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Die Karriereleiter als Kletterwand
Das Double Feature "Personalspielchen" feierte am Samstag Premiere im Sensemble Theater mit Kerstin Becke, Florian Fisch und Sarah Hieber (v.l.).
Böse Zungen könnten behaupten, "die vom Theater" hätten halt keine Ahnung von der echten Arbeitswelt. Oder sind die Zustände in großen Konzernen vielleicht wirklich so krass, dass man es als Ottonormalarbeitnehmer kaum glauben kann?
Im Sensemble zeigen zwei kürzere Stücke, "Contractions" von Mike Bartlett und "Corporate Identity" von Werner Wüthrich, wie's zugeht in den Chefetagen, wenn sich die Personalmanager ungeniert ins Privatleben einmischen. Das ist anfangs nicht ohne Humor, wird jedoch schnell bis ins Groteske übersteigert und geht in "Contractions" sogar so weit, dass eine Angestellte die Leiche ihres Kindes in die Firma trägt, um ihre wiederhergestellte Einsatzfähigkeit zu beweisen.
Vollen Einsatz fordert auch Regisseur und Sensemble-Chef Sebastian Seidel von seinen Darstellern: Bei dem spektakulären Bühnenaufbau erbringen Kerstin Becke, Sarah Hieber und Florian Fisch buchstäblich Höchstleistungen. Die Karriereleiter als tückische Kletterwand, da bleibt nicht viel Platz für Zwischentöne, die nach Meinung der Autoren bei dem Thema wohl nicht angebracht sind.
Ironischerweise entpuppt sich ausgerechnet die einfallsreiche Ausstattung beinahe als Karrierefalle. Die Kletterei zieht einen Großteil der Publikumsaufmerksamkeit auf sich, was sich nicht zuletzt in den Diskussionen nach der Premiere zeigte. Ebenso schade ist, dass Kerstin Becke im Prinzip zweimal die gleiche Rolle spielt. Wie interessant wäre es gewesen, sie im zweiten Stück auf der anderen Seite des Schreibtisches zu erleben, als erfolgsverwöhnten Aufsteiger Mike M Marchant, der von "Betriebspsychologin" Florian Fisch in den Selbstmord getrieben wird.
"It's grotesquely funny - and it chills to the bone", schrieb die Times nach der Uraufführung von "Contractions" 2008. Das Aufatmen der Premierenbesucher und der Applaus waren auch im Sensemble Theater entsprechend groß. Man könnte auch sagen: "It's a dirty job, but someone's gotta do it." Die schwere Aufgabe ist trotz allem im Sensemble gut aufgehoben, vor allem das Duo Becke-Hieber macht Lust auf mehr, gerne auch mal auf einer "ganz normalen" Bühne. (flo)
Weitere Termine: 07., 08., 15.10., 04., 05., 11., 12., 19.11.






