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"Mein Erfolgsrezept? Ich lebe nicht zu gesund!"
Interview mit dem früheren FCA-Goalgetter Michael Thurk
Gratulation zum Aufstieg mit dem FC Heidenheim in die zweite Bundesliga. Du hattest immerhin 23 Einsätze. Und jetzt? Hängst du mit 38 Jahren noch ein Jahr dran?
Da kann ich im Moment keine verbindliche Aussage machen. Das wird sich in den nächsten Tagen zeigen, was passiert.
Du hattest beim FCA eine unglaubliche Quote, in 104 Spielen hast du 51 Tore erzielt. Was sagt uns das, war der FCA deine schönste Station?
Tja, was sagt uns das? Anscheinend lief es ganz gut in dieser Zeit (lacht). Aber mal im Ernst, in Mainz und Augsburg hatte ich definitiv meine schönsten Jahre als Fußballer, das lässt sich nun mal nicht leugnen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Szene, die sich am 19. Oktober 2008 ereignet hat. Du hattest zu dieser Zeit nicht gerade das beste Verhältnis zu Trainer Holger Fach. Die 90. Minute läuft, Freistoß im Spiel gegen St. Pauli beim Stand von 2:2. Du läufst an und versenkst den Ball im Netz zum 3:2. Bei einer Niederlage wäre Fach wohl seinen Job losgewesen. Du hättest ja auch danebenschießen können.
Da kann ich mich auch noch gut daran erinnern. Für mich war das gar keine Frage, ich spiele für meine Farben, für meinen Club, da kommt man gar nicht auf solche Gedanken, obwohl ich zugebe, dass das Verhältnis zwischen mir und Fach eine Zeit lang nicht das beste war. Aber das ist schon lange ausgeräumt, inzwischen ist das Schnee von gestern und wir können uns beide wieder in die Augen sehen. Aber die Geschichte ging ja noch weiter, anstatt mir auf die Schulter zu klopfen, kritisierte er mich nach dem Spiel in der Kabine mit den Worten: „Aus so einer Entfernung darfst du eigentlich gar nicht direkt aufs Tor schießen.“
Am 28. Mai feierst du deinen 38 Jahre Geburtstag. Kannst du mir mal dein Jungbrunnenrezept verraten?
Tja, das ist eine gute Frage. Ich lebe nicht zu gesund (lacht). Im Ernst, ich habe gar keinen besonderen Ernährungsplan, der aus Vollkornprodukten oder so besteht. Ich gönne meinem Körper auch mal, was er verlangt, also auch eine Cola ist da schon mal drin. Wahrscheinlich habe ich einfach nur gute Gene geerbt.
Du wohnst wie Sascha Mölders und Halil Altintop in Kissing. Simon Jentzsch, Timo Wenzel und Sven Neuhaus haben ebenfalls dort gewohnt. Ist da draußen die Luft besonders würzig?
Ja, anscheinend. Kissing hat so ziemlich alles zu bieten, was man braucht, viel Natur, viele Seen, es wohnen dort viele junge Familien mit ihren Kindern und in Augsburg ist man auch gleich. Wir fühlen uns dort sehr wohl.
Geht es nach der Karriere wieder an den Main?
Nein, mein Sohn ist hier großgeworden und wir haben beschlossen, hier sesshaft zu werden.
Du hattest ja immer den Wunsch, in der nordamerikanische Profiliga zu spielen.
Ich war ja schon mit einem Bein im Flieger. Ich hatte mich damals von der Mannschaft schon verabschiedet, der Transfer nach Philadelphia ist dann aber leider im letzten Augenblick gescheitert.
Wie ich dich einschätze, kickst du noch mit 40.
Wie ich mich kenne, kicke ich sicher noch mit 40. Die USA sind sicherlich eine Option, der Trainer von Columbus Crew, Gregg Berhalter, mit dem ich bei Energie Cottbus gespielt habe, ist ein guter Freund von mir und Kontakt ist da.
Du bist immer jemand gewesen, der kein Blatt vor den Mund genommen hat. Das hat dich in Augsburg auch zum Publikumsliebling gemacht. Gibt es im deutschen Fußball zu viele stromlinienförmige Profis?
Wenn ich ehrlich bin, würde ich bei der einen oder anderen Situation heute etwas anders reagieren, mit dem Alter ist man halt nicht mehr ganz so hitzköpfig. Aber es stimmt schon, dass langsam dieser Spielertypus ausstirbt. Heute sind alle sehr vorsichtig geworden, im Medienzeitalter kommen manche Zitate und Aussagen oft wie ein Bumerang zurück.
Man sieht dich immer wieder mal in der SGL-Arena. Wie gut ist noch dein Kontakt zum FCA?
Ich gehe immer zum FCA, wenn es die Zeit zulässt. Ich hatte dreieinhalb tolle Jahre hier, so etwas verbindet, ich habe auch heute noch Kontakt zu vielen Spielern. Ich gehe aber auch sehr gerne zum AEV. Ich bin ein Fan des Augsburger Sports geworden.
Was war dein schönstes Erlebnis in Augsburg? Der Aufstieg am 08. Mai 2011 gegen den FSV Frankfurt? Du hast den 1:1-Ausgleich erzielt.
Da gab es sehr viele. Der Aufstieg in die erste Bundesliga natürlich, die beiden Spiele gegen Carl Zeiss Jena, wo wir jeweils auf der Ziellinie den Klassenerhalt geschafft haben. Und natürlich auch der erste Derbysieg gegen 1860 in der Allianz-Arena. Nach dem Spiel war ich Gast bei Blickpunkt Sport, Moderator war Waldemar Hartmann und ich habe damals schon von der ersten Bundesliga gesprochen. Waldi dachte, ich sei irre. Später haben wir uns dann beim Pokalspiel FCA – FC Bayern in Augsburg getroffen. Da meinte er: "Micha, du hattest tatsächlich Recht!"
Interview: Walter Sianos






