„Wir versuchen jetzt das Beste aus der Situation zu machen“

Auch unser Augsburger Lieblings-Festival ist von der coronabedingten Absage-Welle nicht verschont geblieben. Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Modular, was passiert mit bereits gekauften Tickets, und womit können sich die Fans über die Absage hinwegtrösten? Wir haben bei Festivalleiter Patrick Jung nachgefragt.

Du hast jetzt ein ganzes Jahr auf dieses Juni-Wochenende hingefiebert und -gearbeitet. Wie groß ist deine Enttäuschung über die Absage?
Natürlich ist die Enttäuschung groß. Wir haben letzten Sommer mit den Vorbereitungen gestartet und es ist auf jeden Fall nicht einfach, wenn eine Veranstaltung nur acht Wochen vor der Umsetzung untersagt wird. Die ersten Wochen waren da schon ziemlich gemischte Gefühle, man wollte das Ganze noch nicht wirklich wahrhaben und hat innerlich doch noch so ein bisschen gehofft. Mittlerweile versuchen wir einfach, das Beste aus der Situation zu machen und auch Chancen und positive Dinge daraus zu ziehen.

Wie haben denn die gebuchten Bands und Künstler auf die Absage reagiert?
Denen geht es ähnlich wie uns Veranstaltenden. Viele der Künstler hätten diesen Sommer einen voll gebuchten Terminkalender gehabt, der jetzt in dieser Form nicht stattfinden kann. Wir hatten uns alle zusammen auf einen tollen Festival-Sommer mit ganz viel Musik und gutem Wetter gefreut. Das wird es heuer zum ersten Mal nicht so geben wie man das die letzten Jahre kannte. Das ist natürlich extrem schade für die Künstler und für uns alle.

Du hattest wohl den schwierigsten Start, den man als frischgebackener Festivalleiter haben kann. Erst musst du nach den Verlusten von 2019 auf Sparkurs gehen und schließlich fällt das ganze Festival Corona zum Opfer. Kommt da Resignation auf oder versuchst du einfach, nächstes Jahr dann umso besser abzuliefern?
Ich finde, wir waren da das letzte dreiviertel Jahr auf einem sehr guten Weg und waren voller Vorfreude, unsere Pläne dann auch in die Tat umzusetzen. Es gibt mit Sicherheit schönere Startbedingungen als Festivalleiter, aber das heißt jetzt nicht, dass man den Kopf in den Sand stecken sollte. Ich hoffe natürlich, dass der Open-Air-Sommer 2021 wieder in gewohnten Bahnen verläuft, auch wenn das Ganze zum jetzigen Zeitpunkt nicht in unserer Macht steht. Wir haben die letzten Wochen auch sehr intensiv an Ideen gearbeitet, wie wir dem Gast jetzt trotzdem noch etwas vom Modular-Flair mitgeben können.

Es gibt also ein kleines Trostpflaster für alle Modular-Fans?
Genau, unsere „Modular Danke Box“ mit verschiedenen Festivalartikeln, die für das entfallene Modular 2020 designt wurden, wie zum Beispiel ein Festivalbändchen, ein Mehrwegbecher, Modular-Socken und mehr. Wer sein bereits gekauftes Ticket in eine Spende für das Festival umwandeln möchte, bekommt als Dankeschön dafür die Box, mit der wir als Festival-Organisations-Team den Augsburgerinnen und Augsburgern ein Stück Modular-Feeling mit nach Hause geben möchten. Das Modular hat ja all die Jahre nie so leichte Zeiten gehabt und deshalb finde ich es gerade jetzt wichtig, dass man mal Danke sagt an die ganzen treuen Seelen in der Stadt, die dem Festival die Stange halten.

Sind abgesehen davon in nächster Zeit noch weitere Aktionen in Planung?
Da sind wir gerade an der ein oder anderen Sache dran. Mit Sicherheit wird es diesen Sommer noch das ein oder andere kleine Projekt vom Modular geben, vielleicht auch auf dem Gaswerk. Genaueres kann ich leider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten.

Wir sind auf jeden Fall gespannt! Kommen wir mal zu den organisatorischen Dingen: Welche Möglichkeiten habe ich denn, wenn ich bereits ein Modular-Ticket für 2020 gekauft habe?
Jeder Gast hat selbstverständlich das Recht, sein Ticket schnellstmöglich rückerstattet zu bekommen. Ein großer Teil unserer Zielgruppe sind ja auch Studenten und junge Menschen, die vielleicht nicht den dicksten Geldbeutel haben. Wer sein Festivalticket vor Ort bei den Stadtwerken oder der Bäckerei Wolf gekauft hat, wendet sich einfach per Mail an info@modular-festival.de, daraufhin melden wir uns mit dem weiteren Vorgehen. Diejenigen, die ihr Ticket online bei Eventim gekauft haben, werden in den nächsten Tagen zur Rückerstattung von Eventim kontaktiert. Wer das Modular unterstützen möchte und sich gerne ein Stück Festival-Sommer nach Hause holen will, hat unabhängig davon, wo er seine Karte gekauft hat die Möglichkeit, sich an uns zu wenden und bekommt für den Ticketpreis eine Modular Danke Box zugesandt.

Und wie kann man das Festival am besten unterstützen, wenn man noch kein Ticket gekauft hat?
Das ist gar kein Problem! Wer noch kein Ticket hat, kann sich einfach über den Shop vom Boxboten eine Modular-Danke-Box bestellen, die dann ab Juni über Boxbote ausgeliefert wird.

Schauen wir mal in die hoffentlich nicht allzu ferne Zukunft: Worauf kann sich Augsburg beim nächsten Modular freuen?
Für die Programmplanung ist es jetzt im Moment noch zu früh. Ich denke es bringt nichts, sich über ein Jahr vor einem möglichen Festival 2021 schon auf etwas zu fixieren, wenn man die Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen noch gar nicht abschätzen kann. Leider muss man da, so blöd es klingt, erst mal auf Sicht fahren. Momentan konzentrieren wir uns erstmal ganz stark auf die Rückabwicklung und hoffen darauf, dass wir in wenigen Wochen erfahren werden, wie es in Zukunft mit Veranstaltungen weiter gehen soll. Da bedarf es auch einfach Ansagen der Landespolitik.

Was würdest du dir denn für das nächste Modular wünschen?
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann natürlich, dass es möglichst schnell einen Impfstoff beziehungsweise eine geeignete Lösung zum Thema Corona gibt, sodass alle in unserer Branche, egal ob Veranstalter, Bands oder Gastronomie, bald wieder zu einem geregelten Alltag übergehen können. Ich würde mir wünschen, dass wir alle schnell die nötige Planungssicherheit bekommen, um gesund nach vorne schreiten zu können.

Das wollen wir hoffen. Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie ergeht es dir so im Social-Distancing-Alltag?
Das ist schon echt eine schwierige Zeit. Als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann und Musik-Nerd gehe ich normalerweise in meiner Freizeit viel auf Konzerte um neue Musik kennenzulernen. Dieser Leidenschaft kann ich natürlich gerade nicht nachgehen. Meine Sportgruppe liegt zurzeit leider auch flach. Zum Glück konnten wir im Modular-Team die letzten Wochen sehr intensiv an der Rückabwicklung arbeiten, dadurch blieb mir gar nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken, wie ich meine Freizeit so verbringen soll (lacht). Die Abende, an denen ich sonst mit Freunden zusammensitze, vertreibe ich mir jetzt mit Podcasts wie „Fest & Flauschig“. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, irgendwann wieder zu erleben, wie ganz viele Menschen zusammen feiern und eine gute Zeit haben.

(lina)

Bild: Chris Menkel

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