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Politik

"Verdammt, wir sind Wutbürger"

Interview mit der Partei...

Am 07. November stellte sie sich im Sensemble Theater der Öffentlichkeit vor. Die Partei. Fünf Augsburger Wutbürger aus dem Textilviertel wollen die Augsburger Politlandschaft aufmischen. Ein Interview mit:

Simon, 47, kinderlos (der mit Brille), gelernter Einzelhandelskaufmann, hatte in der Altstadt einen Ideenladen, jetzt bei Weltbild im Lager, leitet den Arbeitskreis "Kleiner Mann, kleine Frau gegen Ausbeutung"

Charlotte, Ende 30, Zahnarzthelferin, übt sich in zivilem Ungehorsam, mögliche OB-Kandidatin der Partei

Lex, Anfang 30, autonomer Autodidakt in der Schule des Lebens, Motto: "Hauptsache Aktion!", leitet den AK "Monetärer Missbrauch und Stadtverschandelung"

Neue Szene: Wie kamt ihr auf den Namen "Die Partei"?
Charlotte: Wir sind noch auf der Suche nach dem endgültigen Namen.

Ach, ihr wisst den endgültigen Namen noch gar nicht?
Charlotte: Nein.
Simon: Stopp, stopp, stopp. Das kann man so nicht sagen, wir haben uns schon Gedanken darüber gemacht. Nachdem wir das ganze System ad absurdum führen wollen, haben wir einfach gesagt, dass wir uns „Die Partei“ nennen. Da braucht es keine Floskeln. Die eigentliche Arbeit findet in den Arbeitskreisen statt.

Welche Arbeitskreise zum Beispiel?
Simon: Ich leite den Arbeitskreis "Kleiner Mann, kleine Frau gegen Ausbeutung". Wir haben ja auch ein Parteiprogramm, da steht das alles drin.

Wie viele Mitglieder hat Die Partei?
Simon: Wir sind fünf, momentan sind wir zu fünft, aber wir sind offen. Jeder kann bei uns mitmachen.
Lex: Es gibt eine hohe Dunkelziffer von Unterstützern, wir haben auch eine eigene Facebookseite.

Welche Themen sind euch besonders wichtig?
Simon: Wirtschaft und Ausbeutung. Das ist hier in der Region sehr aktuell, siehe Weltbild, siehe Amazon.

Seid ihr für das bedingungslose Grundeinkommen?
Lex: Unbedingt!

Wie hoch soll es sein?
Simon: 1050 Euro plus x.
Lex: Wobei wir schon betonen, dass wir das nicht von den Linken abkupfern.

Aber ihr wildert schon in deren Revier.
Simon: Da muss ich jetzt intervenieren. Man muss ja nicht ein Ei legen können, um zu sagen, dass ein Ei schlecht ist. Umgekehrt kann man auch ein Ei gutheißen, das nicht das eigene Ei ist.
Lex: Wir wildern auch nicht, wir wollen die Unzufriedenheit der Leute auf verschiedensten Ebenen ansprechen und sie dort abholen.

Ihr seid Populisten.
Lex: Wir sind nur für unsere Sache populistisch.
Charlotte: Wir sind auch nicht dafür, wie die Parteien miteinander umgehen, dass man immer sagt: „Hey, was ihr macht, ist total schlecht.“ Keiner sagt, dass auch mal was gut ist, was die anderen machen.

Welche Partei willst du denn loben?
Charlotte: Ich würde die Linken loben.
Simon: Wir sind gegen Parteipolitik, das ist lobbyistisches Geschmeiß, das sieht man ja bei der FDP. Wir sind für Themenpolitik. Unser Ziel wird sein, dass wir, wenn wir im Stadtrat sehr gut vertreten sind, diese Themenpolitik machen. Das werden wir mit unserer OB-Kandidatin, der Charlotte, durchziehen. Unser Endziel ist aber, alle Parteien aufzulösen.

Alle Parteien sollen aufgelöst werden?
Charlotte: Es geht um Themen, nicht um Parteien!

Wer soll dann Politik machen, wenn nicht Parteien?
Charlotte: Die Bürger!
Simon: Es geht um Köpfe, auch und gerade weibliche Köpfe. Deswegen stellen wir auch eine Frau als Kandidatin auf, obwohl jeder von uns dazu fähig wäre, OB-Kandidat zu sein.
Lex: Von den neun OB-Kandidaten der anderen Parteien sind neun Männer. Da wird gar nicht repräsentiert, was im Volk abgeht, wenn da nur Männer sitzen.

Du bist doch auch ein Mann.
Lex: Na und?

Ich meine ja nur. Mit wie viel Leuten wollt ihr im Stadtrat vertreten sein?
Simon: Sechzehn.
Charlotte: Wir wollen auf jeden Fall einen ganz großen Knaller schaffen.

Ihr habt aber erst fünf Mitglieder, das reicht doch nicht für so viele Kandidaten.
Simon: Die werden wir ganz schnell haben, das ist das Erste. Wir werden auch die nötigen 470 Unterstützerunterschriften ziemlich schnell bekommen.
Charlotte: Wir haben auch schon 100 Leute, die uns bei Facebook liken.
Lex: Man soll auch nicht immer alles mit offenen Karten ausspielen, das ist der größte Fehler den man machen kann.

Hat Lenin auch schon gesagt.
Lex: Das hat außer Lenin sicher auch schon jemand anderes gesagt. Willst du mich jetzt in die Linkenecke drängen?

Also aus der bürgerlichen Ecke kommst du doch wohl nicht.

Lex: Ich komme aus der linken Ecke, das gebe ich zu. Aber dauernd wird man in Schubladen gesteckt, alles wird kategorisiert, alles in kleine Schächtelchen gesteckt. Die autonome linke Ecke hat mich angekotzt! Deswegen habe ich die Partei ins Leben gerufen, um eben nicht in Kästchen und Schächtelchen zu denken.

Welche lokalen Themen sind euch wichtig?
Simon: Augsburg muss grüner werden.
Lex: Vernünftige Verteilung der Finanzen.

Klingt etwas allgemein.
Simon: Überhaupt nicht, im Haushalt werden zwei Drittel für „Sonstiges“ ausgegeben. Was ist das denn? Wo ist da denn die Transparenz? Wer hat denn die Scheiße im Curt-Frenzel-Stadion gebaut?
Charlotte: Bei der Kultur wird an allen Ecken und Enden gespart.
Lex: Oder der Popbeauftragte. Das ist für mich ein reiner Populismus. Richard Goerlich war doch eine Marionette von Pro Augsburg, mehr nicht. Die ganze Klüngelei lehnen wir ab.

Und ihr seid klüngelfrei?
Simon: Bei uns gibt es Konsensdemokratie, bei uns wird diskutiert, bis es zu einem einstimmigen Entschluss kommt. Einstimmig oder gar nicht.
Lex: Wir versuchen die Gedanken der Bürger dieser Stadt zu öffnen.

Müssen oder können die Gedanken der Augsburger denn geöffnet werden?
Charlotte: Ja, schau sie dir doch mal an!
Lex: Die werden doch massiv mit Informationen zugedröhnt und wissen schon gar nicht mehr, was sie glauben sollen. Die Augsburger sollen wieder anfangen, selber zu denken und sich nicht irgendeinen Scheiß vorkauen lassen. Bürgerentscheide sind eine tolle Sache, das kann man ganz einfach ohne das ganze Brimborium machen.

Mit einer Versammlung auf dem Rathausplatz etwa?
Simon: Warum denn nicht? Es kann doch jeder kommen, wir würden auch Kurt Gribl aufnehmen, der Mann hat Profil. Auch Grab und Kiefer.

Wie soll es da zum Konsens kommen, durch Gehirnwäsche?
Lex: Wir bringen die Leute dazu selbst zu denken, sich einen eigenen Kopf zu machen!

Und wenn man nichts im Kopf hat?
Charlotte: Grab und Gribl haben doch was im Kopf, so ist es doch auch nicht.

Ich meinte eher so allgemein die Leute.
Charlotte: Bei uns könnten die frei entscheiden, weil ihnen keiner im Nacken sitzt und irgendwas ausklüngeln will.

Aber bei euch würden doch auch Leute versuchen zu klüngeln und Geld aus Fördertöpfen zu bekommen.
Charlotte: Ja und, das Geld ist doch da!
Simon: Wir gehen auch unpopuläre Themen an. Das Asylbewerberheim in der Ottostraße beispielsweise. Man muss die Anwohner der Ottostraße genauso ernst nehmen wie die Asylanten, sonst würde man ja die Anwohner der Ottostraße zu Asylanten der eigenen Straße machen. Also positionieren wir uns für beide und sind für ein Asylbewerberheim in der Maxstraße.

Noch mal zum Geld, irgendwoher müsste das doch auch kommen, ihr könnt ja nicht einfach sagen: Geld ist doch da.
Lex: Man hätte die Bäume nicht stur fällen dürfen, das war ein Motorsägenmassaker, das hätte man sich sparen können.
Charlotte (überlegt): Das Stadttheater hat zuviel Geld. Juliana Votteler hat ihre ganzen Abteilungsleiter rausgekegelt und sitzt jetzt allein im Elfenbeinturm.

Auch eine Art von Konsens.
Simon: Das wäre aber eher eine Diktatur, wenn man den Konsens mit sich alleine herstellt. Schauen wir uns aber doch mal die Kulturpolitik an, da wird mit der Gieskanne gefördert.

Wieso nicht gleich eine Revolution?
Simon: Klar, aber gewaltfrei.

Und was macht man am Tag danach?
Lex: Da können wir gleich mal feststellen, dass es keinen Tag nach der Revolution geben kann, weil die Revolution immer stattfindet. Revolution heißt ständige Umwälzung, ständiges Fortpflanzen, hin zum Besseren.

Irgendwann gibt es dann das Bessere?
Lex: Es wird nie das Bessere geben! Sobald du an einem Punkt bist, wo du sagst: Wow, jetzt haben wir’s geschafft. Hocken alle wieder auf ihrem Arsch und alles geht wieder den Bach runter, da muss man ständig am Ball bleiben!

Was ist eigentlich, wenn das Volk im Konsens lauter Unsinn beschließt?
Charlotte: Dann tut es das halt, dann geht’s eben erst mal bergab. Es geht um Ver-trau-en!
Warum sollte denn das Volk einen Schmarrn machen?

Weil es launisch ist.
Simon: Ich vertraue dem Volk nicht weniger als Merkel und Gribl. Ich kenne das Volk doch, ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann. Ich hatte schon einen Laden in der Altstadt. Ich kenne auch die Schattenseiten: Ich arbeite jetzt bei Weltbild. Verdammt, wir sind Wutbürger.

Wird man da ausgebeutet?
Simon: Man wird nicht ausgebeutet, man wird aber auch nicht richtig behandelt. Wenn man 140 Stellen streichen kann aber parallel Anteile von Bücher.de kaufen kann, dann fragt man sich schon, ob man als Arbeitnehmer richtig behandelt wird.
Lex: Wichtig ist doch, dass man in kein System mehr reingeht.

Was machst du eigentlich sonst so?
Lex: Ich bin komplett Autodidakt, ich studiere einfach das Leben. Ich geh in kein System mehr rein, und lass mir von irgendwem erzählen, was ich zu denken habe!

Aber deine Partei ist doch auch ein System.
Lex: Das habe ich doch schon erklärt.

Du gehst in ein System rein, um Systeme abzuschaffen.
Lex: Warum stellst du mir eine Frage, um mir dann während meiner Antwort eine andere Frage zu stellen? Interessiert dich meine Antwort, oder interessiert sie dich nicht? Vergleich mich jetzt ruhig mit einem Choleriker, aber wenn ich einer wäre, würdest du jetzt nicht mehr da sitzen!
Simon: Das ist jetzt eine private Emotion von Lex, das finde ich okay.
Lex: Was ich sagen wollte, bevor ich unterbrochen wurde: Ich gehe in kein System mehr rein, mir sagt keine, was ich zu lernen habe, so lerne ich und so studiere ich, wenn man das so nennen darf!

Lassen wir das mal so stehen.
Simon: Ich würde es so sagen: Die Inspiration liegt auf der Straße, nur gehen wir oftmals achtlos über die Straße und lassen die Inspiration einfach liegen.
Charlotte: Das finde ich sehr richtig.
Lex: Das Leben ist der beste Lehrer, das zeigt dir schon, wo es langgeht!

Wo geht es denn lang?
Lex: Ist das jetzt investigativer Journalismus?
Simon: Bist du denn parteipolitisch wo gefangen?

Nein.
Simon: Na also, aber du kannst Fragen stellen, das ist bei uns nicht anders. Das ist das Schöne bei uns, auch wir suchen nach Antworten.

Die anderen Parteien suchen doch auch Antworten.
Lex: Jaha, aber parteipolitisch befangene Antworten. Wenn du der Chronologie unserer Ausführungen gefolgt wärst, hättest du das verstanden. Ich bin wütend, wenn ich einem Ignoranten gegenübersitze!
Simone: Da muss ich ihm jetzt ein bisschen Recht geben.
Charlotte: Ich finde dich nett.

Das ist sehr freundlich.
Lex: Vielleicht sollten wir den Begriff des Nettseins erst definieren. Ich würde den Begriff gerne von „nett“ in „für unsere Sache nützlich“ umändern. Dann würde ich der Behauptung, er sei nett, zustimmen können.
Simon: Ja, das finde ich gut.
Charlotte: Da bin ich auch dafür.

Satzvervollständigung bitte. Wenn wir erst mal an der Macht sind...
Charlotte: ...wird es die Macht nicht mehr geben.
Simone: ...steht der Bürger und die Bürgerin im Fokus und hat Macht!
Lex: Wenn wir an der Macht sind, wird sich hier einiges ändern!

Danke.
(me)

Nächstes Parteitreffen am Donnerstag, 19.12., um 20.30 Uhr im Sensemble Theater.

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