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Eintagsfliege

Jim Knopf und die Inquisition

Am Samstag gastierte "Wetten, dass..." in Augsburg...

Am Samstag gastierte "Wetten, dass..." in Augsburg. Da wir uns, wenn uns so gar nichts einfällt, was für Augsburg steht, auf die Puppenkiste reduzieren (lassen), war es erwartbar, dass bei der Stadtwette irgendwas mit Jim Knopf und dem Lokomotivführer kommen würde. 25 Paare, verkleidet als Jim Knopf und dem Lokomotivführer. Das war die Wette. Der politisch korrekte Shitstorm kam schneller als man Eisenbahn sagen kann.

Es ging dabei um Jim Knopf. Jim Knopf hat dunkle Haut. Man könnte auch sagen schwarze Haut. Wenn ein Teil des Pärchens nicht dunkelhäutig war, musste er sich also schminken. Sonst sähe er nicht aus wie Jim Knopf. Was die Kritiker erregte: Im 19. Jahrhundert gab es in den USA Shows, in denen sich weiße Künstler das Gesicht schwarz schminkten und naive, trunkene schwachsinnige und fröhliche Neger spielten. An diese Art der Darstellung fühlten sich manche erinnert.

Der Einwand, dass die Figur des Jim Knopf eigentlich kein afrikanischer Sklave, sondern ein nüchternes und keineswegs schwachsinniges Findelkind ist, dass von einem der Heiligen drei Könige abstammt – er verhallte. Der eigentliche Grund für die ganze Diskussion ist aber ein anderer. Es gibt eine wortgewaltige Gruppe politisch und moralisch Empörter, die in einer etwas düstereren Epoche recht quirlige Mitglieder der Inquisition gewesen wären. Man kann diese Leute politisch-korrekt nennen. Diese Bezeichnung lässt den Anspruch der neuzeitlichen Inquisitoren erkennen die Meinungshoheit auszuüben. Es gibt korrekte Meinungen und unkorrekte Meinungen. Die Korrekten sind die Rechtgläubigen, die Unkorrekten sind die Ketzer. Dass die gegenwärtigen Inquisitoren mitunter mit Hingabe die Kirche kritisieren, ist nur auf den ersten Blick widersprüchlich.

Man erhebt sich über die vorgestrige moralische Institution und nimmt damit ihren Platz ein. Natürlich werden heute keine Ketzer mehr verbrannt, der Scheiterhaufen des 21. Jahrhunderts ist der öffentliche Pranger. Dort wird rituell und mit Leidenschaft jeder angeklagt, der in Verdacht gerät gegen das herrschsüchtige politisch-korrekte Dogma zu verstoßen.

Dabei machen die Inquisiteure der Gegenwart kaum einen Unterschied zwischen tatsächlichen Rassisten und Leuten, die irgendetwas tun, was man mittels haarspalterischster Auslegung als latent rassistisch sehen könnte. Dieser Glaubenseifer ist blind, selbstgerecht und beängstigend. Er ist deswegen beängstigend, weil hier eine sehr kleine Gruppe moralisierender Aktivisten eine unverhältnismäßig große Macht ausübt. Dafür ist jeder noch so läppische Anlass willkommen, notfalls muss eben Jim Knopf herhalten. Es geht den Inquisitoren der Gegenwart dabei wahrscheinlich sogar um ein Anliegen, das sie für edel und richtig halten, so wie ihre historischen Vorgänger auch. Dieses Selbstverständnis ist der beste Weg zum herrschsüchtigen Fanatismus der es ja nur gut mit uns meint. Wir müssen eben brav sein. Diesen anmaßenden Meinungsdiktatoren sei freundlichst zugerufen: Fickt euch! (me)

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