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Eintagsfliege

Schönes Scheißhaus auch

Die öffentliche Toilette am Rathausplatz wurde für 400.000 Euro renoviert - danke, liebe Stadt!

Es gibt Räumlichkeiten, deren Bedeutung sträflich unterschätzt wird. Das Klo zum Beispiel. Wir verbringen jeden Tag Zeit darin und darauf, pflegen, hegen, waschen uns, nicht wenige Büchernarren weilen Stunden auf dem Klo mit guter Literatur. Es ist also keineswegs unwichtig, wie eine Toilette ausgestattet ist, man muss sich wohlwühlen.

Diese Erkenntnis hatten dankenswerterweise auch die Verantwortlichen Entscheider der Stadt Augsburg. Die öffentliche Toilette am Rathausplatz wurde renoviert und ist jetzt vergleichbar chic wie das WC in einem edlen Club oder einem 4+x-Sterne-Hotel. Dezente, hochwertige dunkelgraue Fliesen, die besten Kloschüsseln, elegante Waschbecken, angenehme Beleuchtung. Gut, der Boden ist sehr schwer sauber zu halten, sagt das Reinigungspersonal, weil die Fliesen die diversen Flüssigkeiten einsaugen, aber verbuchen wir das einfach mal unter: Wer schön sein will, muss leiden (bzw. stündlich mit dem Wischmopp drüber gehen).

Sehr schönes Scheißhaus also. Was nun manche kritisieren, ist der Preis. 400.000 Euro hat die Renovierung gekostet. Viel zu viel, wird jetzt geunkt. Gut, 400.000 Euro für eine Toilettenanlage, das hört sich nach viel an. Aber seien wir ehrlich: Wissen wir überhaupt, wie viel eine solche Anlage kosten darf und wann es Wucher ist? Man baut als Normalbürger einfach zu selten öffentliche Toiletten. Aber selbst wenn die 400.000 Wucher wären, rein hypothetisch, wäre es mir egal.

Ja, genau, es wäre mir egal. Denn man kann der Stadt immerhin nicht vorwerfen, dass sie nichts für die ganz breite Klogehermasse tun würde. Wir alle profitieren ja davon, dass wir am Rathausplatz (der vielbeschworenen guten Stube der Stadt) stilvoll aufs Klo gehen können. Das ist erhebend. Vielleicht nicht so erhebend wie der Besuch eines Kunstmuseums oder eines Konzerts, aber die sind wiederum viel schlechter besucht als das WC am Rathausplatz, das gleicht sich also in der Gesamtwohlfühlbilanz wieder aus.

Und dann die Touristen! Nein, die werden jetzt nicht unbedingt Fotos des Klos machen und daheim zeigen, aber sie werden Augsburg als die Stadt mit den schönsten öffentlichen Toiletten nördlich der Alpen unterbewusst abspeichern. Das wird dem Image der Stadt viel mehr bringen als die diversen Aktionen des Stadtmarketings, wahrscheinlich flossen die Mittel zum Bau ohnehin aus dem Topf der Öffentlichkeitsarbeit. Danke, liebe Stadt. (me)

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