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Meinungsforscher und Meinungsmacher

Die AZ-Umfrage zur Kommunalwahl sorgt für heftige Diskussionen. "Die Wahl den Wählern", fordert unser Wahlbeobachter Marcus Ertle...

Bis vor ein paar Tagen war der Wahlkampf in Augsburg eher müde. Es fehlte ein großes Thema, etwas Emotionalisierendes. Seit gestern, Donnerstag, 18.00 Uhr, ist es mit der Betulichkeit vorbei. Verantwortlich dafür zeichnen allerdings nicht die politischen Parteien, sondern die sogenannte vierte Macht, die Medien. Genauer gesagt Radio RT.1 und Augsburg-TV. Beide gehören zur Augsburger Allgemeinen und beide ließen es sich nicht nehmen, zwei Tage vor der Abstimmung eine Blitzumfrage in Sachen Kommunalwahl zu veröffentlichen.

Die markantesten Resultate: Kurt Gribl, die CSU und Pro Augsburg triumphieren, die SPD verliert, die CSM geht völlig unter. Nun ist es das Natürlichste der Welt, dass die Parteien, die in einer Umfrage schlecht abschneiden, die Bedeutung und mitunter die Seriosität dieser Umfrage infrage stellen. Insoweit könnte alles business as usual sein. Ist es aber nicht. Denn es gibt zwei Faktoren, die dieser Umfrage einen sehr schalen Beigeschmack geben.

Der erste Kritikpunkt: Das Meinungsforschungsinstitut GMS selbst. Die Radio- und Fernsehableger der AZ betonen zwar, dass es sich um ein renommiertes Institut handelt, unter Insidern wird es aber auch schon mal spöttisch Haus-und-Hof-Meinungsmacheinstitut der CSU genannt. Völlig aus der Luft gegriffen ist das nicht, denn das GMS ist bekannt dafür, dass es sehr oft und nicht unbedingt sehr distanziert mit der CSU zusammenarbeitet. Die Ergebnisse der Umfragen sind in der Regel jedenfalls für die Union sehr erfreulich, auch wenn sie dann manchmal weit neben dem tatsächlichen Wahlergebnis liegen. Das ist für sich genommen kein Skandal, aber es hätte sicherlich weniger umstrittene Institute gegeben.

Der zweite Kritikpunkt: Der Zeitpunkt der Umfrage. Es gab lange einen guten Brauch: Kurz vor Wahlen wurden keine Umfrageergebnisse veröffentlicht. Das hat gute Gründe. Eine Umfrage, die kurz vor der Wahl veröffentlicht wird, beeinflusst die Abstimmung selbst und verwandelt sich dadurch von der Wählerinformation zur Wählermanipulation. Denn egal, welches Ergebnis veröffentlicht wird, es wirkt sich auf die Wahl aus. Wenn der Favorit als Favorit bestätigt wird, werden die potentiellen Oppositionswähler entmutigt und gehen womöglich gar nicht zur Wahl. Oder andersrum, die Anhänger des Favoriten sind sich seines Siegs sicher und bleiben daheim, weil er ja eh gewinnen wird. Zudem gehen Sachthemen im Geschrei über die Prozente unter, wie es gerade im politischen Augsburg passiert.

Das wussten die Verantwortlichen in der Curt-Frenzel-Straße natürlich auch. Wieso haben sie sich trotzdem zur Veröffentlichung so kurz vor der Wahl entschieden? Sicher, es ist ein Coup, Spannung und Neugier steigen zwei Tage vor der Abstimmung noch mal an. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, war der Zeitpunkt gut gewählt, politisch ist es eine kleine Sauerei. Ja, man muss politisch sagen, denn wer kurz vor dem Zieleinlauf eine solche Umfrage lanciert, der handelt nicht mehr nur als Medium, sondern als politischer Akteur. Dabei ist es ganz egal, wer bei der Umfrage als Sieger hervorgeht.

Dass der Redaktionsleiter von RT.1 jetzt betont, dass eine Umfrage ja nur ein Stimmungsbild sei, das nicht ausschlaggebend für die Wahl wäre, und man das alles eh nicht überschätzen dürfe, ist schlicht falsch. Seltsam auch, dass man eine solche Studie dann überhaupt für viel Geld in Auftrag gibt und nach heftiger Kritik erklärt, dass das alles ja nicht so wichtig und nur ein bisschen Finger-in-den-politischen-Wind heben sei. Für soviel Irrelevanz war die Vorabwerbung und die folgende Berichterstattung auf den eigenen Kanälen und Seiten dann doch zu umfangreich. Besser wäre, man überließe die Wahl den Wählern und die Stimmungsmache den Politikern. (me)

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