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"Schlafen Sie gut und machen Sie sich keine Sorgen!"

Exklusivinterview mit FCA-Präsident Walther Seinsch über sein neues Buch "Verbrecher-Kartei", das am 03.12.2014 erscheint...

In seinem Buch "Verbrecher-Kartei - Über Banker, Manager und Politiker" widmet sich der meinungsfreudige 73jährige den, wie er sagt, "Weltuntergangsszenarien selbsternannter Wirtschaftsexperten und manipulativer Journalisten". Ein Interview von Marcus Ertle

Herr Seinsch, worum geht es in Ihrem Buch?
Ich habe über viele Jahre politische, soziale und wirtschaftliche Informationen der Medien gesammelt und konfrontiere die sogenannten Wirtschaftsexperten, Professoren, Chefvolkswirte und wie diese ganzen Herrschaften heißen mit ihren Prognosen und dem, was tatsächlich passiert ist. Da lagen sie nämlich immer hundertprozentig daneben!

Nennen Sie doch mal ein paar dieser falschen Prognosen.
Einfaches Beispiel: die Eurokrise. Da haben Dutzende Experten behauptet, dass der Euro spätestens Ende 2012 kaputt wäre und die Länder wieder ihre eigenen Währungen hätten. Das wurde als strikte Feststellung rübergebracht. Die Wahrheit ist, dass der Euro heute nicht kaputt, sondern gesünder als vorher ist. Vor einem guten halben Jahr haben diese Herrschaften behauptet, es würde eine Inflation kommen, heute ist das Gegenteil der Fall! Wir haben keine Inflation, wir haben eher eine Deflation. Da werden Vermutungen als Tatsachen behauptet. Da treten Leute als Experten auf, die Philosophen sind, Schriftsteller, Priester und weiß der Teufel was noch.

Aber es waren doch auch seriöse Volkswirtschaftler darunter.
Gerade die Volkswirtschaftler liegen bei den Prognosen falsch. Dann gibt es den Effekt, dass die Sparer aufgrund dieser Prognosen in die falschen Anlagen flüchten und die Experten verdienen mit diesem Scheiß auch noch Geld. Die wollen ihre Bücher verkaufen und als Redner Geld verdienen. Sie kennen vielleicht diesen Philosophen, Richard David Precht, ein beneidenswerter Frauentyp, der nimmt zu allen politischen und wirtschaftlichen Themen mit den abstrusesten Behauptungen Stellung. Er sagt, dass alle Politiker vor dem moralischen Bankrott stehen. Als anständiger Philosoph kann man doch nicht eine ganze Menschengruppe als moralisch bankrott bezeichnen. Wieso sagt er das denn?

Ja, wieso?
Weil er sein neues Buch mit einer radikalen These verkaufen will. Eine Schauspielerin hat neulich gesagt: »Alle Banker sind Verbrecher«. Da schreibe ich in meinem Buch, dass diese Behauptung genauso haltbar ist, wie die, dass alle Schauspielerinnen Nutten sind.

Und wie viele Banker sind Ihrer Meinung nach kriminell?
Vielleicht ein Prozent.

Wie erkennt man dann seriöse Ratgeber?
Sie müssen als Geldanleger oder Sparer generell wissen, wo Sie Ihr Geld anlegen. Wenn ich eine Geldanlage nicht verstehe, muss ich es sein lassen. Das ist ein altes Dilemma, früher gab es diese Immobilienfonds, da wurde nicht nachgefragt und zum Beispiel viele Fußballer haben so ihr Geld verloren.

Wie ist Ihrer Meinung nach eigentlich die wirtschaftliche Lage? Alles gut oder stehen wir am Abgrund?
(lacht) Sie lesen zu viel Süddeutsche Zeitung, da steht jeden Tag, dass wir am Abgrund stehen. Aber Entschuldigung, Deutschland steht blendend da! Wir müssen das erste Mal seit vierzig Jahren keine neue Schulden aufnehmen, wir haben einen neuen Exportrekord, wir haben eine geringe Arbeitslosigkeit, die deutsche Wirtschaft ist außergewöhnlich stark. Auf diesem sehr hohen Niveau haben wir im Moment keine Zusatzraten, das stimmt, aber Deutschland steht wunderbar da.

Wieso stehen wir so wunderbar da?
Die Agenda 2010 war genau richtig, die Steuerpolitik ist vernünftig, die Wirtschaft innovativ, die deutsche Wissenschaft, von der kein Mensch spricht, exzellent. Viele Unternehmen und Wissenschaftler kommen nach Deutschland, um zu forschen. Der Hauptgrund ist, dass die deutsche Wirtschaft sehr mittelstandsorientiert ist, wir haben 1300 Weltmarktführer aus dem Mittelstand, das sind Unternehmen, die in ihrer Branche die Nummer eins der Welt sind. Das sind Firmen, die Sie und ich gar nicht kennen, diese Unternehmen sind das Herz der deutschen Wirtschaft. Die sind nie zufrieden, die arbeiten immer an der Verbesserung ihrer Produkte. Das ist typisch deutsch. Und die Gewerkschaften sind sehr klug und haben sich immer konstruktiv verhalten. Das hat zu dem gegenwärtigen zweiten Wirtschaftswunder geführt. Nennen Sie mir doch ein vergleichbares Land, das sich ähnlich gut entwickelt.

Da muss ich passen.
China vielleicht, aber das ist ein Schwellenland und auf einem ganz anderen Niveau.

Kanada.
Ja, aber das ist ein Einwanderungsland mit kleiner Bevölkerung und vielen Naturschätzen und sie haben keinen Weltkrieg verloren und keine Wiedervereinigung bewältigt.

Welche Zeitung lesen Sie eigentlich?
Ich habe immer auch Zeitungen gelesen, die mich nicht glücklich machen, man darf nicht nur die Zeitungen lesen, die die eigene Meinung bestätigen. Ich lese auch ausländische Zeitungen, wenn Sie was Gutes über Deutschland lesen wollen, müssen Sie eine ausländische Zeitung lesen. Ich wette mit Ihnen um eine Flasche Rotwein, dass Sie in der Süddeutschen nichts Positives über die deutsche Wirtschaft finden werden. Mit der Berichterstattung über die Politik ist es ähnlich, kein Schwein tritt heute einer Partei bei. Alle Parteien zusammen haben 1,4 Millionen Mitglieder, der ADAC hat sechzehnmal soviel. Die Deutschen interessieren sich viel mehr für ihr Auto als für die Politik. In die Politik zu gehen, ist finanziell, materiell, aber auch von der Befriedigung her uninteressant.

Was lautet Ihre Prognose für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands?
Wir werden die Eurokrise durchstehen. Wir dürfen den Euro auf keinen Fall abschaffen! Wieso? Weil wir durch China und die anderen asiatischen Länder enorme Konkurrenz bekommen, diese Länder werden sich in den nächsten Jahren explosionsartig entwickeln. Ich war früher beruflich oft in Asien und habe immer gesagt: Alles, was Schlitzaugen hat, ist intelligent und fleißig. Südamerika entwickelt sich auch, das dauert etwas länger. Auch die USA, selbst in Afrika gibt es etliche Länder mit guten Prognosen. Wir müssen in Deutschland also Forschung und Entwicklung hochhalten, die Steuerbelastung senken, das Land entbürokratisieren. Die Krankenkassen brauchen 40 Milliarden nur für die Verwaltung, wir haben das komplizierteste Steuerrecht der Welt, die Belastung der Unternehmen muss gesenkt werden. Das gilt auch für die anderen EU-Länder, nur wenn Europa sich als Ganzes gut entwickelt, können wir unsere Arbeitsplätze erhalten. Wenn wir den Vorsprung halten, unsere Arschbacken zusammenkneifen und nicht streiten, sondern arbeiten, dann wird die EU zu den erfolgreichen Blöcken der Welt gehören und es wird unseren Kindern und Enkeln gutgehen.

Wie wär’s mit einem Schlusswort?
Schlafen Sie gut, machen Sie sich über die Wirtschaft keine Sorgen und setzen Sie viele Kinder in die Welt!

"Verbrecher-Kartei - Über Banker, Manager und Politiker" erscheint am 03.12. im Gerhard Hess Verlag, 240 Seiten kosten 18,90 Euro.

Foto: Bernd Jaufmann

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