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Urban im besten Sinne – Oder: Der Businessplan für Augsburg
Generation Aux präsentiert ihr Programm für 2026: Ein Vormittag zwischen Visionen, Leuchttürmen und einer Prise Elite-Pragmatismus.
Von Thomas Krones
Dass die Generation Aux die Dinge anders angeht, zeigt schon die Wahl des Ortes. Pressekonferenz im „Weißen Lamm“ – da, wo man normalerweise über die Setlist der nächsten Indie-Band diskutiert, wurde am Freitagvormittag über „Synergieeffekte“, „Leuchtturmprojekte“ und das angepeilte „One-Stop-Prinzip“ gesprochen. Wer die Truppe um Spitzenkandidat Raphael Brandmiller beobachtet, merkt schnell: Hier sind durchweg qualifizierte Pragmatiker aus dem urbanen Milieu am Werk, die das „Business-Sprech“ so flüssig beherrschen, dass man fast vergisst, dass es eigentlich um Kommunalpolitik geht.
Man könnte sie als die Polit-Yuppies unserer Zeit bezeichnen – im besten, aber eben auch im (beinahe zu) glatten Sinne. Jung, städtisch, gebildet. Die Art von Leuten, die ein Problem nicht nur lösen wollen, sondern es erst einmal in ein „Cluster“ packen und mit einem digitalen Dashboard versehen.
„ALLES!“ – Die große Abgrenzung
Spannend wurde es, als Brandmiller auf die Konkurrenz vom WSA (Wir sind Augsburg) angesprochen wurde. Was unterscheidet die „Auxler“ von den anderen unabhängigen Listen? Brandmiller gönnte sich eine kurze Denkpause – ein Moment, der zwischen philosophischer Tiefe und einem leichten „Ernsthaft jetzt?“-Blick schwankte –, bevor er mit maximalem Selbstbewusstsein antwortete: „ALLES! Wir unterscheiden uns in sämtlichen Belangen diametral von der WSA. Vielleicht wäre WSA gerne so, wie wir sind.“
Ein klares Statement: Man sieht sich nicht als klassische Protest-Liste, sondern als kompetenzstarke Gestaltungs-Einheit. Dass man keinen eigenen OB-Kandidaten ins Rennen schickt, sieht man hier als konsequente Fokussierung auf die Facharbeit. „Wir haben eine stärkere Liste als andere mit Kandidat“. Man setzt auf das Team, das mit Namen aus der Augsburger Gründer-, Gastro- und Kulturszene tatsächlich wie ein „Who’s Who“ der hiesigen Macher-Szene wirkt.
Die Leuchttürme: Ambition trifft Umsetzungslogik
Die Projekte, die unter dem Slogan „Augsburg neu denken“ vorgestellt wurden, klingen so simpel wie genial – zumindest auf dem Papier. Ziel ist es, politisches Engagement als Teil des bürgerlichen Engagements zu begreifen, weg vom reinen Machterhalt der etablierten Parteien. Hier wird nicht verwaltet, hier wird investiert – in Ideen. Einige Highlights daraus:
Reallabor Oberhausen: Der Stadtteil soll zum Experimentierfeld für innovative Stadtentwicklung werden. Mit Fördergeldern vom Bund will man Oberhausen aus seinem Schattendasein holen und eine wissenschaftlich begleitete Blaupause für andere Quartiere schaffen.
S-Bahn und Nord-Süd-Achse für den Fahrradverkehr: Neben einer besseren Taktung des ÖPNV soll eine S-Bahn auf der bestehenden und dann elektrifizierten Güterbahnstrecke für schnelle Schienenanbindung zum UKA via Gaswerk sorgen. Sicher und durchgängig durch die Innenstadt soll es auf zwei Rädern über eine durchgängige Fahrradverbindung gehen.
Wohnen First: Der Ansatz ist radikal pragmatisch. Wohnen scheitere nicht an der Stadt an sich, sondern am „System der Stadt“. Man blickt nach Hamburg und Freiburg: Umnutzung, Aufstockung und eine moderne Stellplatzsatzung sollen her, um Leerstand endlich sichtbar und nutzbar zu machen.
Popagenda 2032: Kultur wird hier als elementarer Motor begriffen. Die Idee einer „Kulturabgabe“ von einem Euro pro Ticket bei städtischen Veranstaltungen zur Reinvestition in Live- und Clubkultur klingt charmant, während man beim Gaswerk-Gelände durch flexible technische und räumliche Infrastruktur „Plug & Play“-Status erreichen will.
Benchmark London Growth Plan: Der „Businessplan Augsburg 2036“ greift hoch ins Regal. Man will Unternehmen nicht nur halten, sondern mit einer aktiven Wirtschaftspolitik anlocken. Dahinter steckt das Kalkül, dass ein resilienter Wirtschaftsstandort eine solide Brandmauer gegen politische Instabilität bildet – Standortpolitik als Demokratieschutz, wenn man so will.
Fazit: Dashboard statt Hinterzimmer und Augsburg als Business-Case
Damit das Ganze nicht als rein akademisches Gedankenspiel endet, verspricht die Mannschaft maximale Transparenz: Ein öffentliches Dashboard soll die Umsetzungsfortschritte der Jahrespläne tracken. Politik als messbarer Output, quasi als Live-Ticker für den Bürger.
Es ist eine neue Herangehensweise mit neuen Leuten. Man nimmt ihnen ab, dass sie nicht auf Posten aus sind – sie haben schließlich alle schon Erfolg außerhalb des Rathauses. Ob dieses „Unternehmer-Gen“ ausreicht, um die verhärteten Strukturen der Stadtverwaltung aufzubrechen, wird die Wahl 2026 zeigen. Eines ist sicher: Urbaner und selbstbewusster wurde Augsburg selten „neu gedacht“. Die Yuppies des 21. Jahrhunderts haben geliefert – jetzt muss die Stadt nur noch zugreifen. (tk)






