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Der mit dem Bild tanzt
Großer Bahnhof im Theater Augsburg: Die erste Ballettpremiere der aktuellen Spielzeit hatte sich gleich mal einen denkbar saftigen Klassiker ausgesucht. Das getanzte "Bildnis des Dorian Gray" nach Oscar Wildes berühmten (und einzigen) Roman ist ein opulenter Abend, bei dem sogar die Kulissen tanzen – vom Fabrikloft bis in den Wald inklusive Jagdgesellschaft.
Toomas Täht aus dem Schauspielensemble gibt als Lord Henry den Mephisto-Erzähler und dirigiert seinen etwas blassen Dorian durch die zurzeit so angesagte 20er-Jahre-Welt eines "Great Gatsby" in London. Hier geht's gewohnt dekadent zur Sache und Dorians erstes Opfer, die Schauspielerin Sibyl Vane, nimmt konsequenterweise nach ihrem Selbstmord gretchenartige Züge an. Die Inszenierung glänzt dabei immer wieder mit schönen Einfällen – allen voran die doppelt gespielte Theater-im-Theater-Szene aus "Romeo und Julia", die der Zuschauer aus zwei Perspektiven serviert bekommt.
Choreographie und Inszenierung stammen von dem US-Amerikaner Michael Pink, den musikalischen Score lieferte der Neuburger Komponist Tobias PM Schneid, der im Fin-de-Siècle-Orchester anhaltend brodelnde Unruhe mit regelmäßig wiederkehrenden Momenten der "alten Ordnung" und Walzersentimentalitäten korrespondieren lässt. Am Dirigentenpult der präzisen Augsburger Philharmoniker stand der erste Kapellmeister Roland Techet.
Die Message ist natürlich längst gelesen, dass "The Picture Of Dorian Gray" in unserer egomanischen Welt immer noch aktuell ist (nur leider der heutige Hedonismus bei weitem nicht mehr so stilvoll), wird beinahe schon reflexartig auch im Umfeld der Augsburger Inszenierung betont, zum Glück nicht auf der Bühne. Wobei ein bisschen mehr Wildheit sicher nicht geschadet hätte, bei aller Wilde-Seligkeit dreht sich dieses Ballettspektakel, wie sein Protagonist, hauptsächlich um sich selbst. Das macht es aber sehr schön. (flo)
Fotos: Nik Schölzel






