Hundeliebe macht blind und blöd

Liebe macht blind, sagt man. Hundeliebe macht anscheinend blind und blöd. Nur so kann ich mir erklären, was sich gerade im Facebook-Kommentarbereich zu einem Artikel der AZ abspielt.

In Konstanz wurde gestern eine Frau von einem großen Hirtenhund totgebissen. Derlei passiert leider häufiger. Und immer, wirklich immer, wird man kurz nach Veröffentlichung Zeuge eines bizarren Schauspiels: Wortgewaltige Hundeliebhaber empören sich in den sozialen Medien darüber, dass der Hund getötet wurde, nachdem er einen Menschen getötet hat. Denn nicht der Hund sei böse, sondern die Menschen, die ihn entweder böse gemacht oder provoziert haben und somit am Ende irgendwie selbst schuld seien. Dass es oft auch Säuglinge sind, die diese Schuld mit dem Leben bezahlen, stört die Hundeliebhaber in ihrer Argumentation nicht.

Wer die Kommentatoren auf dieses seltsame Missverhältnis in Sachen Mitgefühl aufmerksam macht, wird als unwissend abgetan, als jemand, der von Hunden anscheinend keine Ahnung hat. Das stimmt in meinem Fall. Ich liebe kleine Hunde, meine auch manchmal, sie zu verstehen, aber anscheinend endet meine Fähigkeit ab einer gewissen Größe oder Kampfkraft.

Vielleicht verliert man ein wenig Mitgefühl für tötende Hunde, wenn man einmal aus nächster Nähe erlebt hat, wie ein sehr großer, sehr wütender Hund sein Opfer angreift und sich auch von vier erwachsenen Männern, die mit aller Kraft versuchen, ihn wegzuzerren, kein bisschen beeindrucken lässt. Vielleicht stimmt es auch, dass im Grunde alle Hunde herzensgute Wesen sind, die nur leider von Menschen böse gemacht wurden. Aber wenn ein solcher Hund sich einmal entscheidet, eher böse zu sein, dann interessiert es einen eher wenig, warum der Hund jetzt gerade böse ist.

Für mich ist der Hund in dem Moment eher wie eine Pistole, die sich selbstständig gemacht hat. Im Grunde ist er gefährlicher als eine Pistole, denn die braucht immerhin einen Idioten, der sie zum Amoklauf benutzt, während der Hund das im Alleingang erledigt. Doch schuld am tötenden Hund ist ja nie der Hund, sondern immer irgendein Mensch. Entweder der Halter oder der arme Teufel, der von ihm totgebissen wird.

Und wenn jetzt jemand sagt, dass auch Dackel mal zubeißen und man sie deswegen nicht gleich tötet, dann soll er sich mal überlegen, ob er lieber einen Dackel auf dem Spielplatz frei herumlaufen lassen würde oder einen Kampfhund. Viel Spaß beim Überlegen. Und nein, ich werde keine Einladung von Familien annehmen, die mir zeigen wollen, wie super sich ihr Pitbull mit ihrem Baby versteht. Sowas gibt's nämlich auch, diese Leute posten dann Fotos vom Kampfhund, der neben dem Baby im Bett liegt. Da fällt mir dann allerdings auch nichts mehr zu ein. (me)

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