Das kleine Weltuntergangsinterview:
Diesmal mit Siegfried Zagler

Verfasst am: 01.12.2012 | Autor: Marcus Ertle

Siegfried Zagler, Herausgeber der unabhängigen Internetzeitung DAZ und gefürchteter Leitartikler

Herr Zagler, wer ist schuld am Weltuntergang?
Niemand ist schuld. Die Welt kann nicht in dem Sinne untergehen, dass daran jemand schuld sein könnte. Das wäre ein biblisches Gemälde. Sicher ist aber, dass die Welt untergehen wird. Schön ist in diesem Zusammenhang, dass wir nicht wissen, wann. Sicher ist auch, dass das Thema „Weltuntergang“ uns seit der Antike ungebrochen interessiert und uns auch zu interessieren hat. Das Thema ist seit Jahrtausenden ungebrochen in Mode. Wenn die Welt mit einem göttlichen Schöpfungsakt in Verbindung zu bringen ist, dann muss man mit der Vorstellung der Apokalypse leben. Wenn nicht, dann ist der Weltuntergang ein natürliches Ereignis. In meinem Kopf ist „Weltuntergang“ eine Metapher für Verlust, Fremdbestimmung und Verrat.

Wen soll’s denn als Ersten erwischen?
Rache ist etwas für Schwächlinge, weshalb die meisten Menschen dafür sehr anfällig sind. Ich selbstverständlich auch. Rache ist ein starkes Zeug. Ich glaube aber nicht, dass der Genuss der Rache lange anhält, also lässt man besser die Finger davon. Rachefiktion in Romanen, Theaterstücken, Filmen ist nicht selten großartiger Stoff. „Hamlet“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Graf von Montechristo“ und natürlich „Moby Dick“ sind die Werke, die mich in meiner Schulzeit tief beeindruckt haben. Das gilt eigentlich auch noch für heute.

Was hätten Sie sich sparen können?
Meine Beiträge in die Rentenkasse.

Was kotzt Sie an?
Der Tabellenstand des FCA und dass er einen Präsidenten hat, dem man einerseits dankbar sein muss, der aber andererseits kaum auszuhalten ist.

Noch was zu erledigen, auf die Schnelle?
Ich will noch mal die Fenster putzen und das Auto durch die Waschanlage schicken. Und zwar durch eine, in der man noch im Wagen sitzen bleiben kann.

Welcher Soundtrack passt am besten zum Weltuntergang?
Einer mit Hurra. Also Wagner, „Ritt der Walküren“.

Was werden Sie vermissen?
Wenn man tot ist, vermisst man nichts und niemand. Wenn man nicht tot ist, vermisst man alle, die man liebte, aber nicht mehr da sind.

Was machen Sie am Tag danach?
Am Tag nach dem Weltuntergang würde ich mich wundern, dass es diesen Tag überhaupt gibt. Das wäre dann nämlich ein halbseidener Weltuntergang.

Info:
Siegfried Zagler, geboren am 30.04.1959 in Augsburg, Herausgeber der unabhängigen Internetzeitung DAZ (Die Augsburger Zeitung) und gefürchteter Leitartikler.

Kolumnengalerie: