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Müller am Rassismuspranger
Eine südländische Frau, spärlich bekleidet, ein Stück Schokolade. Voilà! Mehr braucht man nicht, um einen Shitstorm zu provozieren.
Die Frau findet man auf der neuesten Flasche von Müllermilch und bei Twitter und Facebook ist die Empörung groß. Der Vorwurf: Die Darstellung der (angeblich dunkelhäutigen) Frau ist sexistisch und rassistisch. Kurz: Empörung - Entsetzen – Guillotine.
Man könnte jetzt sagen: Lasst die geifernden Tugendterroristen doch schimpfen, ignoriert sie. Aber das wäre faul und ein wenig feige wäre es auch. Denn bei der Sache mit den Rassismus- und Sexismusvorwürfen geht es, wie bei der ganzen politisch korrekten Bewegung, nur vordergründig um ehrliche moralische Empörung. Es geht um Macht. Es geht bei den wütenden Empörungsorgien darum, moralische Dominanz auszuüben.
Eine aufreizende Frau auf einer Schokomilchflasche? Sexismus! Dunkle Haut? Rassismus! Diese beiden Vorwürfe sind die Instrumente der Machtausübung. Es wäre allerdings ein Irrtum, wenn wir nun vermuteten, das Ziel wäre es, Müllermilch dazu zu bewegen, das Motiv aus dem Handel zu nehmen. Nein, das wäre nur das Mittel zum Zweck. Der Zweck ist ein anderer. Es geht einer winzigen, aber meinungsstarken Gruppe darum, in einer schrillen Mischung aus Wichtigtuerei und moralisierender Wut den Ton anzugeben.
Jedes Produkt, das nach einem solchen Shitstorm vom Markt genommen wird, jeder Prominente, der sich wegen einer unkorrekten Äußerung entschuldigen muss, ist ein kleiner Triumph der Tugendterroristen. Sie verfolgen dabei keine ökonomischen Interessen, noch nicht einmal direkt politische. Das tun sie so wenig wie ihre entfernten geistigen Verwandten, die religiösen Fanatiker, die jede Abweichung vom jeweiligen Gebot mit Hass verfolgen. Es ist eine eifernde, virtuelle Hexenjagd. Deswegen ist es richtig, wenn man ihr widerspricht. (me)






