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„Wir haben alles in unseren Händen!“
Der Kapitän ist zurück an Bord. Nach seiner langen Verletzung beackert Paul Verhaegh wieder die rechte Abwehrseite. Seit 2010 spielt der Niederländer beim FC Augsburg und hat seinen Vertrag zur Freude der Fans um weitere drei Jahre verlängert, und zwar unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Walter Sianos traf Verhaegh bei ersten Frühlingstemperaturen auf der Augsburger Dult.
Du warst ja lange verletzt. Bist du inzwischen wieder bei einhundert Prozent?
Ich fühle mich körperlich absolut gut, ich habe auch keine Angst mehr, dass mit meinen Gelenk etwas sein könnte. Was mir jetzt noch fehlt, ist etwas Spielpraxis, aber ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Eine sehr erfreuliche Nachricht war deine Vertragsverlängerung und vor allem die Länge der Laufzeit. Drei Jahre geht der neue Kontrakt. Was hat dich dazu bewogen, dich so lange an den FCA zu binden?
Hier stimmt das Gesamtpaket. Ich spüre das Vertrauen der Verantwortlichen, wir haben eine tolle Mannschaft mit Perspektive, der Verein hat großes Potential und die Bundesliga gehört zu den besten Ligen der Welt. Noch dazu muss ich sagen, dass meine Frau und ich uns sehr wohl in Deutschland und in Augsburg fühlen.
Ein deutliches Signal ist ja, dass dein Vertrag auch für die zweite Bundesliga gilt.
Es ist super, dass viele Leistungsträger wie Baier oder Callsen-Bracker auch verlängert haben, das zeigt doch, dass wir Spieler an den Club glauben. Aber mit der zweiten Liga will ich mich nicht groß beschäftigen.
Nachdem die holländische Enklave in den letzten Jahren sehr groß war, dachten schon viele, dass du dich wieder Richtung niederländische Eredivisie orientieren würdest. Hast du das genossen, mit so vielen Landsleuten in einem Team oder ist man da so Profi, dass das keine große Rolle spielt?
Als ich neu beim FCA war, war das natürlich schon ein Vorteil, dass man sich auch in seiner Landessprache unterhalten konnte. Und auch für unsere Frauen war das anfangs sicher sehr angenehm, aber inzwischen muss ich sagen, ist das für mich nicht mehr so wichtig. Ich komme mit allen Spielern und allen Nationalitäten sehr gut klar.
Jetzt, wo der Vertrag unterzeichnet ist, kannst du uns ja mal verraten, ob es konkrete Angebote aus Holland oder von anderen Clubs gab.
Ach komm, das weißt du doch bestimmt.
AZ Alkmaar?
Nein, ich hatte von Twente Enschede ein konkretes Angebot und auch noch andere Anfragen. Ist ja klar, wenn man ablösefrei ist, weckt das natürlich Begehrlichkeiten. Aber ich wusste schon sehr früh, wohin mein Weg geht. Der FCA hat mir viel Vertrauen entgegengebracht, gerade in einer Zeit, in der ich verletzt war. Aber ich kann mir vorstellen, meine Karriere in den Niederlanden ausklingen zu lassen.
Die Saison befindet sich im Zieleinlauf, es riecht nach großer Spannung.
Ich weiß zwar, auf welchem Platz wir stehen, aber ich bin nicht der Typ, der ständig auf die Tabelle schaut. Wir wissen, was zu tun ist und werden alles daran setzen, dass wir die Klasse halten und auch nächstes Jahr in Augsburg noch Erstligafußball erleben können. Wir haben alles in den eigenen Händen.
Wer war dein Idol in der Jugend, welcher dein Lieblingsclub?
Ein richtiges Idol hatte ich eigentlich gar nicht. Ich fand Romario gut, als er noch bei PSV Eindhoven gespielt hat. Cafú fand ich auch gut. Mein Lieblingsclub war VVV Venlo, ich bin dort ganz in der Nähe aufgewachsen.
Was macht dich glücklich, was wütend?
Glücklich macht mich meine kleine Tochter. Gerade in der Zeit, als ich verletzt war und von der Reha nach Hause kam, hat sie mir immer wieder Mut gegeben. Wütend? Ich werde eigentlich selten böse oder sauer. Aber was ich nicht mag, ist Ungerechtigkeit.
Welchen Traum willst du dir noch unbedingt erfüllen?
Was mich sehr reizen würde, wäre eine längere Reise, Australien, Asien, USA... Aber das erst, wenn meine fußballerische Laufbahn zu Ende ist.
Mit welchem Sportler würdest du gerne mal einen Tag tauschen?
Da gibt es einige... Zum Beispiel mit Usain Bolt oder Roger Federer. Das wäre eine sehr interessante Erfahrung.
Du in der Zeitmaschine: Wohin geht die Reise?
Oh, das ist jetzt eine gute Frage. Hm, ich glaube, doch in die Zukunft, ins Jahr 2035 oder so... Mal kucken, was da so los ist auf unserem Planeten.






