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Kultur

Drei für Willie

Der Tributeabend für Willie Nelson im Jazzclub mit Franz Dobler und Philip Bradatsch...

Ehrlich gesagt hab ich Willie Nelson nie sonderlich ernst genommen. Selbst als man sich Ende der Neunziger im Zuge der "American Recordings" von Johnny Cash etwas mehr mit Countrymusik beschäftigt hat – wie Guz von den Aeronauten kurz vorher prophezeite – der weißhaarige, kiffende Country-Hippie Nelson kam mir immer vor wie ein Character aus dem Comic "Freak Brothers". Das ist seit gestern anders.

Im Jazzclub luden Augsburgs Musikexperte und Krimipreisträger Franz Dobler an der Seite von Philip Bradatsch der Allgäuer Band The Dinosaur Truckers und Markus Nägele, Cheflektor beim Heyne-Verlag, zum Tribute-Benefizabend an den 82jährigen Musiker. Benefiz natürlich nicht für Willie Nelson, sondern das Unterstützungskonto des Diakonischen Werks für abgeschobene Familien aus Bayern.

Das Konzept klingt so unspektakulär wie einleuchtend: Nach einer launigen Einleitung von Markus Nägele liest Franz Dobler aus der Autobiographie "Mein Leben: Eine lange Geschichte", Philip Bradatsch singt Songs des Komponisten von Hits wie "On The Road Again" und Artverwandtes, darunter Klassiker wie "Pancho & Lefty" von Townes van Zandt. Thats's it. That's enough. That's awesome.

Die drei Protagonisten waren mit dem Abend bereits auf Tour und funktionieren wie ein Pferd auf dem Heimweg nach einem langen Trail – man weiß, wo man hinwill, kennt den Weg und genießt das Gefühl, viel erlebt zu haben und das Ganze nochmal Revue passieren lassen zu können. Selbst Impressario Nägele geht während der Musikbeiträge mit, als würde er die Lieder zum ersten Mal hören.

Ist aber auch kein Wunder, Dobler und Bradatsch haben die Texte und Songs verinnerlicht, ihre abwechselnde Beiträge sind perfekt aufeinander abgestimmt. Mal liest Franz nur ein paar Zeilen, mal ein ganzes Kapitel – und sein Weggefährte ist stets aufmerksam, um im richtigen Moment die Zügel zu übernehmen. Die musikalischen Fähigkeiten von Philip Bradatsch sind sowieso überragend, sein Gitarrenspiel dem großen Vorbild absolut würdig und zu guter Letzt glänzt er auch noch am Flügel, der im Jazzclub praktischerweise "rumsteht".

Dass trotz des guten Zwecks nur rund 40 Zuhörer den Weg in den Jazzclub gefunden haben, ist schade, aber wie so oft in Augsburg ging man mal wieder nach Hause mit dem sicheren Wissen, den Daheimgebliebenen ein wertvolles Stückchen Erfahrung voraus zu sein. Allein das Finale, bei dem auch Nägele zur Gitarre greift und Dobler mit stoischer Miene die Shekere schüttelt, war ein Bild für die Ewigkeit. Ride on! (flo)

Im Bild (v.l.): Bradatsch, Nägele, Dobler (Foto: privat)

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