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Warten auf die Schnellklingler vom Dienst
Immer wieder hört man Schauergeschichten über Paketzusteller. Die schlimmsten Paketzusteller sind allerdings nicht die unhöflichen, sondern die, die man nie zu Gesicht bekommt. Es scheint tatsächlich der Ehrgeiz vieler Paketausfahrer zu sein, an einer Haustür zu klingeln, dann möglichst schnell mit dem Paket in Richtung Lieferwagen zu rennen und um die nächste Ecke zu rasen. Wahrscheinlich lernt man das bereits in der Paketzustellerausbildung und es werden regelrechte Wettkämpfe veranstaltet, wer der schnellste Nichtzustellklingler ist. Ein idealer Job für Leute die, wie ich, in der Kindheit gerne Klingelputzen spielten.
Natürlich versteckt sich hinter diesem Phänomen eine traurige Wahrheit. Nennen wir sie: Terror der Ökonomie. Die Transportunternehmer stehen im harten Wettbewerb miteinander. Die Firmen geben ihre Aufträge in der Regel an den billigsten Anbieter. Der muss, um der billigste zu sein, bei den Fahrern sparen. Am besten kann er das, wenn er sie als Subunternehmer anstellt. Sie gelten also als Selbstständige, die beispielsweise von GLS oder DHL, einen Auftrag erhalten so und so viele Pakete auszuliefern. Wenn die Ausfahrer aber bei jedem Paket warten, oder in den fünften Stock fahren, verlieren sie Zeit und damit Geld, deswegen deklarieren sie das Paket lieber als unzustellbar.
Bin ich als Kunde also selbst schuld an der Unzuverlässigkeit der Zusteller? Beute ich sie vielleicht sogar indirekt mit aus, indem ich bei Amazon etc. bestelle und Geiz geil finde? Ich sage: Nein. Auch wenn es gerade in ist, von verantwortungsvollem Konsum und einer Demokratiebewegung der Käufer zu reden. Es gibt zwar einzelne verantwortungsvolle Konsumenten, aber noch keine ausreichend starke Bewegung, die ausbeuterischen Konzernen soziale Regeln diktieren kann.
Wer auf den Staat wartet, oder gar auf die Einsicht der Wirtschaft, dass den Menschen schlechter Service und Ausbeutung nicht mehr zuzumuten sei, der wird sehr, sehr lange warten müssen. Man kann, neben starken Gewerkschaften, eigentlich nur auf Firmen wie Manomama hoffen, die ihre soziale Ausrichtung zum Markenzeichen macht und viele Kunden gewinnt, die bereit sind, für guten Service und faire Löhne mehr zu bezahlen. (me)






