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Jugendhäuser in der Stadt. Erinnerung und Bedeutung in Augsburg 1970 - 1995
Jugendzentren sind weit mehr als einfache Orte für Freizeitangebote. Junge Menschen gestalten diese Treffpunkte aktiv, füllen sie mit Leben und behalten sie über viele Jahre im Gedächtnis. In ihrer wissenschaftlichen Untersuchung blickt Leonie Herrmann auf die ersten drei Jugendzentren, abgekürzt Juze, in Augsburg zurück: das No 1 in Kriegshaber, das Juze am Schlössle in Pfersee und die Villa, ehemals K15 in der Kanalstraße, Bleich. Der Zeitraum dieser Untersuchung reicht von 1970 bis 1995. Die Autorin geht der Frage nach, wie heute über diese Einrichtungen gesprochen wird und welche Erzählungen das Bild der Jugendzentren bis heute prägen. Dabei scheut sie auch nicht vor Problemen in den Juzes zurück.
Als Grundlage für das Werk dienen persönliche Gespräche mit ehemaligen Beschäftigten und Besuchenden sowie historische Dokumente aus Archiven. Die Arbeit von Leonie Herrmann erklärt, welche Bedeutung diese vielseitigen Orte für die Menschen in Augsburg hatten und wie sie das städtische Zusammenleben geprägt haben. Leonie Herrmann betont: «Durch vielfältige Kontakte ergab sich ein Mosaik von ganz unterschiedlichen Eindrücken von und aus den Jugendhäusern.»
Erst sehr spät im 20. Jahrhundert bekamen junge Menschen eigene Bereiche in den Städten zugestanden.
In den Städten entstanden von jeher viele wichtige Einrichtungen. Dazu gehören Verwaltungen, Gerichte, Schulen, Krankenhäuser, Festungen und Tempel. Eigene Orte für Jugendliche gab es jedoch lange Zeit nicht. Erst sehr spät im 20. Jahrhundert bekamen junge Menschen eigene Bereiche in den Städten zugestanden. Das liegt daran, dass die «Jugend» erst in der Moderne als eigene Lebensphase wahrgenommen wurde. Im 19. Jahrhundert legten neue Gesetze und Verfassungen ab dem Jahr 1808 feste Altersgrenzen für das Wahlrecht fest.
Inzwischen haben die Jugendzentren meistens spezielle Eigennamen bekommen. Vom Augsburger Stadtjugendring werden aktuell 14 Jugendzentren auf der Internetseite präsentiert, vom Hangout im Bärenkeller bis zum Südstern in Haunstetten. Nur das Jugendzentrum in Pfersee nennt sich noch Juze am Schlössle.
«Nicht zuletzt die Coronapandemie, das Verbot von Gemeinschaftsaktivitäten, aber auch die Schließung von Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit führten bei Jugendlichen zu Frustrationen. So kam es in mehreren Städten in Europa zu Ausschreitungen und Krawallen», begründet Leonie Herrmann den hohen Stellenwert von Jugendzentren für die Zukunft.
Zur Autorin
Leonie Herrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie und Volkskunde der Universität Augsburg. Sie promovierte zu Jugendzentren in der Stadt als Orte von Bedeutung (1970–1995) am Beispiel Augsburg. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen urbane Anthropologie, historische Jugendkulturforschung, visuelle Anthropologie sowie Oral History. Zurzeit befasst sie sich in einem Forschungsprojekt mit Graffiti und Street-Art als visuelle Gedächtnis- und Erinnerungspraktiken im urbanen Raum.
Titel: Jugendhäuser in der Stadt. Erinnerung und Bedeutung in Augsburg
- Autorin: Leonie Herrmann
- Reihe: Urban Habitat und Humanities, Band 7
- Herausgeber: Universität Augsburg
- Umfang und Ausstattung: 390 Seiten, Hardcover
- Preis: 35,00 Euro
- ISBN: 978-3-8192-3238-1Bezugsquelle: Buchhandlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11, 86152 Augsburg
Foto: lima423






