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Kultur

Neues und Neue beim Theater Augsburg

Das Theater Augsburg präsentiert den neuen Spielplan und neue Gesichter...

Eigentlich gehört die Spielzeit-PK des Theaters Augsburg zu den angenehmeren Presseterminen. Wäre da nicht das meist gute Frühlingswetter und die dazugehörige drückende Luft im Foyer – zu all den Luken, die Intendantin Votteler seit 2007 geöffnet hat, gehören die Fenster im Foyer leider noch nicht...

Sei’s drum, die Intendantin war wie meistens bei dem Termin außerordentlich gutgelaunt und konnte auch gleich mehrere vielversprechende Neuzugänge vorstellen. Bekanntlich haben sich Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und Schauspieldirektor Markus Trabusch verabschiedet, ein Nachfolger für den Chefdirigenten ist noch nicht gefunden, die Musiktheatersparte übernehmen der neue geschäftsführende Leiter Georg Heckel, der aus Darmstadt kommt, und Votteler selbst.

Die Schauspielsparte wird auf vier Schultern verteilt: Oliver Brunner ist als Allrounder bereits seit den Bayerischen Theatertagen 2012 im Boot, die Berlinerin Maria Viktoria Linke kommt vom Landestheater Tübingen nach den Stationen Halle und Dessau.

Die beiden starten das Programm mit "Die Banditen von Gerolstein", einem "Mix aus Operette und Schauspiel" (Linke) nach Jaques Offenbach, inszeniert vom 1983 in Brandenburg geborenen Regisseur Paul-Georg Dittrich. Eher klassisch wird’s mit "Michael Kohlhaas" nach Heinrich von Kleist in der Regie von Ramin Anaraki und "Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams, in Szene gesetzt von Matthias Fontheim, dem noch amtierenden Intendanten des Staatstheaters Mainz, der dort laut Presse mit seinen "manchmal sehr deftigen Experimenten" den Aufsichtsrat verstört haben soll.

Das Weihnachtstück führt mit "Sindbad der Seefahrer" in den Orient, zum Brechfestival 2015 gibt's "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Nach Südamerika führt schließlich das Stadtrechercheprojekt "Goldland" im kommenden Jahr. In Anlehnung an die Aktivitäten der Welser in Venezuela macht sich das Theater auf die Suche "nach dem Gold – also der Stärke und der Kraft – von Augsburg heute" (Brunner).

Weitere große Namen sind Hans Falladas "Kleiner Mann was nun?" und "Gust" von Herbert Achternbusch, eine bemerkenswerte Anregung vonseiten des Ensembles. Moritz Rinkes "Wir lieben und wissen nichts" inszeniert Maria Linke selbst, das Stück "Playboy" der 1986 in Belgrad geborenen Autorin Marijana Verhoef Cosic verspricht laut Programmheft "Pulp Fiction in Serbien".

Ebenfalls nach Serbien zieht es Ballettdirektor Robert Conn, der in den kommenden Tagen mit seiner Compagnie und der Produktion "Schattenspiel" auf Minitournee in den früheren jugoslawischen Teilstaat reist und dessen Arbeit am Theater Augsburg eine der großen Erfolgsstorys der letzten Jahre ist. Doch wer Erfolg hat, muss auch mal Wünsche erfüllen, also setzte Conn wunschgemäß den Ballettklassiker "Romeo & Julia" auf den Spielplan, dessen Musik von Sergej Prokofjew, "ein Traum" sei, wie sich Conn ausdrückte. Ein persönlicher Traum des Ballettdirektors geht dann mit "Dans Impulse" in Erfüllung, das drei internationale Choreographen präsentiert, darunter der deutsche Choreograph Marco Goecke, der laut Conn "die Tanzwelt verändern wird".

Über die Musicalproduktion auf der Freilichtbühne im Jahr 2015 konnte Intendantin Votteler noch nichts Definitives sagen, da man zuletzt zahlreiche Stückewünsche von den Rechteinhabern nicht erfüllt bekam, im Netz war hier u.a. von der "Rocky Horror Show" zu lesen. Es bleibt also spannend, was auf das diesjährige "My Fair Lady" folgen wird.

Spannend bleibt auch die Nachfolge von GMD Dirk Kaftan, auch wenn das Musikprogramm schon größtenteils steht und ebenfalls wieder mit vielen großen Namen glänzt wie Bruckners siebter Sinfonie und Haydns "Schöpfung". Für die Kleinen gibt's u.a. "Der Blaue Stuhl" in Zusammenarbeit mit Mehr!Musik und das Märchenspiel "Hänsel und Gretel".

Die große Oper 2015 wird Alban Bergs "Wozzeck" sein, "heute so aktuell wie damals" (Votteler), dazu kommen Janaczeks "Jenufa", Mozarts "Die Gärtnerin aus Liebe" und Verdis "Macbeth". Womit laut der Intendantin "fast 350 Jahre Musikgeschichte" abgedeckt wären.

Eine Wiederaufnahme erfahren die Erfolgsproduktionen "Brandner Kaspar", "Tschick" und "Eine Sommernacht" sowie Wagners Oper "Lohengrin", die im Mai Premiere feiert. Der Opernball hat seine Dekadenabklapperei beendet und führt im Januar 2015 nach Paris zum "Künstlerfest" ins Moulin Rouge. (flo)

Das neue Spielzeitheft gibt's hier.

Foto oben: Maria Viktoria Linke, Juliane Votteler, Georg Heckel; unten: Oliver Brunner, Linke (jeweils v.l.)

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