Magazin
Die mutlosen Deutschen?!
Spinnen jetzt alle? Mit Hamburg hat zum zweiten Mal eine deutsche Stadt/Kommune/Region eine Olympiabewerbung abgelehnt – und bekommt dafür jetzt den Arsch versohlt. Dass sich die meisten hanseatischen Politiker auf den Pfeffersack getreten fühlen, können wir ja noch verstehen, auch dass die armen Sportler lieber an der Elbe als am Huang He ihren Cocktail genießen, aber die Reaktionen eines großen Teils der deutschen Presse finden wir dann doch etwas seltsam.
Nachdem gerade erst eine ARD-Doku die katastrophalen Verhältnisse beim Doping in der Leichtathletik entlarvt hat und jahrelang die engagierten Berichte über die Folgen von Olympischen Spielen und die Zustände im IOC nur zu sehr überschaubaren Reaktionen der Politik geführt haben, wehrt sich jetzt die Bevölkerung und wird prompt als "mutlos und ängstlich" (Spiegel) bezeichnet. Und laut der Sportausschussvorsitzenden des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag, können die Deutschen nun auch keine Kritik mehr an der umstrittenen Vergabepraxis des IOC üben.
Komische Taktik, oder? Erst mal den ganzen Mist ins Wohnzimmer schütten lassen und dann schauen, ob die neue Lüftung funktioniert? Das erinnert doch sehr an den alten Cartoon vom Staubsaugervertreter auf dem Lande, der siegessicher den Aschenbecher auf den Teppich kippt: "Ich esse das alles selber auf, wenn es das Gerät nicht wegbekommt!" – "Guten Appetit, wir haben keinen Strom!"
In diesem Sinne, liebe Hamburger, Münchner, Garmischer, Osloer, Graubündner, Bostoner: Danke! (flo)






