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Brechtfans gegen Neonazis?
Zugegeben, die Schlagzeile ist verführerisch: "Schlägerei beim Brechtfestival". Wir von der Neuen Szene sind gegenüber dem Brechtfestival auch gerne kritisch, aber die Berichte über den Samstag in der Kantine werden jetzt doch etwas wild.
Kurze Rekapitulation: Am vergangenen Samstag spielen im Erdgeschoss der Kantine im Rahmen des Augsburger Brechtfestivals Feine Sahne Fischfilet (Foto), eine Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich regelmäßig gegen Rechtsextremismus positioniert und engagiert. Im ersten Stock findet der fünfte Vorentscheidungsabend des Augsburger Nachwuchswettbewerbs "Band des Jahres" mit vier Formationen statt, veranstaltet von der Neuen Szene und dem Downtown Music Institute. Unter den Zuschauern oben befinden sich drei Jungs mit T-Shirts der umstrittenen Südtiroler Gruppe Freiwild.
Während der Umbaupause vor der letzten Band des Abends, Bremsspur, kommt es im ersten Stock zu einer Rangelei zwischen Besuchern des bereits beendeten Konzerts unten und wartenden Zuhörern oben. Auslöser sind offensichtlich die erwähnten T-Shirts, die eine Handvoll Fischfilet-Fans zur Annahme veranlasst haben, Bremsspur würden im selben nationalistischen Fahrwasser schwimmen wie Freiwild. So ein Samstagabend lässt bekanntlich wenig Zeit für Differenzierungen. Das Ende vom Lied: Die Polizei rückt mit einem Riesenaufgebot an, um festzustellen, dass sich – wir zitieren aus der Augsburger Allgemeinen – "einige Besucher (...) leichte Verletzungen zugezogen haben sollen – Prellungen etwa und kleinere Platzwunden".
Wahrlich keine schöne Sache, noch dazu bei einem Nachwuchswettbewerb. Den Machern des Brechtfestivals jetzt vorzuwerfen, man hätte vor den Fans von Feine Sahne Fischfilet gewarnt sein müssen und die Band vielleicht gar nicht verpflichten dürfen, halten wir - zumal im Sinne des sicher nicht konfliktscheuen Namenspatrons - für genauso unberechtigt wie die Verdächtigungen gegenüber der Merchinger Formation Bremsspur. (flo)
Foto: owieole






