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"Den Mut mit nach Hause nehmen"

Das Rahmenprogramm zum diesjährigen Friedensfest steht unter dem Motto "Mut" - und ist schon beim Lesen nichts für Weicheier...

Ob die Installation am Rathausplatz klappt, ist noch nicht sicher, aber das Rahmenprogramm zum diesjährigen Friedensfest ist auf jeden Fall ein Highlight.

Das Rahmenprogramm zum Friedensfest fristet leider noch ein Schattendasein im Augsburger Eventkalender, obwohl es auch schon ins zehnte Jahr geht und von Timo Köster ab 2009 als herausragender mehrwöchiger Veranstaltungsreigen etabliert wurde. Seine Nachfolgerin Christiane Lembert-Dobler ist seit Mai 2015 Leiterin des Friedensbüros und hat mit ihrem Team für das aktuelle Programm ein Motto gefunden, das wie kaum ein anderes in unsere Zeit passt: Mut.

"Wir wollen den Begriff nicht der AfD oder der Pegida überlassen, die ja auch mit Slogans wie 'Mut zur Wahrheit' operieren", so Lembert-Dobler, die zur Programmvorstellung ins Turmzimmer des Rathauses geladen hatte. Dass Mut auch negativ konnotiert sein kann – Stichwort Selbstmordattentäter – ist den Organisatoren dabei durchaus bewusst.

"Wir verstehen das Programm als eine Mischung aus Kunst und Aktion im Alltag der Stadt", heißt es im – diesmal als handliches Hosentaschenformat erschienenen – Programmheft. "Mut ist angewiesen auf das Individuum und darauf, dass dessen Einsatz von Gewicht ist", schreibt darin der Autor Thomas Palzer, der zur Eröffnung am 14. Juli nach Augsburg kommt. Ein Aspekt, den auch Kulturamtsleiterin Elke Seidel betonte. Nach dem fast schon menetekelhaften Motto "Grenzen" im vergangenen Jahr sei sie froh, dass nun der einzelne Mensch in den Fokus rücke.

Taubenschlag - Mutladen - Kleine Friedenstafel

Mut beweist das Friedensfest auf jeden Fall schon mal bei den Örtlichkeiten: Am Moritzplatz soll die Festivalzentrale, der "Taubenschlag", ab 08. Juli vier Wochen lang auch Möglichkeit geben, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Lembert-Dobler nannte als Beispiel den Amoklauf in Orlando. Das Zelt für etwa 40 Personen, die Bühne und der "Mutladen" werden u.a. gestaltet von Augsburger Gruppen wie Green Belt, Bluespots Productions, City Club und Theter-Kollektiv. "Wir wollen nicht nur tolle Highlights bieten, sondern auch was bewegen", so die Friedensbüroleiterin, "man soll den Mut mit nach Hause nehmen können." Eine weitere Neuerung ist auch die "Kleine Friedenstafel" am Helmut-Haller-Platz in Oberhausen.

Die 60 Veranstaltungen mit 80 Kooperationspartnern sind – sehr vereinfacht ausgedrückt – eine gut dreiwöchige Kunstnacht mit Anfassen und Angefasstwerden. Allein sechs Ausstellungen finden statt, etliche Vorträge und Diskussionen, Theaterstücke, Führungen, Workshops und natürlich Konzerte.

Stargäste sind die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özuğuz, die Grünen-Mitgründerin Jutta Ditfurth, der ehemalige US-Soldat und Irakkriegverweigerer André Shepherd, der Autor Björn Bicker ("Was glaubt ihr denn") oder der "Arzt ohne Grenzen" Jonas König. Die knapp 40 Veranstaltungsorte reichen von Annahof bis Zoo und umfassen auch unerwartete Locations wie das Jobcenter, das St.-Vinzenz-Hospiz in Hochzoll oder die Geschäftsstelle des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes.

Und weil man den Mut auch sehen soll, plant das Friedensbüro die Installation der drei Großbuchstaben auf einem Hausdach am Rathausplatz (Foto oben) sowie eine Abseilaktion in der Innenstadt: "Das Rathaus haben wir leider nicht bekommen", berichtete Christiane Lembert-Dobler. Für das diesjährige "Mural" hätten sich bereits 15 interessierte Gebäudebesitzer gemeldet.

Die Eröffnung am 14.07. im Goldenen Saal wird moderiert von Michel Abdollahi, in Augsburg bestens bekannt durchs Brechtfestival, und begleitet von der inklusiven Dance-Company "Ich bin okay" aus Wien sowie der Band Adirjam aus Berlin, die das Vice-Magazin als "queer kurdish art rock" beschrieb.

Nicht ohne meine Klassiker

Und apropos Musik: Natürlich findet auch das zweitägige Festival der Kulturen wieder statt. Am 29. und 30.07. spielen im Annahof und im benachbarten Dekanatsgarten u.a. Julius Orlando & The Heliocentrics aus Nigeria, der Tourag-Wüstenrocker Bombino, die Münchner HipHopperin Ebow, das Pariser Haidouti Orkestar und Laboratorium Piesni aus Polen. Aus Augsburg sind das Harrycane Orchestra, Stacia, Boothill Society, Sarah Hieber & Fred Brunner, Sefer sowie Ala & Yasar mit von der Partie.

Nicht zu vergessen natürlich Klassiker wie das Kinderfriedensfest in Botanischem Garten und Zoo, die große Friedenstafel auf dem Rathausplatz und das Festkonzert in der St.-Anna-Kirche am eigentlichen Friedensfesttag, dem 08. August.

Das komplette Programm findet ihr hier.
(flo)

Fotomontage: Boris Maximowitz

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