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Kein schöner Amt

Laut "Betroffenen" ein Stück, das man unbedingt Erziehern empfehlen sollte. Doch "Kaspar Häuser Meer" im Sensemble dürfen ruhig auch Architekten und Bauarbeiter ansehen...

Laut Insidern ein Stück, das man unbedingt Erziehern und ähnlichen Berufsgruppen empfehlen sollte. Doch "Kaspar Häuser Meer", das am 05. Apil Premiere im Sensemble Theater feierte, dürfen ruhig auch Architekten und Bauarbeiter ansehen.

Die Sensemble-Mannschaft hat sich wieder eine aktuelle Theaterperle rausgepickt und gekonnt inszeniert: Felicia Zellers Stück über gestresste Jugendamtsmitarbeiter arbeitet perfekt mit der hinterhältigen Mischung aus Komik und Drama, in der dem Zuschauer das Lachen im Hals steckenbleibt, so dass man fast daran erstickt.

Schauspieler und Regie haben viel richtig gemacht – und der rasante Wechsel zwischen Humor und Erschrecken charakterisiert den kompletten Theaterabend. Wenn Daniela Nering als Silvia ihren Weg in die verwahrloste Wohnung eines Klienten schildert, möchte man sich - im Äquivalent zum Horrorfilm - am liebsten die Ohren zuhalten oder ihr eine Warnung zurufen. Das ewige Dilemma, ob man als verantwortlicher Betreuer genug getan hat, bekommt schier unerträgliche Dimensionen, die neben Nering die Sensemble-Neulinge Claudia Schmidt als fünffache Mutter Barbara und Dörte Trauzeddel als Büronesthäkchen Anika, die irgendwann selbst unter Verdacht gerät, in sämtliche Dimensionen ausbuchstabieren – zwischen Telefonaten, Noteinsätzen, Dienstbesprechungen, Papierkram, Öffentlichkeitsdruck und sonstigem Bürowahnsinn.

Dass das Hamsterrad auf der Bühne nicht gerade an Zaunpfählen geizt, mag dem ein oder anderen Zuschauer zuviel des Guten sein, doch zumindest bietet es dem Publikum ein paar unruhige Verschnaufmomente, womit die (An-)Spannung des Stückes allerdings nur wenig gemildert wird. Dass die nahezu hoffnungslosen Kämpfe der Protagonisten rund 80 Minuten dauern, spürt man eh kaum vor lauter Atemlosigkeit. Im hektischen Rhythmus der zerrissenen, häufig unvollständigen Sprache, der Wiederholungen und Redundanzen wird eine Thematik dramatisiert, die eigentlich keiner Dramatik mehr bedarf. Und doch finden auch leise Töne ihren Weg in die Büroräume, in denen wir irgendwie alle sitzen: Jugendamtsmitarbeiter, Erzieher, Architekten, Bauarbeiter. Und draußen spielen die Kinder. Wenn wir Glück haben. Hoffentlich. (flo)

Die Bilder zeigen (v.l.): Claudia Schmidt, Dörte Trauzeddel, Daniela Nering (Fotos: Volker Stock)

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