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Eintagsfliege

Die Wahrheit des Ventilkäppchens

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zu tieferer Erkenntnis verhelfen...

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zu tieferer Erkenntnis verhelfen. In meinem Fall war es ein handeslübliches Käppchen für das Fahrradventil.

Ich war einige Jahre Kunde eines großen lokalen Fahrradhändlers. Im Lauf der Zeit habe ich bei ihm vier Mountainbikes gekauft, jede Menge Reparaturen, das übliche Zubehör vom Tacho bis zum Sattel. Ich habe also in den paar Jahren meiner Geschäftsbeziehung zu jenem Fahrradhändler gut ein paar tausend Euro rüberwachsen lassen, der Umgang war freundlich.

Und dann kam mein Moment der Erleuchtung. Ich war mal wieder unterwegs und merkte, dass ich am Hinterreifen etwas Luft verlor. Ich fuhr also zum Fahrradhändler, pumpte etwas Luft in den Reifen, merkte, dass das Ventilkäppchen fehlte, fragte, ob ich eines haben könnte und statt es mir zu schenken, sagte der Händler: "Das macht zehn Cent."

Nun geht es mir nicht um zehn Cent. Es geht mir ums Prinzip. Ich weiß natürlich, dass es keinen Anspruch auf Geschenke gibt. Ein Kunde kann nicht verlangen, dass er zehn Cent geschenkt bekommt, auch wenn er tausende Euro im Laden gelassen hat. Aber es zeigte mir: So freundlich Kunde und Verkäufer sich auch geben, so kumpelig der Umgang auch wirkt, so lässig der Smalltalk – die Beziehung zwischen Kunde und Verkäufer ist letztlich rein materiell.

Der Verkäufer muss einem kein Ventilkäppchen schenken. Er zeigt damit allerdings, dass er, rein verkaufspsychologisch, eher so ein bisschen dumm ist. Denn durch diese zehn Cent, die er trocken von mir verlangte, hat er mir erstens die bequeme Illusion genommen, wir würden uns auf einer Art Sympathieebene bewegen und nicht einer Erwerbsebene. Und zweitens hat er vielleicht das schlechteste Geschäft seines Lebens gemacht.

Denn nachdem ich mich über die Kleinlichkeit geärgert habe, wurde mir klar, dass es Unsinn ist, nur aus scheinbarer Sympathie bei einem Geschäftspartner zu verweilen, denn der bedient einen ja nicht, weil man so intelligent, nett und witzig ist. Diese Erkenntnis kostete mich zehn Cent und bescherte einem anderen Fahrradhändler einen neuen Kunden.

Die Moral daraus: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, Knausrigkeit zerstört sie. Soviel Weisheit zum Preis von zehn Cent. Für mich ein gutes Geschäft. (me)

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