Die Kulturrundumversorger

Das Erfolgsgeheimnis der Stadthalle Gersthofen ist schnell erklärt: Hier zeichnet ein engagiertes Team mit einem engagiertem Chef verantwortlich, das neben allem Idealismus die eigene Position sehr gut einschätzen kann. So betonte Gersthofens Kulturreferent, der gelernte Diplomfinanzwirt Helmut Gieber, auch auf der Pressekonferenz zum neuen Spielzeitprogramm, kein "Gralshüter der Hochkultur" zu sein, sondern ein "Kulturrundumversorger" - womit er die Aufgabenstellung einer Stadthalle nahezu perfekt umschrieben haben dürfte.

Dass in der Ausgestaltung dieser "Rundumversorgung" durchaus Schwerpunkte gesetzt und auf Qualität geachtet werden kann, beweist die Stadthalle Gersthofen auch in ihrer 18. Saison. Von September bis Mai sind über 100 Programmpunkte geplant, von Sprechtheater über Kabarett bis zu Rockshow, Klassikkonzert und Kinderprogramm. Und es sind nicht zuletzt Giebers Erfahrungen und Kontakte, die das Staraufgebot von Jahr zu Jahr steigen lassen.

Schon das Theaterangebot bietet große Stoffe, vom "Blauen Engel" über "Rainman" bis "The King's Speech", mit großen Namen wie Rufus Beck, Götz Otto, Katerina Jacob oder Gerd Silberbauer. Freunde der englischsprachigen Bühne kommen bei Shakespeares "Much ado about nothing" der American Drama Group Europe auf ihre Kosten, zu der die Stadthalle übrigens ein kostenloses Textbuch für Schulen anbietet.

Musical- und Operettenfans freuen sich auf Altbewährtes wie die "Harry Belafonte Story" mit Ron Williams, den "Zigeunerbaron" in einer "traditionellen Fassung" - "Also so, wie ihn Johann Strauß geschrieben hat" (Gieber) - und die bereits dritte Ausgabe der "Opern auf Bayerisch". Neu im Programm und ein weiteres Highlight sind die Gumboots Corroboration Dancers aus Südafrika, die von keinem Geringeren als Michael Well nach Deutschland geholt wurden und auch von Well-Kindern begleitet werden. Schuhplatteln im Township - so geht Multikulti im Biermösl-Style. Michael Well selbst kommt übrigens auch wieder, begleitet von seinen zahlreichen Geschwistern beim Hausmusikabend im November.

Die Stadthalle präsentiert sich aber auch wieder sportlich: Einerseits mit der "Extreme Sport Filmnacht", andererseits mit einem weiteren Gastspiel der "Flying Superkids", die Gieber nicht zuletzt allen Turn- und Faschingsvereinen ans Herz legt, die dafür auch Gruppenermäßigungen bekommen können. Fans von modernem Jazzdance fiebern u.a. der Giordano Jazz Dance Gruppe aus Chicago entgegen.

Kleinkunst steht selbstredend auch wieder hoch im Kurs. Neben Dauerbrennern wie Lisa Fitz, Günter Grünwald oder Luise Kinseher empfiehlt Gieber den österreichischen Kabarettisten Alfred Dorfer (Foto) und die multitalentierte in Berlin ansässige US-Entertainerin Gayle Tufts. Unnötig zu erwähnen: Um Karten für die Weihnachtsshow von Volker Klüpfl und Michael Kobr sollte man sich trotz des Zusatztermins schnell bemühen.

Dasselbe gilt für das musikalische Höhepunkt der ersten Saisonhälfte, die Söhne Mannheims, die zwar ohne Xavier Naidoo, dafür aber mit reichlich Equipment kommen und allein mit ihren zahlreichen Trucks die Stadthalle vor große Herausforderungen stellen. "Und auch die Cateringwünsche können sich sehen lassen", berichtet Gieber lachend. Bereits Stammgäste sind die AC/DC-Tributeband Barock und Italobarde Angelo Branduardi, die Abba-Night, die Cubaboarischen sowie die Klassikdamen von Salut Salon, deren steigende Popularität in Süddeutschland auch ein Ergebnis der Gersthofer Experimentierfreudigkeit sind. Doch auch die lokale Musikförderung kommt nicht zu kurz, kurz nach Weihnachten treten die Gewinner des Gersthofer Kulturpreises auf, das Trio Klarinettissimo. Das Highlight für die Älteren unter uns bedarf indes keiner Förderung mehr: Anfang Dezember beehrt die Spider Murphy Gang auf ihrer "35 Jahre Rock’n’Roll Rendezvous"-Tour die Stadthalle.

Zu etwas intimeren Begegnungen lädt die Veranstaltungsreihe im Ballonmuseum, die ebenfalls mit mindestens drei Stars glänzt: dem Nockherberg-Rebellen Michael Lerchenberg, dem OP-Revoluzzer Georg Ringsgwandl sowie Uwe Ochsenknecht mit einer musikalischen Weihnachtslesung.

Dass das Kinderprogramm in Gersthofen "kein Feigenblatt" ist, wie Gieber betont, beweisen erneut hochwertige Theaterproduktionen wie das neue Musical von Christian Berg oder das Wittener Kinder- und Jugendtheater. Und wie die Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt "Meister Eder und sein Pumuckl" interpretiert, würde uns ehrlich gesagt auch interessieren.

Der letzte Satz gehört aber Helmut Gieber, der zum Schluss der Pressekonferenz am Donnerstag noch einmal seinen Realismus unter Beweis stellte: "Wenn es uns gelingt, dass die Leute auch nur einen Abend lang kein RTL2 schauen und in die Stadthalle kommen, haben wir schon viel erreicht", so der Gersthofer Kulturreferent. Wir erlauben uns, es andersherum zu formulieren: Wenn sich alle Stadthallen so viel Mühe bei der Programmauswahl machen und alle Kommunen ihre Einrichtungen dementsprechend ausstatten würden - könnte RTL2 handfeste Probleme bekommen.

Das neue Programmheft der Stadthalle Gersthofen wird übrigens kostenlos zugeschickt, einfach anfordern unter Tel. 0821/2491550, E-Mail: stadthalle@gersthofen.de. www.stadthalle-gersthofen.de.

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