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Eintagsfliege

Drohender Bahnstreik - zwischen Bibel und Stockholm

Der Bahnstreik ist irgendwas zwischen biblischer Geschichte und Stockholm-Syndrom...

Der Bahnstreik ist irgendwas zwischen biblischer Geschichte und Stockholm-Syndrom, je nachdem, welche Analogie man bevorzugt. Einerseits könnte man sagen: Die GdL ist der tapfere David, der sich gegen den übermächtigen Goliath namens Deutsche Bahn behauptet. Eine kleine Schar tapferer Kämpfer für die gute Sache also. Andererseits hat diese Analogie einen etwas naiven Touch.

Denn die Neigung in David und Goliath zu denken, führt zu oft zum gedanklichen Kurzschluss, dass man annimmt, David sei, weil er schwächer und kleiner ist, automatisch im Recht. Ist das bei der GdL so?

Wahrscheinlich gehöre ich zur doofen Minderheit, die einfach nicht genau begreift, wieso sich David und Goliath nicht einigen können. Das wäre an sich auch nicht meine Aufgabe, wenn wir meine Staatsbürgerpflicht mal außer Acht lassen.

Denn vielleicht ist die GdL kein gerechter David, sondern eine Art Geiselnehmer der Bahnkunden deren Solidarität mit der GDL dann einer Art Stockholm-Syndrom gleichkäme. Man identifiziert sich demnach irgendwann mit seinem Peiniger und kämpft mit ihm gegen seine Gegner. Aber wer sind eigentlich die Gegner der GdL?

Wir. Ja, wir, wirklich. Wir sind es, weil die Bahn dem Staat und damit uns gehört. Es ist kein anonymes Aktienunternehmen, kein gieriger US-Investmentfond, die Bahn gehört also uns allen und der Staat hat die Pflicht, unsere Interessen zu vertreten.

Das heißt nun nicht, dass der Staat den Streik der GdL verbieten soll, oder blind alle Forderungen der Gewerkschafter erfüllen lässt. Was der Staat tun muss, ist, den Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Nämlich den Irrtum, dass alles gut wird, wenn man möglichst viele Staatsunternehmen privatisiert und man im Zuge dessen Lokführer nicht mehr verbeamtet. Denn das war, um biblisch zu bleiben, der Sündenfall: Wichtige Positionen der Infrastruktur nicht mit Beamten zu besetzen und damit die Infrastruktur zu gefährden. (me)

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