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Der SJR geht in die Offensive

Der Vorstand des Augsburger Stadtjugendrings geht in die Offensive: Entgegen der Vorgaben des Bayerischen Jugendrings soll ein externer Wirtschaftsprüfer die "500.000 Euro Frage" klären...

Der Vorstand des Augsburger Stadtjugendrings (SJR) geht in die Offensive: Entgegen der Vorgaben des Dachverbandes, des Bayerischen Jugendrings (BJR), wollen die neun Vorstandsmitglieder einen externen Wirtschaftsprüfer einsetzen, um die "500.000 Euro Frage" zu klären.

In einer relativ kurzfristig und ausdrücklich nicht in Räumen des SJRs, sondern im Hollbau, angesetzten Pressekonferenz am Freitag schilderten vornehmlich der Vorstandsvorsitzende Raphael Brandmiller und sein Stellvertreter Matthias Matuschka ihre Version der Vorgänge im Augsburger Stadtjugendring, die zum Verlust von Rücklagen im vermuteten Wert von einer halben Million Euro führten. Die von der DAZ am 25. März öffentlich gemachte Finanzlücke wird in Augsburg zurzeit heiß diskutiert.

Die Vorstandspressekonferenz begann als Crashkurs über die Organisation des Stadtjugendrings, der "keine eigene Rechtspersönlichkeit" sei, so Matuschka. Die Folge: Seit Entdecken der Finanzlücke und Unterrichtung des Bayerischen Jugendrings sind die Augsburger nicht mehr "Herr des Verfahrens".

Besagtes Verfahrens wird seit Anfang Januar vom BJR vorgegeben, der demzufolge erst nach dem Bericht des Innenrevisors Ende April die Öffentlichkeit informieren wollte. "Ein verständliches Verfahren, das man diskutieren kann", so Brandmiller, doch seit dem Bekanntwerden des Finanzlochs und dem öffentlichen und politischen Druck fühle man sich zu diesem "nicht einfachen Schritt" ermutigt. Der SJR-Vorstand ist bereits dabei, Angebote von Wirtschaftsprüfern einzuholen, die ausdrücklich über eine "normale Buchprüfung" hinaus tätig werden sollen. Im Augenblick wissen die Augsburger nach eigenen Angaben nicht mal, wie groß die Finanzlücke tatsächlich ist, geschweige denn, wie es dazu kommen konnte.

Die Liquidität des SJR soll auf jeden Fall nicht gefährdet sein: "Der Bestand, die Arbeitsplätze und alle Leistungen, auch das Modular, sind gesichert", so Brandmiller. Wobei die neun ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder nicht untätig waren: Der zum Teil bereits umgesetzte Maßnahmenkatalog umfasst u.a. eine personelle Verstärkung in der Buchhaltung sowie die Einrichtung eines Finanzausschusses. Die angestrebte externe Prüfung, die vom Bayerischen Jugendring genehmigt werden muss, soll die Verantwortung der Beteiligten klären und eine Optimierung der Prozesse in der Zukunft ermöglichen.

"Uns ist sehr wohl bewusst, dass wir in der nächsten Stunde ordentlich einen auf den Deckel kriegen werden", erklärte Brandmiller im Hinblick auf die Reaktion des Bayerischen Jugendrings, "und wir sind uns nicht sicher, ob wir am Montag noch auf unseren Stühlen sitzen."

Zumindest da kann man die Augsburger (noch) beruhigen: Der BJR wusste auf Anfrage rund zwei Stunden danach noch nichts von der Pressekonferenz...

Das Foto zeigt Matthias Matuschka und Raphael Brandmiller (v.l.)

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