Magazin

Kultur

1000 Meisterwerke

Ist das noch Kunst, oder schon Moral? Nicht, dass das ein Gegensatz wäre, aber manchmal sind die Grenzen einfach furchtbar fließend...

Eine hellgraue Mauer, dahinter ein gelbes Haus, auf der Mauer grüne Farbe in Form einer Frage und einer Behauptung. Dass Kunst nerven kann, wird hier giftgrün bewiesen. Was nervt? Na, die rhetorische Frage, wann unser Mitleid gestorben sei! Rhetorische Fragen sind eine Beleidigung, sie manipulieren uns, sie wollen keine Antwort, sie wollen uns in eine Richtung lenken. Aber schauen wir uns die Frage doch genauer an.

Wann ist euer Mitleid gestorben?

Diese Frage behauptet dreiste Dinge über uns. Ja, über uns, wieso nicht uns? Ach so, gut, natürlich nur über uns Nicht-Veganer, aber dazu später mehr. Die krasseste Behauptung ist, dass wir einmal Mitleid hatten, dieses aber zwischenzeitlich gestorben ist. Wann, weiß man nicht, vielleicht auf dem Weg zur Wursttheke. Jedenfalls sind wir demnach im Moment mitleidlos. Was für sich genommen schon eine recht mitleidlose Bemerkung über einen Menschen wäre, so mitleidlos, dass man sie geschickt in eine Frage hüllt. Der Satz darunter (Fällt Ihnen, lieber Leser, eigentlich auf, wie akkurat die Sätze hingesprayt sind? Wahrscheinlich hat es eine Deutschlehrerin geschrieben...), also der Satz darunter ist dann allerdings das Maximum an tugendterroristischer Anmaßung:

Veganismus ist Liebe!

Wieso ist der Satz denn tugendterroristisch, lieber, blöder Professore? Mögen jetzt manche quaken! Ganz einfach. Er ist es deswegen, weil er ja nichts anderes sagt, als, dass nur Menschen, die kein Fleisch, keinen Käse, keine Eier essen und keine Milch trinken, dass nur diese Menschen auf dem Pfad der Liebe spazieren. Wenn Veganismus Liebe ist, meine lieben Veganer, was ist dann eigentlich Vegetarismus? So eine Art lauwarme Freundschaft mit Mutter Erde? Und was ist, ich wage es kaum zu sagen, was ist dann Fleischesserei? Hass etwa, oder vielleicht nur selbstsüchtige Ignoranz? Ich würde meine Katze auch niemals essen, außer vielleicht wenn wir zusammen als Schiffbrüchige ohne Proviant auf einem kleinen Floß Richtung Osterinseln treiben. Nein, furchtbare Vorstellung! Mit meiner Katze habe ich schon Mitleid, aber ich esse Schweineschnitzel, gerne auch ein Steak, wenn es gut ist. Bin ich deswegen mitleidlos, bin ich dadurch liebesunfähig? Meine Katze kann man nicht fragen, sie ist selbst völlig frei von Mitleid, aber sie ist auch kein normaler Mensch.

Und als Mensch kränkt und trifft mich die Feststellung, ich sei mitleidlos, weil ich Tiere esse. Es ist ja nicht so, dass ich jeden Morgen erst mal einem Huhn den Kopf abbeiße und dann die Eier stehle. Das wäre wirklich widerlich und auch dumm, denn ein totes Huhn legt keine Eier. Aber worauf ich eigentlich hinaus will: Wieso dieser Tugendterror? Bei aller Sympathie für Huhn und Schwein und Rind und Lamm – es gibt auch lieblose Veganer und wahrscheinlich sogar lieblose Vegetarier. Wir müssen nur nach Indien schauen, da essen die allermeisten Menschen keine Tiere und gleichzeitig gelten Frauen dort oft weniger als ein Hund. Das heißt natürlich nicht, dass indische Vegetarier und Veganer ohne Liebe sind. Aber wenn man schon mit Begriffen wie Mitleid und Liebe hantiert, dann sollte man, glaube ich, ein wenig davon für Menschen reservieren, auch für Fleischesser.

Foto: sm-photography

Weitere Kultur
Bild
Ruede Hagelstein
Kultur
Lesung mit Ruede Hagelstein am 12.06. in der Schöne Felder Villa
Bild
Gustl Mair, Klaus Weigele
Kultur
Amphi“theater“ am Steg - Oberhausen-Hettenbach, Kreuzung Schöppler-/Seitzstraße
Bild
Ruede Hagelstein
Kultur
Lesung mit Ruede Hagelstein und Lange Kunstnacht im Juni im Atelierhaus
Tagestipps
Bild
kleiner-goldener-saal-01-zoom.jpg
SONNTAG
14
T A G
E S T
I P P
Mi. 17.06.
Do. 18.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus
Fr. 19.06.
Klassik
Rokokosaal der Regierung von Schwaben
Fr. 19.06.
Konzert
Brunnenhof im Zeughaus