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"Pop music is for sheep...
Es ist ja immer so eine Sache, auf das Konzert einer Band zu gehen, die seit fast 35 Jahren im Geschäft ist. Skepsis mischt sich gleichermaßen mit Vorfreude auf die Jugendhelden. Die Kantine füllt sich ansehnlich und das Publikum in den 40ern ist erwartungsgemäß zu 99 Prozent schwarzgekleidet. Laibach eröffnen synthetisch mit "An die Freude", der Europahymne, und schließen direkt den krachigen Industrialstomper "Eurovision" hinterher: "Europe is falling apart".
Ein vielversprechender Auftakt, aber danach ist die Luft erst mal draußen. Die nächsten knappen 45 Minuten oszilliert die Truppe zwischen Moti Special, Depeche Mode und - wenn es gut läuft - Prodigy und bietet lediglich generischen Elektropop. Klingt so die affirmative Überidentifikation mit aktuellen totalitären Strömungen? Als ich gerade gehen will: Pause! Einmal mehr wird meine Erwartungshaltung torpediert und die Leinwand zeigt zehn Minuten Bedenkzeit, schließlich bleibe ich.
Während der Auszeit komme ich mit einem eingefleischten Fan ins Gespräch, der mir Hoffnung macht, dass die zweite Hälfte "mehr" Laibach ist. Immerhin lassen sie es in der zweiten Hälfte ordentlich krachen. Laibach, wie man meint, sie zu kennen: düster, pathetisch und direkt. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, das die retroavantgardistischen Inszenierungen selbst schon so viel Staub angesetzt haben, als dass sie noch irgendeine über den Abend hinausgehende Wirkung haben könnten. Halb enttäuscht und mit dem Feinstein-Report im Kopf gehe ich nach der wirklich guten Coverversion von "Warm Leatherette". Keine Wölfe und keine Schäfer, nirgends...
Text & Fotos: Volker Stock






