Magazin
Die ergebnisoffene Herrschaft des Kurt Gribl
Es hört sich grandios an, wenn man etwas genauer darüber nachdenkt, kommt es einem aber ein wenig hohl und zugleich raffiniert vor. Wenn ein Politiker, wie jetzt OB Gribl, sagt, man würde etwas ergebnisoffen prüfen, denkt das Publikum: Sehr gut, man wartet sachlich-neutral auf das Resultat einer Prüfung, die dann so oder auch anders ausgehen kann.
Soviel zur Theorie, in der Praxis liegen die Dinge nicht ganz so einfach. Es beginnt schon mit dem Gegenstand der Prüfung. Dass etwas überhaupt geprüft wird, ist ja im Grunde schon eine Vorentscheidung. Man geht erst mal davon aus, dass das zu überprüfende Thema nicht ganz abwegig ist, sonst müsste man erst gar nicht drüber nachdenken.
Dann geht es mit der Entscheidungsfindung weiter. Bevor man diese trifft, wartet man ja das Ergebnis der Prüfung ab, was logisch ist, es geht im Grunde nicht anders, denn selbst der allerschnellsten Entscheidung muss ja so etwas wie ein Denkprozess vorangegangen sein. Das wirklich entscheidende Wort ist "offen".
Es suggeriert, dass die Entscheidung noch lange nicht gefallen ist, dass es keine Tendenz in irgendeine Richtung gibt. Und eben da beginnt die Schönrednerei. Wenn der Oberbürgermeister prüfen lässt, ob die Fusion eines stadteigenen Unternehmens mit einem Privatunternehmen erstrebenswert ist, dann hofft und tendiert er natürlich bereits in die eine oder andere Richtung. Das heißt nicht, dass - völlig gleichgültig was bei der Prüfung herauskommt -, er die eine oder andere Entscheidung durchsetzen wird. Aber er hat sich mit Sicherheit schon im Vorfeld eine Meinung gebildet und weiß viel mehr als die Öffentlichkeit, die Opposition und wohl auch als Teile seiner Regierungskoalition.
Nein, das Wort "ergebnisoffen" wird vor allem dann verwendet, wenn man drei überlebenswichtige Dinge gewinnen will: Zeit, Ruhe, Glaubwürdigkeit. Solange ergebnisoffen geprüft wird, kann die Opposition den OB nur bedingt angreifen, das sorgt für ein wenig Ruhe und es lässt die Regierung glaubwürdig erscheinen. Ob diese Rechnung am Ende aufgehen wird, ist allerdings wirklich ergebnisoffen. (me)
Foto: Marcus Ertle






