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Unheimlich – singende Frauen in der Stadt!
Es ist immer wieder schön, die örtliche Tageszeitung zu lesen, ach, was heißt zu lesen, sie zu genießen. Das ist ja immer so eine heikle Sache, wenn man die Konkurrenz lobt. Das mit der Konkurrenz ist aber schon ein kleiner medieninterner Fauxpas. Weil man ja gar keine Konkurrenz ist. Der Herausgeber einer örtlichen Kulturzeitung meinte mal großzügig zu mir: "Aaaachwas! Kon-kur-renz! Wir sind doch keine Konkurrenten, wir sind doch alle Kollegen."
Das ist natürlich nicht ganz wahr. Denn alle fischen im selben Tümpel nach denselben Fischen, aber Kollege hört sich sehr gut an, deswegen ist es die allgemein akzeptierte Sprachregelung. Auch wenn man sich das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnen würde, was man aber natürlich immer und überall tut. Hier muss ich unbedingt eine kleine Anekdote einfügen.
Als ich einmal den Spiegel-Redakteur Matthias Matussek in der Stadtbücherei fotografierte, stellte sich plötzlich der inzwischen geschasste AZ-Chefredakteur (Markus Günther) direkt neben mich und ließ sich dabei nicht von meiner Tätigkeit stören. Ich sagte daraufhin zu Matussek: "Das ist der Kollege von der AZ!" Das hat Günther aber gar nicht behagt, denn Kollege war man in seinen Augen wohl erst ab einer gewissen Stufe. Später sprach er mich dann pikiert von der Seite an: "Sie haben mich vorhin so wohlwollend als Koleeeegeeen bezeichnet, von wo sind Sie denn, dass Sie mich so nennen?" Ich sagte es ihm. Er (abschätzig): "Neue Szene.... so, so..."
Kollege ist also ein sehr relativer Begriff. Und doch muss ich ein Lob aussprechen, denn ein aufrüttelnder Artikel, erschienen just in besagter lokaler Tageszeitung. Es ging um diese schlimme Bedrohung der Stadt, die vom Ordnungsreferenten dankenswerterweise auf- und angegriffen wurde: die Straßenmusiker. Zum Glück, so der Artikel, konnte diese Gefahr für Ohr und Seele inzwischen eingedämmt werden. Aber, und hier konnte ich ein Lachen gerade noch so verkneifen, aber es droht schon neues Ungemach denn: "In den vergangenen Tagen sind – nach Wochen der Ruhe – wieder mehrere singende Frauen in der Stadt aufgetaucht...". Das klingt allerdings dramatisch und man kann nur hoffen, dass der Ordnungsreferent, sekundiert von den Kollegen, die kommenden Wochen der Unruhe und der singenden Frauen irgendwie meistern wird. (me)






