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"Ich bin der, der euch Weltwunder baut"

Philipp Hainhofer und sein Pommerscher Kunstschrank - die Ausstellung "Wunderwelt" im Maximilianmuseum...

"Ich bin der, der euch Weltwunder baut" – wenn man diesen Satz überhaupt einem Augsburger zuordnen würde, dann vielleicht Elias Holl, doch es war ein Zeitgenosse des legendären Augsburger Baumeisters, der den Ausspruch getan haben soll und der mit Gebäuden nur wenig zu tun hatte: Philipp Hainhofer (1585-1647).

"Der Kaufmann, Kunstagent, Nachrichtenkorrespondent und Diplomat gehört aufgrund seiner weitgefächerten Tätigkeit zu den schillerndsten Figuren im Augsburg des 17. Jahrhunderts", weiß Wikipedia und seine "Weltwunder" waren – Schränke. Besser gesagt: Kunstschränke.

Und wo hätte man solche ausgefuchsten Möbel besser herstellen können als im an Kunsthandwerkern so reichen Augsburg des frühen 17. Jahrhunderts? Das wohl prominenteste Stück der Gattung, der "Pommersche Kunstschrank", wurde in den letzten Kriegstagen 1945 in Berlin zerstört, doch sein Inhalt gerettet, und diese reichhaltige Sammlung an handwerklichen Kleinoden wird nun – rund 400 Jahre, nachdem das Möbel Augsburg verlassen hat und mit umfangreichem Begleitungmaterial - zum ersten Mal wieder hier gezeigt. Die Ausstellung "Wunderwelt. Der Pommersche Kunstschrank" im Maximilianmusem wird am Donnerstagabend eröffnet und dauert bis 29. Juni.

Gezeigt wird die ganze Welt des Philipp Hainhofers von seinen legendären Stammbüchern (Poesiealben der damaligen Zeit mit allerlei prominenten Einträgen), über Tagebücher und Urkunden bis zu seinen "Weltwundern", einem Augsburger Verkaufsschlager der damaligen Zeit.

Ein Kunstschrank ist so etwas wie der Miniaturhaushalt eines Herrschers: Von Barbier- und Apothekeraccessoires bis zu wissenschaftlichen Instrumenten und Spielen war alles in dem von über 20 Handwerksmeistern in jahrelanger Arbeit gefertigten Pommerschen Kunstschrank untergebracht, der Schreib-, Spiel-, Arbeits- und Unterhaltungstisch kostete damals 12.000 Gulden, das Vierfache eines Patrizierhauses.

Und so sind es natürlich die unzähligen Geschichten um den knapp 1,40 Meter hohen Schrank, die in der Ausstellung im Maximilianmuseum die damalige Zeit zum Leben erwecken. Die Schau beginnt mit einem Film aus dem Jahr 1934 mit dem bezeichnenden Titel "Die Welt im Schrank", den die Nazis nicht ohne Hintergedanken als Lobpreis für deutsche Handwerkskunst anfertigen ließen – ein Glücksfall für die Rekonstruktion der Geschichte des Schrankes, die wie keine andere dokumentiert ist. Weiter geht es vom Geburtshoroskop Hainhofers über die Briefwechsel zwischen ihm und seinem Auftraggeber, Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin, bis zu den Verhandlungen mit den Handwerkern vor Ort, darunter Größen wie der Silberschmied David Altenstätter oder der Maler Johann Matthias Kager, unter denen auch der ein oder andere "nasse Bruder" vom Wirtshaustisch in die Werkstatt zurückgelotst werden musste. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Kunstschränke und -Kabinette und deren kunstvolle Innenleben. Ein Panoptikum des Renaissance-Augsburgs, das seinen guten Ruf nicht über das Jahrhundert hinaus retten konnte.

Faszinierend sind diese Welt und ihre kleinen und großen Handwerkswunder allemal, vor allem natürlich, wenn man von einem Afficionado wie Museumsleiter Christoph Emmendörfer durch die Exponate geführt wird. Der Mann ist selbst eine Art Kunstschrank, der sein umfangreiches Wissen und seine Begeisterung für den Protagonisten - Emmendörfer spricht im Katalog vom "Hainhofer-Code" - nur allzu gerne weitergibt, ohne Zettel oder Manuskript und ohne Punkt und Komma. Ein hervorragender Cicerone für eine herausragende Figur, die zum Augsburg der Renaissance gehört wie Elias Holl oder Adriaen de Vries, als von Fürsten noch fast selbstverständlich erwartet wurde, dass sie zumindest umfassend interessiert, besser noch universalgebildet sind. Die Dekadenz der Herrschenden kann sehr, sehr schön sein – zu sehen bis 29. Juni im Augsburger Maximilianmuseum. (flo)

Fotos:
- Philipp Hainhofer, Zeichnung von Lucas Kilian, Augsburg, 1632, Nationalmuseum Stockholm (oben)
- Der Pommersche Kunstschrank, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum
- Übergabe des Kunstschranks von Philipp Hainhofer an Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin, Augsburg, Anton Mozart, um 1615, Staatliche Museen zu Berlin (Foto: Saturia Linke)
- Greifenuhr aus dem Pommerschen Kunstschrank, Georg Schmidt, Augsburg, vor 1617, Staatliche Museen Berlin (Foto: Helge Mundt)
- Altenstätter-Service, David Altenstätter, Augsburg, 1615, Detail, Privatbesitz

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