Auf dem Sprungbrett

Das alte Fußballproblem: Kaum hat man als kleiner Club mal einen guten Fang gemacht, kommen die großen Fische und wedeln mit den Meerjungfrauen. Das Theater Augsburg ist Aderlässe gewohnt und weiß die personellen Verluste durchaus als Plus fürs Renommee einzuordnen, immer wieder ist vom "Sprungbrett Augsburg" die Rede.

Die jüngste Trennung allerdings ist nur schwer zu verschmerzen: Generalmusikdirektor Dirk Kaftan hat einen Ruf von der Oper Graz erhalten, dem "zweiten Haus in Österreich", wie der sichtlich bewegte 41jährige auf der Pressekonferenz am Freitag sagte. Diesem Angebot - "ohne einen Takt vordirigieren zu müssen" (Kaftan) - kann er nicht widerstehen. Die Grazer wissen indes, was sie an ihrem neuen Chefdirigenten haben werden, Kaftan arbeitete bereits von 2006 bis 2009 in der zweitgrößten Stadt Österreichs.

Theaterleitung und Stadtspitze zeigen Verständnis: "Das Angebot kann er nicht ablehnen", sagte Intendantin Juliane Votteler. Und Kulturreferent Peter Grab ergänzte: "Diesem Karrieresprung wollen wir nicht im Weg stehen."

Es soll ein gleitender Übergang werden, in der kommenden Spielzeit bleibt alles beim Alten, Kaftan wird zwei Produktionen in Graz und zwei in Augsburg leiten. Die rund 450 Kilometer zwischen den beiden Städten könnten bis zu zwei Jahre lang Kaftans Haus- und Hofstrecke werden, erst 2015 will er ganz in die Steiermark wechseln, ein Jahr vor seinem regulären Vertragsende in Augsburg. Es könnt aber auch schneller gehen, der GMD will sich aktiv an der Suche nach einem Nachfolger beteiligen. Als Zuckerl für die Daheimgebliebenen denken Kaftan und Votteler bereits über Kooperationen mit der Oper in Graz nach.

Dirk Kaftan begann sein Engagement in Augsburg 2009 und hat laut Intendantin Votteler für einen Anstieg der Konzertauslastung gesorgt. Die Augsburger Musikfreunde kennen ihn als unermüdlichen und engagierten Generalmusikdirektor, der sogar im Mai 2012 während einer Opernpremiere am Dirigentenpult einen Schwächeanfall erlitt.

Foto: Dirk Kaftan, Juliane Votteler, Peter Grab (v.l.)

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