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Eintagsfliege

Bäume, Bürger, Wut und Wahlen

Die Freien Wähler wollen die geplante Straßenbahnlinie unter dem Hauptbahnhof durch ein Bürgerbegehren verhindern. Rumms!

Die Freien Wähler wollen die geplante Straßenbahnlinie unter dem Hauptbahnhof mittels Bürgerbegehren verhindern. Rumms! Abgesehen von der Frage, ob die Stadt durch einen Verzicht auf die unterirdische Tram 100 Millionen Euro einsparen könnte. Politisch ist die Idee so intelligent wie riskant. Die beiden führenden Köpfe der Freien Wähler, Schönberg und Schafitel, setzen auf das Wutpotential der Bürger.

Sie haben sich ein sehr teures Projekt ausgeguckt gegen das Wähler mobilisiert werden könnten. Verkehr, Geld, Bäume. Das könnten drei entscheidende Wahlhelfer werden. Wenn, und hier verbirgt sich das Risiko, wenn die Bürger das geplante Begehren als eine vernünftige und zugleich emotionsgeladene Idee annehmen. So wie die Grünen durch Stuttgart 21 einen Wutbürgerwahlsieg errungen haben, so könnte Schafitel als OB-Kandidat reüssieren. Wo Gribl und Verbündete auf ein teures Renommierprojekt setzen, für das auch noch zahlreiche Bäume ihr Leben lassen müssten; da könnte sich der umtriebige Schafitel als leidenschaftlicher Bewahrer profilieren. Nach dem Motto: Bürger für Bäume, gegen Verschwendung

Diese Rechnung kann aufgehen. Sie kann aber ebensogut dazu führen, dass die Freien Wähler, die sich als treibende Oppositionskraft darstellen wollen, gnadenlos untergehen. Der Grat zwischen populärem Wutbürgertum und nervigem Querulantentum ist durchaus schmal.

Gribl könnte darauf erwidern: Ich verstehe ja, dass ihr eure Bäume behalten wollt, wir fällen deswegen auch möglichst wenige, aber davon abgesehen, lasst euch doch nicht von den politischen Rattenfängern in die Irre führen. Diese Taktik könnte vor allem dann aufgehen, wenn sich der neue Kö in den kommenden Monaten bewährt. Wenn es nicht zu Staus und Verkehrschaos kommt, dürfte die erhoffte Welle der Empörung im Wahlkampf versanden, dann würde auch Schafitel untergehen.

Sollte die Mobilitätsdrehscheibe sich aber als Immobilitätsdrehscheibe erweisen, dann könnte der Wahlkampf einen Drive bekommen, der Gribls Image als überparteilicher Macher beschädigt. Dann könnten die Freien Wähler Gribl entscheidende Stimmen abjagen und möglicherweise in die Stichwahl zwingen. Freilich nicht gegen einen Kandidaten Schafitel, sondern gegen Stefan Kiefer von der SPD. Dann wäre alles möglich. Das hat man zuletzt bei Paul Wengert gesehen. Der war populär, man rechnete mit seinem Wahlsieg. Aber ein unterschätzter und bis dahin unbekannter Gegenkandidat, der die Stimunng in der Stadt geschickt nutzte, zwang ihn in die zweite Wahlrunde und besiegte ihn. Sein Name: Kurt Gribl. (me)

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