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Eintagsfliege

Ausflug hinter die Grenze der Belastbarkeit

Seit Wochen geistert ein Begriff durch die Medien: Die Grenze der Belastbarkeit...

Polizisten, Bürgermeister, Landräte, Bundespolitiker. Sie alle warnen davor, dass durch den Strom der Flüchtlinge die Grenze der Belastbarkeit erreicht sei. Interessant ist daran, dass wir nun anscheinend seit Wochen vor dieser Grenze verharren. Wir wissen nicht, wie weit wir von der Grenze der Belastbarkeit entfernt sind. Einen Schritt, einen Tagesmarsch, drei Stoßseufzer? Es ist ganz unklar. Wahrscheinlich treten wir auf der Stelle, kurz vor dem Grenzstreifen. Falls wir uns von der Grenze der Belastbarkeit entfernt haben sollten, kriegen wir es nicht mit, denn es wird ja unentwegt wiederholt, dass wir die Grenze erreicht haben.

Das führt zur spannenden Frage: Was passiert eigentlich, wenn wir die Grenze der Belastbarkeit überschreiten? Ich stelle es mir als apokalyptisches Chaos vor. Anfangs in den Grenzregionen, später überall bricht die Anarchie aus. Polizisten reißen sich die Uniformen vom Leib, werfen ihre Waffen weg, auf den Straßen stehen verlassene Streifenwagen, Kinder spielen mit herrenlosen Schlagstöcken. Ämter und Gerichte – gibt es nicht mehr, nicht jenseits der Grenze der Belastbarkeit. Alle staatliche Ordnung ist dahin.

Aber wie lebt es sich hinter dem Grenzgebiet? Es war ja schon immer eine der faszinierendsten Vorstellungen, wie es in einer postapokalyptischen Welt zugeht, nach einem Atomkrieg, nach einem Meteoriteneinschlag oder eben so wie bei uns jetzt bald.

Wahrscheinlich wird es einen Rückfall ins Clanwesen geben. Dörfer und Sippen werden sich auf dem Land zu wehrhaften Gruppen zusammenschließen und ihre winzigen Territorien beherrschen. In den Städten herrscht das brutale Recht des Stärkeren. Es werden Mini-Staaten entstehen. Die einen werden von dominanten Patriarchen beherrscht werden, andere von dominanten Matriarchinen (wir leben immerhin im Jahr 2015), dann wird es mafiöse Gebilde geben, die ihre Nachbarstaaten terrorisieren, vielleicht auch kleine Gottesstaaten, in denen der Dorfpfarrer das Sagen hat und natürlich auch hier und da eine Hippie-Kommune. Aber alles eben nur ganz im Kleinen. Hinter der Grenze der Belastbarkeit gibt es keine Landes- oder gar Bundesgewalt. Auf der Landkarte wird man einen wilden Flickenteppich der Kleinstsaaten finden. Vielleicht wird sich sogar hier und da ein König krönen lassen, herje, endlich wieder Monarchie, oder eben auch ein Diktatur. Back to the roots sozusagen.

Vielleicht sollten wir einfach mal schauen, wie es sich jenseits der Grenze der Belastbarkeit lebt.(me)

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