Magazin

Kultur

"Die größte Kraft des Theaters..."

...ist bestimmt nicht der Blick unter den Rock: Am Samstag feierte "Wir lieben und wissen nichts" Premiere auf der Brechtbühne...

Manchmal ist es ein gutes Zeichen, wenn man nach der Premiere noch nicht exakt die Frage beantworten kann, wie man denn nun die Aufführung gefunden hat. Manchmal auch nicht. Nach "Wir lieben und wissen nichts" von Moritz Rinke auf der Brechtbühne, der ersten Inszenierung der neuen Co-Chefin des Augsburger Schauspiels, Maria Viktoria Linke, gewannen eher die Schattenseiten an Bedeutung.

Für Verwunderung sorgte schon die Auswahl des Stücks: Rinkes Pärchenclash mit Anfassen wird zurzeit in Deutschland gespielt wie nix Gutes, insofern passt die Bezeichnung "Gassenhauer" ganz gut, denn subtil kann man die Inszenierung sicher nicht nennen. Es ist schon häufig angemerkt worden, dass das Theater heutzutage gerne Ausdruck oder Intensität mit Lautstärke verwechselt, letztere bevorzugt erzeugt mittels Zaunpfählen. Da resigniert man als Betrachter fast schon, wenn die gepeinigten Wahlverwandtschaften mal wieder auf schräger Bühne vor sich hin metzeln und reichlich Unterrockperspektiven bieten, während Text und Atmosphäre die (Blut-)Grätsche machen. Und am Schluss sind Schauspieler und Publikum gleichermaßen außer Atem, ohne die Startlinie erkennbar verlassen zu haben. Lustigerweise haben manche Kritiker Rinkes Text sogar eine gewisse "Tschechow-Melancholie" attestiert, was (nicht nur) in Augsburg über weite Strecken mit Füßen getreten wird – wenn auch mit tollen Schuhen.

Dass die Augsburger Dramatisierung der Beziehungsvarianten des Homo Digitalis nur ansatzweise gelingt, ist doppelt so schade, weil mit dem Ensemble viel mehr drin gewesen wäre: Lea Sophie Salfeld ist eh ne Bank, an der sich Alexander Darkow wunderbar anlehnen kann, und die beiden Neuen, Kai Meyer und Jessica Higgins, sind echte Bereicherungen für die hiesige Kompanie. Und auch wenn Moritz Rinke mehr oder minder im Altbekannten fischt: Die Viererkonstellation ist nicht umsonst so gern genommen und der Text hat natürlich auch seine Stärken - die leider zu wenig herausgearbeitet werden. Dazu hätte sich übrigens ein Hinweis im Programmheft gefunden: "Ich liebe Schauspieler. Ich finde, sie sind die größte Kraft des Theaters", wird Rinke hier zitiert. Regisseurin Maria Viktoria Linke sieht das bestimmt ähnlich, vielleicht sollte sie diesem Gefühl in Zukunft etwas mehr vertrauen. (flo)

Fotos: Nikolas Hagele

Bild
Bild
Bild
Bild
Weitere Kultur
Bild
Achim Bogdahn
Kultur
Achim Bogdahn liest am 28.10. im Grandhotel Cosmopolis
Bild
Kunst in Pfersee
Kultur
Das jährliche Veranstaltungsformat erschließt 2026 neue Ausstellungsorte
Bild
Dracula
Kultur
Vorschau auf das Programm im Sensemble Theater für November
Tagestipps
Bild
SAMSTAG
24
T A G
E S T
I P P
Literatur
Parktheater Göggingen
So. 25.10.
Buntes
Schaezlerpalais
So. 25.10.
Konzert
Parktheater Göggingen
Mo. 26.10.
Konzert
Parktheater Göggingen
Mi. 28.10.
Vortrag
Jüdisches Museum Augsburg Schwaben