neustart“.
Ich habe bewusst einen deutschen Titel ausgewählt. Ich lebe inzwischen seit 20 Jahren in Europa und inzwischen denke ich auch auf Deutsch. Ich erlebe gerade einen „Neustart“ und ich finde, es ist auch ein wunderschönes Wort. (ws)






