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Scheinheilig oder nächstenliebend?
Oberbürgermeister Kurt Gribl hat eine Wettschuld eingelöst und bei der Augsburger Tafel Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Das ist einerseits lobenswert, andererseits denke ich mir bei sowas aber immer: Wenn regierende Politiker bei den Tafeln Lebensmittel verteilen, müssten sie sich eigentlich schämen. Denn den Menschen genug zum Essen zu beschaffen, ist eigentlich Aufgabe des Staates und jede Tafel ist das Eingeständnis, dass der Staat in dem Bereich versagt.
Jetzt könnte man einwenden, dass die Geste Gribls doch ehrenwert und gut ist und es Unsinn wäre, wenn er nicht bei der Tafel hilft. Das ist wahr. Wahr ist aber auch, dass Gribls Aktion der eben genannte Widerspruch innewohnt, der nicht durch eine humane Geste seinerseits gelöst wird. In einem funktionierenden Sozialstaat bräuchte es keine Tafeln. (me)






