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Der plötzliche Shutdown der Freilichtbühne ist für die Veranstalter ein Schock

Sebastian Karner (Kantine, CUKK) und Lothar Schlessmann (Hello Concerts) im Interview

Eine Bauwerksuntersuchung auf der Freilichtbühne kam zu dem Ergebnis, dass sich der Zustand der Tribüne im Vergleich zur letzten Untersuchung deutlich verschlechtert hat. Da nach deren Ansicht ein sicherer Betrieb nicht mehr zu gewährleisten ist, kann die Freilichtbühne 2026 nicht mehr bespielt werden. Mit dem Gaswerksgelände wurde bereits eine Ersatzspielstätte gefunden, sodass zumindest in diesem Jahr Konzert- und Musicalaufführungen im Freien stattfinden können. Aber was hat das für Folgen? Die Neue Szene sprach mit den Veranstaltern Sebastian Karner und Lothar Schlessmann über die aktuelle Situation.

Sebastian Karner ist Vorsitzender der Club- und Kulturkommission und Clubbesitzer. Am 15. August sollte auf der Freilichtbühne ein Konzert mit den Sportfreunden Stiller stattfinden sollen. Der Event wurde ersatzlos gecancelt.

Die Freilichtbühne schließt ab sofort ihre Tore. Wie überraschend war diese Nachricht gestern für dich?
Es war zwar in den letzten beiden Jahren immer wieder ein Thema, dass es Probleme über den Zustand der Freilichtbühne gibt, aber dass die Situation so dramatisch ist, damit hat keiner von uns gerechnet.

Quasi ein Blitz aus heiterem Himmel?
Absolut!

Wie geht man denn mit so einem Schock um? Es ist ja durchgesickert, dass euer Konzert mit den Sportfreunden Stiller gecancelt wurde und jetzt gar nicht stattfindet.
Die Sportfreunde wollten diesen Sommer explizit auf der Freilichtbühne spielen und nach Rücksprache haben sie uns mitgeteilt, dass eine Verlegung für sie leider nicht in Frage kommt. Das ist super enttäuschend, aber ich verstehe die Sporties, dass sie den Weg ans Gaswerk nicht mitmachen wollen, weil wir im Moment gar nicht sagen können, wie die Situation dort ist. Es sind derzeit viele Dinge noch völlig offen und die Ticketkäufer wollen natürlich wissen, was Sache ist. Das Problem ist, dass wir im Prinzip gar kein Zeitfenster haben, um uns auf eine neue Situation einzustellen. Wir hatten insgesamt nur vier Stunden Zeit ab dem Moment der Absage und dem Zeitpunkt der Pressekonferenz und in dieser Zeit war es uns nicht möglich, verbindliche Entscheidungen zu treffen. Deswegen mussten wir schweren Herzens die Notbremse ziehen.

War das Konzert ausverkauft?
Nahezu und das macht die Sache umso trauriger. Ich bin enttäuscht und auch wütend auf Verwaltung und Politik, dass es soweit gekommen ist. Und es hat für mich eine totale Parallele zum Staatstheater. Ich sehe da kein learning, es wiederholen sich dieselben Fehler. 2009 wollte man die Freilichtbühne zum ersten Mal renovieren und es war klar, dass eine Generalsanierung irgendwann fällig ist, aber man schiebt immer wieder alles auf die lange Bank bis irgendwann mal einer im Bauordnungsamt sagt, dass es Schluss ist. Das Bauordnungsamt ist ja keine externe Stelle, sondern gehört zur städtischen Bauverwaltung und das kann einfach nicht sein.

Die letzte Veranstaltung fand im August 2025 statt. Und jetzt bemerkt man, dass dort vieles bröckelt.
Genau, das macht die Sache ja so ärgerlich, es sind Monate verstrichen, wo nichts geschehen ist. Soweit ich weiß, gibt es noch gar keinen Plan für die Generalsanierung, ganz im Gegenteil, erst jetzt beginnen die Untersuchungen. Und dann folgt irgendwann eine Feinplanung und dann erst folgen die Ausschreibungen. Es wurde also unglaublich viel Zeit verschenkt, wo nichts passiert ist, das ist ein Unding. Zum anderen muss man sagen, dass alle Veranstaltungen, die dort in den letzten Jahren stattgefunden haben, gefährlich waren, denn der Zustand war in den Vorjahren ja genauso bedenklich.

Lothar Schlessmann
Lothar Schlessmann von Hello Concerts veranstaltet seit 1999 regelmäßig Konzerte auf der Freilichtbühne. Dieses Jahr ist er gleich mit zwei Veranstaltungen vertreten, zum einen mit Gerhard Polt und den Weill-Brüdern sowie mit Gert Steinbäcker.

Seit wieviel Jahren veranstaltest du schon Konzerte auf der Freilichtbühne?
1999 habe ich zum ersten Mal mit Haindling diese wunderbare Location bespielt, also vor über einem Vierteljahrhundert.

Wie war die Zusammenarbeit in all diesen Jahren?
Das war von Intendant zu Intendant unterschiedlich. In den letzten Jahren hatte ich hauptsächlich mit dem Kulturamt zu tun und die Zusammenarbeit war mehr als okay.

Wie hast du die Hiobsbotschaft erfahren?
Das war letzten Montag telefonisch, also zwei Tage bevor die Bombe offiziell hochging.

War sie für dich auch so überraschend?
Ich hatte wirklich überhaupt keine Vorahnung. Es war klar kommuniziert, dass die Freilichtbühne ab 2027 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist, aber dass die Sache jetzt so kurzfristig abgeblasen wurde, war ein totaler Schock für mich. Ich bin derzeit in Thailand und das hat mir meinen Urlaub hier komplett versaut.

Kannst du die Entscheidung nachvollziehen?
Ich bin nach so vielen Jahren ein alter Bekannter auf der Freilichtbühne und ich weiß genau wo es bröselt und wo nicht. Ich bin total vor den Kopf gestoßen und ich habe in meiner beruflichen Zeit keinen ähnlichen Fall erlebt wie diesen. Das muss ich mal ganz klar sagen. Es ist für mich als Veranstalter ein immenser Kraftaufwand die beiden Konzerte zu organisieren und dann kommt so etwas aus heiterem Himmel. Was ich immer wieder in Augsburg anprangere ist, dass irgendwann Leute aus dem Bauordnungsamt auftauchen und einen Stopp reinhauen. Ich hätte mir gewünscht, dass man nach Lösungen sucht, um diese Veranstaltungen dort zu retten.

Im Gegensatz zu den Sportfreunden Stiller wollt ihr den Weg ans Gaswerk mitgehen.
Ich habe nach Rücksprache mit meinen Künstlern notgedrungen entschieden, die beiden Veranstaltungen ans Gaswerk zu verlegen. Die Sportfreunde sind ja noch jung, aber Gerhard Polt ist 84 und kann nicht bis 2029 oder länger warten, bis er mal wieder in Augsburg auftritt. Bei Gert Steinbäcker ist die Situation ähnlich, er geht dieses Jahr mit seiner Band auf Abschiedstour und deswegen ist dieser Termin für uns alternativlos. Auch wenn wir sehr traurig und verärgert sind. Ich habe beide Künstler nur wegen der Freilichtbühne bekommen. Es wäre eine würdevolle Location für ihre Abschiede gewesen.

Florian Freund von der SPD und Raphael Brandmiller von Generation Aux fordern Alternativlösungen in der City und werfen jetzt neue Locations in den Ring, wie etwa den Rathausplatz.
Der Rathausplatz wäre für mich natürlich super, da könnte ich vom 4. Stock meines Büros alles prima überschauen. Nach dem Abgang vom Café Eber stehen zwei Stöcke leer im Gebäude, die man wunderbar als Backstage-Area nutzen könnte. Aber ich bin auch etwas skeptisch, ob man das dort durchziehen könnte. Wenn ich an die ganzen Sicherheitsauflagen und das Pollerszenario vom Christkindlesmarkt zurückdenke… (ws)

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