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ICH BIN KEIN BAD BOY!
Raúl Bobadilla ist ein Spieler, der polarisiert. Der Argentinier präsentiert sich beim Interview bestens gelaunt, von Bad Boy weit und breit keine Spur. Nach seiner Verletzung brennt der temperamentvolle Gaucho auf seinen Einsatz und hofft, spätestens beim nächsten Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim wieder im Kader zu stehen.
Buenos Aires, Metropole und fußballverrückte Stadt mit 13 Erstligisten im Großraum. Du bist ein waschechter Porteño, wie die Bewohner der argentinischen Hauptstadt genannt werden. Plagt dich eigentlich kein Heimweh?
Du kennst den Begriff Porteño?
Dank Google halt.
Heimweh? Ja, doch, natürlich, ich bin jetzt schon sieben Jahre in Europa und es ist doch normal, dass mir meine Heimat fehlt, meine Familie, meine Freunde. Aber ich fliege zweimal im Jahr rüber, so lässt sich das einigermaßen kompensieren.
Du hast in deiner Jugendzeit für River Plate, einen der größten Clubs in Argentinien, gespielt, bist aber schon sehr früh nach Europa gewechselt. Wie kam es denn dazu, dass du in die Schweiz gekommen bist?
Ich habe mit 18 in der zweiten Mannschaft von River Plate gespielt und war auf dem Sprung ins Profiteam. Wir haben 2006 mit der Reservemannschaft bei einem Turnier in Italien teilgenommen, u.a. gegen Inter Mailand. Ich habe dort einige Tore gemacht und ganz gut gespielt. Kaum waren wir wieder in Buenos Aires, kam das Angebot aus der Schweiz. Ich habe kurz gezögert, weil ich vor dem Sprung in die erste Mannschaft stand, andererseits war es ein Ziel von mir, irgendwann nach Europa zu gehen. Ging halt dann schneller, als ich dachte, und ich wollte die Gelegenheit beim Schopf packen.
Wie ist das, wenn man von so einer hektischen Metropole in die beschauliche Schweiz wechselt?
Das ist natürlich eine große Umstellung, gerade wenn man noch jung ist, die Sprache nicht kann, neues Umfeld... Ich habe schon eine Zeitlang gebraucht, mich umzustellen, in der Schweiz ist alles so geordnet, da spuckt man nicht mal auf die Straße. Bei uns in Argentinien geht es etwas chaotischer zu (lacht).
River Plate ist die erfolgreichste Mannschaft Argentiniens und hat Superstars herausgebracht wie Alfredo di Stefano, Martin Demichelis, Claudio Caniggia, Hernan Crespo und und und... Ist es dein Traum, eines Tages wieder für River Plate aufzulaufen?
Ich möchte jedenfalls meine Karriere eines Tages in Argentinien ausklingen lassen. Ob es jetzt River Plate sein muss, das will ich mal noch offenhalten.
Ist das gar nicht dein Herzclub?
Als Jugendlicher war ich totaler Fan von den Boca Juniors. Für Boca Juniors habe ich auch gespielt, bevor ich zu River Plate bin.
Argentinien ist eine schier unerschöpfliche Quelle an guten Spielern. Nur in der Bundesliga sieht man kaum welche, die wechseln lieber nach Italien oder Spanien.
Das wundert mich ehrlich gesagt auch. Keine Ahnung, warum das so ist. Wahrscheinlich kommt uns Argentiniern die Spielweise in Italien, Spanien oder auch Griechenland eher gelegen.
Ging ja gut los im Land der Eidgenossen. Für deinen ersten Club, Concordia Basel, hast du in 28 Spielen 18 Tore erzielt, danach für Grasshopper Zürich in 47 Spielen 26mal getroffen. Und dann ging es 2009 für eine Ablösesumme von 4,2 Mio. Euro nach Mönchengladbach. Es ist immer aufwärts gegangen. Wo hat es dir bisher am besten gefallen?
Bei den Grasshoppers und bei Borussia Mönchengladbach. Gladbach ist halt mindestens noch eine Nummer größer und dort spürt man auch den großen Stellenwert des Clubs.
Du hast auch ein paar Monate für Aris Saloniki in der griechischen Superleague gespielt. Wie waren deine Erfahrungen in Griechenland? Die Aris-Fans sind sehr fanatisch.
Mir hat es in Saloniki sehr gut gefallen. Das ganze Leben dort hat mich sehr an Argentinien erinnert. Und Aris hat wirklich unglaubliche Fans, das Stadion ist ein echter Hexenkessel, gerade das UEFA-Cup-Spiel gegen Manchester City habe ich noch sehr positiv in Erinnerung. Das sind lauter Verrückte da (lacht). Ich kann mir durchaus vorstellen, eines Tages wieder in Griechenland zu spielen.
Dein Saisonstart war sehr unglücklich. Gleich bei deinem ersten Spiel in Bremen hast du dich verletzt und bist seitdem nicht zum Einsatz gekommen. Schon bitter, oder?
Als ich den Schlag spürte, dachte ich nur, „nein, nein, nein…“ Ich wollte es nicht wahrhaben, es war wie ein schlechter Traum. Ich habe versucht weiterzumachen, aber mir wurde schnell klar, dass es etwas Ernsthaftes war.
Die Verletzung ist inzwischen fast auskuriert, du trainierst bereits wieder mit der Mannschaft. Wann werden wir dich wieder auf dem Platz sehen?
Ich hoffe, schon sehr bald, ich bin ein etwas ungeduldiger Mensch. Ich hoffe, dass ich bereits gegen Hoffenheim wieder auf der Bank Platz nehmen kann.
Deine Verpflichtung hat bei den FCA-Fans sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Du bist schon ein Spieler, der polarisiert. Wie lebt es sich mit diesem Bad-Boy-Image?
Ja, was soll ich dazu sagen? Mich nervt auch, was oft so alles geschrieben wird. Okay, ich bin vielleicht ein etwas temperamentvoller Mensch und ich habe sicher auch Fehler in der Vergangenheit gemacht, aber ich kann mit reinem Gewissen sagen, dass ich noch nie jemand etwas getan habe.
Du hast einen Dreijahresvertrag unterschrieben, d.h. du willst gerne länger in Augsburg bleiben.
Mir gefällt es hier sehr gut, und ich hoffe, dass ich meinen Kritikern beweisen kann, was in mir steckt.
Kennst du Michael Thurk?
Ja, den kenne ich...
Bei dem war es ähnlich, als er nach Augsburg kam, er war sehr umstritten, weil er nicht immer pflegeleicht ist. Aber letztendlich ist er zum Publikumsliebling avanciert. Gute Voraussetzungen also...
(lacht) Ja, wenn das so ist...
Diesen Samstag geht es zur Siegesmaschine FC Bayern. Angst?
Angst? So etwas kenne ich nicht. Natürlich ist der FC Bayern in einer überragenden Form und im Moment wohl die beste Mannschaft der Welt. Aber auch dieses Spiel wird beim Stand von 0:0 angepfiffen. Und ich weiß, wie Siege gegen den FC Bayern schmecken, mit Mönchengladbach ist mir das gelungen.
Wer war der Held deiner Jugend? Maradona?
Natürlich Maradona, an ihm kommt man bei uns nicht vorbei. Aber auch Carlos Tevez ist eines meiner Idole. Wir haben früher bei Boca Juniors gespielt und sind täglich zusammen mit dem Bus ins Training gefahren. Ein überragender Spieler.
Welche Musik bringt dich so richtig in Schwung?
Reggaeton (ein Mix aus Reggae, Dancehall, HipHop und Merengue) und Cumbia. Da komme ich wirklich in Fahrt (lacht).
Lieblingsessen? Das muss ich dich als Argentinier eigentlich gar nicht fragen, oder?
Natürlich ein gutes Steak, so wie es sich gehört!
Interview: Walter Sianos
Fotos: Harald Sianos






