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Eintagsfliege

Ufos und das ewige Leben

Die Kirche zittert: 56 Prozent der Deutschen glauben an Außerirdische, an Jesus & Co nicht mal ein Drittel....

Neulich im Fuldaer Dom. Der Kölner Kardinal Woelki verkündete seinen Kardinals- und Bischofskollegen die Ergebnise einer Umfrage, die ihn sehr, sehr nachdenklich, ja traurig machte: Angeblich glauben 56 Prozent der Deutschen an intelligentes außerirdisches Leben, das möglicherweise Kontakt zu uns aufnehmen kann. An die Auferstehung Christi und das ewige Leben glauben dagegen nicht mal ein Drittel. Die Menschen in Deutschland rechnen folglich viel eher damit, einem Ufo zu begegnen, als irgendwann vor dem Jüngsten Gericht zu stehen.

Der Kardinal folgerte daraus schlüssig, dass sich die (christlichen) Gläubigen in der Minderheit befinden. Was sagt das über uns aus? Sind wir wirklich gottlose Heiden, die lieber an Ufos statt an Gott glauben? Ganz so einfach ist es nicht. Denn wer sagt denn, dass sich Gott und Außerirdisches Leben ausschließen? Der Kardinal macht eine ziemlich raffinierte Rechnung auf.

Er stellt einer langen religiösen Tradition, den Glauben an Gott, einen vermeintlich irrationalen Glauben an Ufos gegenüber. Der Vergleich ist im Kern allerdings falsch. Das eine ist eine religiöse Vorstellung, die wissenschaftlich und praktisch bislang nicht belegt werden konnte, das andere ist eine wissenschaftliche These, die bislang zwar auch nicht bewiesen werden konnte, die aber theoretisch nicht unmöglich ist. Es kann durchaus sein, dass im hintersten Spiralnebel des Universums eine intelligente Lebensform herumgurkt, von der wir nie etwas hören werden, das hat aber nichts mit Spiritualität zu tun, anders als der Glaube.

Der Kern der Besorgnis des Kardinals verrät aber etwas ganz anderes. Die Kirche hat irgendwann das Monopol der religiösen Wahrheit verloren. Seit Ewigkeiten glaubten die Menschen, was die Kirche ihnen über Gott und das Leben nach dem Tod sagte, sie glaubten und hofften inständig, aber sehr lange wurde all das nicht kritisch hinterfragt, zumindest nicht öffentlich.

Irgendwann auf dem langen Weg der Zivilisation hat die Kirche ihr Wahrheitsmonopol verloren. Viele Menschen würden gerne glauben, aber sie zweifeln. Die Klage des Kardinals zeigt, dass die Kirche sich fremd fühlt, dass sie nicht mehr den gesellschaftlichen Mainstream bestimmt und die Menschen spirituell oft nicht mehr erreicht. Daran sind allerdings nicht die Ufos schuld. (me)

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