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Der Fall Tobias Schley - "Der muss weg"

Nachdem Tobias Schley verurteilt wurde, rücken immer mehr Parteifreunde vom umstrittenen Stadtrat ab - ein Kommentar von Marcus Ertle...

Nachdem CSU-Politiker Tobias Schley zu einem Jahr auf Bewährung und einem Anti-Aggressionstraining verurteilt wurde, rücken immer mehr Parteifreunde vom umstrittenen Stadtrat ab. Selbst Ministerpräsident Horst Seehofer forderte nun, „dass noch diese Woche Entscheidungen fallen“. Welche Entscheidungen das sein sollen, sagte er nicht, allerdings dürften Freunde und vor allem Feinde Schleys auch ohne detaillierte Anleitung Seehofers wissen, wie im Fall Schley(s) vorzugehen ist.

Zunächst dürfte es das Ziel sein, Schley innerhalb der CSU und der Fraktion wirksam zu isolieren, was kein allzu großes machiavellistisches Geschick erfordern dürfte. Denn nach der öffentlichkeitswirksamen medialen Hinrichtung ist dieser nun ganz offiziell von allerhöchster Stelle politisch zum Abschuss freigegeben, oder wie ein einflussreicher Christsozialer kürzlich sagte: „Der muss weg.“

Es dürfte sich inzwischen kaum ein CSU-Politiker finden, der es sich mit Chef Seehofer, den zahlreichen inner- und außerparteilichen Gegnern Schleys und der Augsburger Allgemeinen verscherzen will. Letztere begleitet Schley seit geraumer Zeit mit auffallend intensiver, kritischer Berichterstattung.

Nun ist Schley natürlich kein unschuldiges Opfer einer hemmungslosen Hexenjagd. Er hat immer wieder bewiesen, dass Selbstbeherrschung eher keine seiner Stärken ist und im parteiinternen Strippen ziehen, man könnte es auch intrigieren nennen, griff er im Zweifel zur Keule statt zum Florett. Doch gerade angesichts seiner tatsächlichen oder angeblichen charakterlichen Mängel muss sich die CSU eine Frage gefallen lassen:
Wie konnte so jemand in der Augsburger CSU eigentlich so einflussreich werden?

Auf diese Frage gibt es im Grunde nur zwei glaubwürdige Antworten:

Entweder Tobias Schley ist zwar ein mitunter unbeherrschter Politiker, der in Sachen Außendarstellung eher suboptimales Geschick an den Tag legt, aber er ist nicht das untragbar-unbeherrschte Ekelpaket, als das er gerne dargestellt wird.

Oder Tobias Schley ist genauso unbeherrscht und brutal, wie er nun dargestellt wird, aber diese Eigenschaften sind innerhalb der chronisch zerstrittenen Augsburger CSU eher ein Wettbewerbsvorteil.

Beide möglichen Antworten lassen die CSU in keinem guten Licht erscheinen und man darf durchaus die Frage stellen, ob denn alles wieder gut sein wird, wenn Schley politisch endgültig kaltgestellt sein wird. Es ist ja keineswegs so, dass Tobias Schley das einzige Problem der CSU ist.

Der große Gewinner der jüngsten Vorgänge ist jedenfalls Kurt Gribl, der in der CSU bekanntlich nur sehr überschaubare Bataillone hinter sich weiß. Hier rächt sich, dass Gribl als Seiteneinsteiger in die Politik kam und keine eigene Parteihausmacht aufbauen konnte. Dass Horst Seehofer ihm immer wieder als großer Bruder zu Hilfe eilen muss, sollte Gribl eher peinlich berühren, denn als OB müsste es eigentlich sein Anspruch sein, genug eigene Autorität innerhalb der Augsburger CSU zu haben. Nun dürfte Gribl immerhin bald einen seiner lästigsten Gegner los sein, er hat das aber nicht durch eigene Kraft erreicht, vielmehr konnte er auf Schleys Ungeschicklichkeit und andauerndes mediales Kreuzfeuer aus der Curt-Frenzel-Straße zählen.

Die Macht in der Partei hat er damit allerdings längst nicht gewonnen. Ordnungsreferent Volker Ullrich, Fraktionsvorsitzender Bernd Kränzle und Parteichef Johannes Hintersberger sind die eigentlichen Kontrahenten im Kampf um die Macht. Sie spielen in einer anderen Liga als Schley und dessen tiefer Fall wird bei keinen der Genannten zwangsläufig zu einem fundamentalen Machtverlust führen. Mit Schley wird eine Figur vom Spielbrett genommen werden, die längst zur Belastung für die eigenen Verbündeten wurde und deren Verlust im parteiinternen Machtkampf allenfalls so sehr schmerzen dürfte wie ein Bauernopfer.

Foto: Arno Löb

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