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Somuncu ist ruhiger geworden – aber immer noch unbequem
Serdar Somuncu, einst der Mann fürs Grobe, ist ruhiger geworden. Geläutert vielleicht sogar. Wo vor 20 Jahren noch ordentlich gepöbelt und provoziert wurde, setzt er heute stärker auf politische Beobachtungen und gesellschaftliche Absurditäten. Nicht mehr ganz so vulgär wie früher, aber noch immer gerne mal unter der Gürtellinie.
Der Großteil des Abends bleibt improvisiert – und genau darin liegt nach wie vor Somuncus Stärke. Er nimmt sich die Doppelmoral in Politik und Gesellschaft vor, zerlegt Widersprüche und sagt gerne das, was andere lieber unausgesprochen lassen. Meistens trifft er damit ins Schwarze und erhält dafür reichlich Applaus. Manchmal schießt er allerdings auch übers Ziel hinaus. Besonders beim Thema Ukraine-Krieg wird deutlich: Hier geht es weniger um Konsens als um seine ganz persönliche Sicht der Dinge. Das Publikum quittiert das entsprechend – mit betretenem Schweigen.
Somuncu will nicht mehr unbedingt der Lauteste im Raum sein. Er will widersprechen, provozieren und den Finger in die Wunde legen. Das gelingt ihm immer noch. Nur eben heute etwas ruhiger, reflektierter – und dadurch vielleicht sogar wirkungsvoller.
Unterm Strich: keine revolutionäre Neuauflage, aber ein unterhaltsamer Abend der nachhallt, mit einem Kabarettisten, der sich verändert hat, ohne seine Lust am Austeilen zu verlieren.
Text/Foto: Daniel Anzaldua






