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Eintagsfliege

Semmeln, Rinder, Wildschweine

Was wollen, was sollen und was dürfen die Rinder in der Wolfzahnau?

Es gibt Tage, wenige, aber es gibt sie. Da wünscht man sich als denkender Augsburger, dass die Stadt hoffentlich gerade jetzt von der Welt ignoriert wird. Tage, an denen die Stadt dem Publikum eines Zauberers aus Lärmtierschutzgruenden verbietet zu klatschen, wenn das weiße Kaninchen erscheint. Tage, an denen der örtliche Bischhof sich als etwas arg trink- und schlagfreudig erweist. Oder Tage wie die zurückliegenden, in denen Augsburg in den Augen auswärtiger Menschen ein etwas, sagen wir, dörfliches Bild abgibt.

Dabei ist die Sache mit der Wildschweinfamilie, die kürzlich durch die Stadt tobte und von der Polizei mit Kind und Kegel erschossen werden musste, eher ein Unfall. Sowas passiert den besten Metropolen. Wobei sich der Stil einer Stadt natürlich auch darin zeigt, wie sie mit den schwadronierenden Schweinen (diese Alliteration musste sein) umgeht. Und da kann es eigentlich nur eine statthafte Verhaltensweise geben: Man ignoriert sie einfach.

Das hätte man mit den Rindern in der Wolfzahnau besser auch getan. Nun hat es dem Gott der Inspiration in seinem unermesslichen Ratschluss aber gefallen, Siegfried Zagler für dieses Thema zu begeistern. Diese Frage muss man stellen dürfen. Sie angemessen zu verhandeln, erfordert allerdings nicht nur Sachkunde. Sie erfordert immerhin auch eine Art der freudigen Ernsthaftigkeit gegenüber den einfachen, vielleicht sogar banalen Dingen des Lebens, die einen guten und robusten Schreiber ausmacht.

Die Semmeltaste, oder der heftige politische Streit über dieses Symbolthema, spielt in einer ähnlichen Liga. Semmeltaste. Ein rhetorisch brillant gewählter Begriff, denn wer will schon gegen Semmeln opponieren?

Die Grünen. Zwar nicht direkt gegen die Semmel an sich, denn die wird im Zusammenhang mit der nur so genannten Semmeltaste ja leichthändig missbraucht. Es geht um den Verkehr. Es geht um Mobilität. Es geht um unsere Gesundheit. Wahrscheinlich auch um die Klimaerwärmung und die Zukunft unserer Kinder, die durch die populistische Semmeltaste gefährdet werden koennte, grundsätzlich und auf lange Sicht. Denn wozu, oh Autofahrer, fährst du denn mit deinem SUV in die Innenstadt und willst, der Semmel sei Dank, 30 Minuten für lau parken? Der Semmeln wegen? Wirklich?

Lassen wir das mal so stehen, vielleicht sollte man hier eine städtische Kommission gründen, die den Sachverhalt prüft. Zweifel an der Semmeltheorie müssen in einem demokratischen Gemeinwesen erlaubt sein, da haben die Grünen ganz Recht. Und irgendwo muss man die ganzen sehr qualifizierten, aber mandatslosen Politiker ja unterbringen, wenn im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse schon kein gut dotierter Platz mehr vorhanden ist.

Solange es außer uns in Augsburg niemand mitbekommt, ist alles gut. (me)

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