Magazin
Mir kommen nicht die Tränen
Gerade wird Claus Kleber (ZDF-Heute) gefeiert, weil ihm die Tränen kamen. Er berichtete über einen Busfahrer, der Flüchtlinge freundlich mit einem "Welcome in Germany" begrüßt hatte. Diese freundliche Geste rührte Kleber "sichtlich", wie es dann immer im Mediensprech heißt.
Nun muss ich mich wohl als grober Klotz outen. Wahrscheinlich fehlt mir irgendwas an Gefühligkeit. Aber ich frage trotzdem mal: Wieso kommen einem die Tränen, wenn ein Busfahrer Flüchtlinge mit "Welcome in Germany" begrüßt? Ist das hier wirklich ein so hasserfülltes Land, dass man schon weinen muss, wenn ein Busfahrer freundlich zu Flüchtlingen ist? Tut mir Leid, aber das ist bizarr. Der Mann war einfach freundlich, so wie es Millionen Menschen jeden Tag sind - zu Flüchtlingen, Obdachlosen, Kranken, zu Menschen, die ein gutes Wort gebrauchen können, wozu wir eigentlich alle mal gehören.
Es ist natürlich wahr: Es gibt viel Hass auf Flüchtlinge und jede menschliche Geste für Schwache ist gut. Aber mir geht es um etwas anderes. Ich würde mir wünschen, dass man aus dem "heftig.de-Jargon" rauskommt. Diese Gefühligkeit und dieses scheinbar einzigartige Heldentum. Dieses tägliche Gieren nach Tränen. Das hat etwas Sensations-Gefühlsgeiles, das ich abstoßend finde. (me)






