Magazin
Draußen lernen
Es ist natürlich reine Menschenfreundlichkeit, dass das Theater Augsburg seinen am Dienstag vorgestellten neuen Spielplan mit einer Sperrfrist von 14.00 Uhr versieht – nach anderthalb Stunden Präsentation freut sich auch der hartgesottenste Journalist auf eine Mittagspause. Nicht, dass es nicht unterhaltsam gewesen wäre, die Crew, die da auf der Bühne im Theaterfoyer saß – v.l.: Ballettdirektor Robert Conn, die Schauspielchefs Maria Viktoria Linke und Oliver Brunner, Intendantin Juliane Votteler, Musiktheaterchef Georg Heckel und Übergangs-GMD Lancelot Fuhry (nicht im Bild) - wäre eine sensationelle Besetzung für eine Sitcom. Eine anspruchsvolle, versteht sich.
Dazu gehört auch Kulturreferent Thomas Weitzel (5. v.l.), der um die im Laufe des Vormittags allzu oft bemühte Floskel von der "spannenden Spielzeit" zwar auch nicht herumkam, dessen Begeisterung für die 27 Premieren aber keinesfalls gespielt sein dürfte. Nicht zuletzt wird sein Credo von der Öffnung des Theaters und der Stärkung des pädagogischen Bereiches nicht erst seit seinem Amtsantritt umgesetzt.
Die laut Weitzel "letzte vollwertige Spielzeit vor der Sanierung" (nach dem Opernball 2017 soll umgezogen werden) startet am 26.09. mit einer Schauspielpremiere: "Die lächerliche Finsternis". Das Stück von Wolfram Lotz wurde im September 2014 in Wien uraufgeführt und schickt in Anlehnung an Joseph Conrads "Heart Of Darkness" zwei Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan auf den Fluss "Hindukusch". Etwas unbeschwerter wird vermutlich "Der ideale Mann" von Oscar Wilde in der Übersetzung von Litearturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (Premiere: 10.10.).
Mit der nur zwei Jahre jüngeren "Schwester des Brandner Kasper" (Linke), dem Tiroler Stück "Die Geierwally" von 1873 (Premiere: 27.11.), will Schauspielcochefin Maria Viktoria Linke an den Erfolg der bayerischen Komödie anschließen, die auch in der kommenden Spielzeit weiterläuft. Ebenfalls fortgeführt wird die Beschäftigung mit Tennessee Williams, nach "Die Katze auf dem heißen Blechdach" startet dessen wohl berühmtestes Stück "Endstation Sehnsucht/A streetcar named desire" (verfilmt mit Marlon Brando) im Februar. Weitere große Namen sind Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" (06.02.), das Weihnachtsstück "Peter Pan" (15.11.) und Anton Tschechow, dessen Frühwerk "Platonow" allerdings eher Experten bekannt sein dürfte (04.05.). Das kann man von Alina Bronskys "Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche" nicht sagen, in Augsburg findet im Juni 2016 die Uraufführung des Erfolgsromans statt. Kooperationen gibt es wieder mit dem Jungen und dem Sensemble Theater sowie Bluespots Productions.
In der Tanzsparte wird u.a. die erfolgreiche Tradition der Handlungsballette fortgesetzt mit "Hamlet" (mit Musik von Philip Glass, 31.10.), die beliebte Ballettgala wird im März 2016 zum ersten Mal an zwei Terminen gezeigt.
Das Musiktheater freut sich ebenfalls auf eine Rarität: Die Handlung von "Der König Kandaules" klingt zwar komplett abstrus, doch sorgt die "ultramoderne" Oper von Alexander Zemlinsky jetzt schon für glänzende Augen im Theater Augsburg. Dasselbe gilt natürlich für "Hoffmanns Erzählungen" und die Operette "Die Csardasfürstin", während Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" wohl nichts für Zartbesaitete ist – fragen Sie Stalin. Aber dem hätte vermutlich auch "Cabaret" nicht gefallen, der Broadwayklassiker von 1966 wird 2016 auf der Freilichtbühne von John Dew inszeniert.
Ein stolzes Jubiläum feiern die Augsburger Philharmoniker mit ihrem 150jährigen Bestehen, zum Festkonzert im Oktober gibt's u.a. Bruckner und Beethoven. Besonders stolz war der "GMD auf Zeit", Lancelot Fuhry, über den diesjährigen "Artist in residence", den Pianisten Bernd Glemser. Der neue Generalmusikdirektor Domonkos Héja tritt im Sommer seinen Dienst in Augsburg an.
Juliane Votteler beendete den Vormittag mit den Worten: "Das Theater und seine Strukturen müssen sich verändern" und verwies auf die Fortführung der Info- und Beteiligungsveranstaltungen zur Theatersanierung. Und die Intendantin formulierte ihr Ziel angesichts des bevorstehenden Umzugs in den Kongress am Park: "Draußen lernen." (flo)






