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Kultur

Irgendeiner zieht sich immer aus

"Endstation Sehnsucht" in der Brechtbühne - eine glänzende Hauptdarstellerin und eine überdrehte Regisseurin...

Premiere in der Brechtbühne am Samstag, 20.02.: "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams. Mit: Ute Fiedler (Bild oben), Jessica Higgings, Sebastián Arranz (2. Bild unten), Ferdinand Dörfler (oben im Hintergrund) u.a., Regie: Maria Viktoria Linke

Auf eines ist Verlass im Theater Augsburg: Irgendeiner zieht sich immer aus, meistens alle. Das ist so Avantgarde wie bunte Socken und lenkt auch bei der größtenteils gelungenen Inszenierung des Klassikers "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams eher ab.

Die Bühne und die Nebendarsteller sind eine Mischung aus 50er-Jahre-Gruselfilm und "Rocky Horror Picture Show" mit einem ganz speziellen Mittelpunkt: der vierköpfigen Band um Sängerin Lea Sophie Salfeld in Uniformen der US Army, die immer wieder willkommene Haltepunkte in das aufreibende Stück setzen. Ein im buchstäblichen Sinne traumhaftes Setting, das einiges aushalten muss im Laufe des Abends. Lediglich das Fenster, der eingebaute Fluchtpunkt mit Blick auf den Mississippi, bleibt lange unberührt.

Im Mittelpunkt des Stückes steht die abgehalfterte und psychisch labile einstige Südtstaatenschönheit Blanche DuBois: Ute Fiedler glänzt in der Rolle von der ersten Sekunde an - und wenigstens bei ihr machen die zahlreichen, teilweise beeindruckend rasanten Kostümwechsel auch Sinn. Erstaunlich blass bleibt Jessica Higgings als ihre Schwester Stella und leider findet Sebastián Arranz als brutaler Ehemann Stanley Kowalski, eigentlich der starke Gegenpart zu Blanche, nie in eine glaubwürdige Darstellung der vielleicht auch allzu bekannten Rolle, in der einst Marlon Brando seinen Durchbruch feierte. Ferdinand Dörfler als Mitch hingegen ist der wesentlich präsentere Teil von Kowalskis Rasselbande, die sich – Surprise, Surprise! – auch nur allzu gerne der Klamotten entledigt.

Die ganz großen Momente hat die mit Flüssigkeiten reichlich gesegnete Inszenierung dann auch in den ruhigen Monologstellen von Ute Fiedler - schließlich geht es ja beim Theater immer noch mehr um Text als um Sex, was in Augsburg bisweilen etwas in Vergessenheit zu geraten scheint. Sollte Regisseurin (und Schauspielchefin) Maria Viktoria Linke also irgendwann mal ihre kindische Aufgedrehtheit ablegen und endlich eines der vielen weiteren Fächer in ihrem Werkzeugkasten entdecken, könnte hier wirklich gutes Theater entstehen. Wie sagt man so schön? Talent ist da. (flo)

Fotos: Kai Wido Meyer

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