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Abschluss archäologischer Ausgrabungen am Theater
Die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungsarbeiten geben spannende Einblicke in das Leben der Menschen von der Römerzeit bis in die jüngere Stadtgeschichte:
Zu den wichtigsten Befunden – also den im Boden erhaltenen archäologischen Spuren – gehören Relikte einer römischen Siedlung. Sie erstreckte sich entlang der damaligen Fernhandelsstraße nach Gallien und Hispanien. Freigelegt wurden Überreste der Straße und der Wasserleitung, von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, Keller, Zisternen, Brunnen und Latrinen sowie mehrere Körperbestattungen. Bei den Arbeiten wurden auch zahlreiche herausragende Funde geborgen, zum Beispiel Keramik- und Glasgefäße, Öllämpchen, Schlüssel, Schmuck und Münzen.
Aus dem Mittelalter kamen Stadtbefestigungsanlagen des 12. und 13. Jahrhunderts in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand ans Licht.
Aus der jüngeren Geschichte wurden die Kellergeschosse des Kornstadels ausgegraben, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Vorgängergebäude an der Stelle des Großen Hauses stand. Vom ersten Theaterbau von 1877, der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, fanden die Stadtarchäologen Teile des Fassadenschmucks und die Überreste des westlich des Theaters gelegenen Neptunbrunnens.
Grabungsleiter Günther Fleps: „Eine der herausforderndsten Ausgrabungen in drei Jahrzehnten“
Alle Befunde und Funde wurden kartiert, ausführlich dokumentiert und im Zentraldepot der Stadtarchäologie eingelagert. Jetzt geht es an die archäologische Auswertung; der wissenschaftliche Abschlussbericht wird als Grundlage für weitere Forschungen in der Zukunft dienen.
Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Grabungen, bilanziert: „Das war aufgrund der gewaltigen Ausmaße und der Komplexität eine der herausforderndsten Ausgrabungen, die wir in der Stadt Augsburg in den zurückliegenden drei Jahrzehnten durchgeführt haben. Andererseits haben wir hervorragende Ergebnisse erzielt, spannende Befunde freigelegt und sehr schöne Funde geborgen.“
Mittelalterlicher Keller wird eingehaust
Als letzte Vorbereitung der Baugrube für das neue Betriebsgebäude (Bauteil II) des Staatstheaters wird im August ein tiefreichender mittelalterlicher Keller auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters Heilig Kreuz mit einer Einhausung geschützt. Er enthält eine außergewöhnlich gut erhaltene Fundschicht mit organischen Materialien wie Leder- und Holz. Solche Funde sind archäologisch besonders wertvoll, da sie nur unter speziellen, feuchten Bedingungen und ohne Luftkontakt über Jahrhunderte erhalten bleiben. „Eine Bergung würde nicht nur einen erheblichen finanziellen, zeitlichen und konservatorischen Aufwand verursachen, sondern die empfindlichen Funde auch dem Risiko des schnellen Zerfalls durch Luftkontakt aussetzen. Der Erhalt vor Ort ist daher die fachlich sinnvollste und zugleich wirtschaftlichste Lösung“, so Günther Fleps.
Um diesen einzigartigen Befund dauerhaft zu schützen, verbleibt die Fundschicht im Boden. Die rund 8,5 mal 5 Meter große Fläche wird mit Bohrpfählen umringt, die zehn Meter tief reichen, und mit einer etwa einen Meter dicken Stahlbetonplatte nach oben abgedeckt. Anschließend kann das künftige Betriebsgebäude an dieser Stelle sicher gegründet werden.
Ottmarsgässchen eine Woche für Autoverkehr gesperrt
Für die Einhausung wird im Zeitraum von 17. bis 25. August das Ottmarsgässchen zwischen Einmündung in die Volkhartstraße bis einschließlich Hausnummer 7 für den Autoverkehr gesperrt. Der Platz wird für einen Autokran benötigt, der das notwendige Bohrpfahl-Gerät und Baumaterial in die Baugrube hebt. Die Zufahrt zu den Grundstücken ist über die Heilig-Kreuz-Straße möglich. Ein Durchgang für Fußgängerinnen und Fußgänger ist auf der Nordseite des Ottmarsgässchens weiterhin möglich.
Baubeginn für das Betriebsgebäude im Herbst
Mit dem Abschluss der archäologischen Untersuchungen und Ausgrabungsarbeiten ist der Weg für die Hochbaumaßnahmen im Zuge der Generalsanierung des Staatstheaters frei. Ab Ende Oktober/Anfang November wird in 16 Metern Tiefe die Bodenplatte mit 4.400 Quadratmetern für den Neubau des Betriebsgebäudes (Bauteil II) gegossen, das in den folgenden Monaten mit zwei Kellergeschossen und fünf oberirdischen Etagen in die Höhe wächst. Hier entstehen die Werkstätten, Probebühnen, Lagerflächen und Verwaltungsbereiche, die für den täglichen Betrieb des Staatstheaters notwendig sind. Damit bildet das Betriebsgebäude künftig das Rückgrat für den Betrieb des Staatstheaters.
Die zweite Spielstätte, das sogenannte Kleine Haus (Bauteil II), wird ab Frühjahr 2027 auf dem bereits fertiggestellten Keller an der Volkhartstraße parallel zum Betriebsgebäude in die Höhe gebaut. Mit seinem dreieckigen Grundriss, der gläsernen Fassade und seinem sechseckigen Multifunktionsraum wird das Kleine zum modernen Raum für Kultur, Stadtleben und Zukunft.
Ziel ist, die beiden Neubauten bis 2030 baulich fertig zu stellen und zuvor die Sanierung des Großen Hauses (Bauteil I) 2029 zu beenden. Im Anschluss erfolgt jeweils die Übergabe an das Staatstheater Augsburg, das die Gebäude dann für die Nutzung als Theater einrichtet und den Zeitpunkt für die Inbetriebnahme bestimmt.
Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie






