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Stadtbummel mit der Scharia-Polizei
Man stelle sich vor, in einer beliebigen deutschen Großstadt würden radikale Katholiken auf die Idee kommen, eine Inquisition zu errichten. Sie würden also durch die Stadt flanieren, eine Uniform mit einem einprägsamen Symbol tragen (Scheiterhaufen vielleicht) und nach guter, mittelalterlicher Sitte Recht sprechen.
Aber die Katholiken nehmen im Grunde ja nur noch Leute aus dem linksalternativen Milieu als Macht, gegen die es zu revoltieren gilt, ernst. Vielleicht gäbe es auch die berühmten Aufschreie des Entsetzens, die vertrauten Wellen der Empörung, oder auch die liebgewonnenen Stürme der Entrüstung. (Ich spare mir den Vergleich mit einer Truppe, die sich SA-Armbinden anlegen und vom Kauf jüdischer Produkte dringend abraten würde.)
Wahrscheinlich würde die eine Hälfte des Publikums die Inquisitoren einfach verlachen und die andere routiniert mutig gegen die katholische Herrschaft demonstrieren.
Nun trug es sich aber in Wuppertal zu, dass mehrere junge Männer als "Scharia-Polizei" durch die Stadt patrouillierten, um Gläubige und solche, die es noch werden wollen (oder eben gerade nicht), auf den rechten Weg der Scharia, des strengen islamischen Rechts, zu leiten. Man kann darüber lachen, oder sich darüber empören, dass hier eine Art Parallelpolizei Recht setzen will.
Ich musste anfangs auch schmunzeln, weil ich es grotesk fand, vielleicht stellt es sich auch noch als ein Gag raus. Aber ein paar nachdenkliche Freunde machten dann auch mich nachdenklich. Ein Argument war, dass in vielen islamischen Ländern Moslems, Christen und Atheisten von fanatischen Islamisten drangsaliert werden und man deswegen den Anfängen wehren müsse.
Nun glaube ich nicht, dass in Deutschland eine Machtergreifung der Islamisten bevorsteht, dafür ist der realexistierende Islamismus zu unattraktiv. Wahr ist aber, dass die islamistischen Extremisten für eine faschistoide Ideologie im Gewand einer Religion stehen, deren Inhalte man bei Rechtsextremisten zutiefst und zu Recht verachten würde. Wahr ist auch, dass die islamische Welt noch einen langen und schmerzhaften Weg vor sich hat, der bestenfalls irgendwann, in einer Art Aufklärung enden wird.
Bis dahin werden allerdings noch viele Menschen unter begeisterten Allahu-Akbar-Rufen verfolgt, misshandelt und ermordet werden. Angst haben muss man vor der "Scharia-Polizei" freilich auch nicht, denn das Religionsbild, für das die Jungs in Grün stehen, dürfte bei den meisten klar denkenden Leuten nicht viel beliebter als Hämorriden sein. (me)






