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Unser neuer Blog zur Kommunalwahl. Heute: Gewinner und Verlierer...

Heute: Gewinner und Verlierer
von Marcus Ertle

Bis zur OB-Wahl sind es noch mehr als zwei Monate. Jeden Tag bis dahin lauern für die Wahlkämpfer diverse Fettnäpfchen. Menschen und Medien sind vergesslich. Wer heute als absoluter Favorit gepusht wird, kann morgen als absolute Loser verspottet werden. Ein wenig geht es der CSU und Kurt Gribl derzeit so.

Bis vor Kurzem war der Wahlkampf in Augsburg ein Phantom. Die Oppositionsparteien schienen sich brav an die Macht schleichen zu wollen. Dann setzten die Freien Wähler auf rotzige Satire gegen Gribl, Grab, Werbemann Melcer, aber auch gegen Stefan Kiefer. Geschossen wurde gegen alle, die Konkurrenten waren. Zwar empörte sich die lokale Tageszeitung diensteifrig über die unsachlichen Zoten der Schafiteltruppe, aber deren Giftigkeit ließ die Wahlkämpfer aufwachen.

Dann kam die Sache mit der Website der CSU: augsburg2014. Werbetechnisch eine gute Wahl. Das Problem war nur: Die Stadt selbst ging unter OB Gribl juristisch energisch gegen Domainbesitzer vor, die mit dem Namen Augsburg in der Webadresse arbeiten wollten. Diese Vorlage nutzte fast die gesamte Opposition, um der CSU vorzuwerfen, sie vereinnahme Augsburg zu Wahlkampfzwecken. Das ist zwar kein PR-Super-GAU, aber es zeigt, dass im Umfeld Gribls ein politisches Selbstbewusstsein herrscht, das nicht wenige als Anmaßung empfinden.

Dieses Selbstbewusstsein speist sich nicht aus purer Arroganz. Gribl kann zufrieden sein. Er hat im Amt deutlich an Statur gewonnen, die politischen Gegenspieler (zumindest die außerhalb der eigenen Partei) blieben lange blass. Aber jeder Trend ruft irgendwann einen Gegentrend hervor. Der Vorwurf an einen Politiker, er sei abgehoben, ist für ihn gefährlicher als attestierte Erfolglosigkeit. Das gilt in verstärktem Maß für Lokalpolitiker.

Die Menschen mögen erfolgreiche Politiker, aber sie hassen den Anschein von selbstzufriedener Abgehobenheit. Das musste die CSU in der Stoiber-Spät-Ära bitter erfahren. In der Konrad-Adenauer-Allee, wo die Werbeagentur der CSU sitzt, dürfte man sich dieser Tage jedenfalls die Haare raufen. Die Strategie war bisher, Gribl als sympathischen, über dem Parteiengezänk schwebenden Macher darzustellen. Man vertraute auf die Zufriedenheit der Menschen und die fehlende Wechselstimmung. Das ist nicht dumm. Der Schwachpunkt dieser Strategie ist aber, dass Inhalte vernachlässigt wurden. Als müsste man gar nicht mehr groß um die Zustimmung der Wähler kämpfen. Diese Strategie kann aufgehen, sie kann sich aber auch gegen den Amtsinhaber wenden.

Eine Wechselstimmung kann man aus einer schwachen Wahlkampfwoche freilich nicht ableiten. Allerdings dürfte man in der CSU aufmerksam registriert haben, dass sogar Medien, die bisher nicht gerade als kritische Beobachter Gribls auffielen, ihn und die CSU als "Verlierer der Woche" bezeichneten.

Die kommenden Tage und Wochen werden auf jeden Fall noch viele Verlierer und manche Gewinner sehen. Die CSU wird sich zunächst in öffentlicher Demut üben - eine ungewohnte Rolle. Aber dass Gribls Werbeagentur diese Tonart beherrscht, zeigt sie gerade mit der Wahlkampagne für den OB-Kandidaten der CSU in München. Zugleich wird man im Verborgenen die Messer wetzen und sich überlegen, wie man die Opposition angreifen kann ohne dabei wie ein nervös gewordener Favorit zu wirken. Es bleibt spannend.

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